Wulferstedt l Dieses erlebt auch gerade Martin Ilsmann bei der SG Germania Wulferstedt, denn immerhin verläuft die Serie alles andere als geplant – dank Corona. Den Traum, einen Titel zu gewinnen, verliert er dennoch nicht aus den Augen.

Mit seinen 32 Jahren zählt Martin Ilsmann zwar noch lange nicht zum alten Eisen, doch ist er schon einer der Erfahreneren im Team der SG Germania Wulferstedt in der Landesklasse 3. Dort führt er sein Team als Kapitän an und ist auch in der internen Torjägerliste nach sieben Spieltagen ganz vorn mit dabei: vier Treffer hat neben Ilsmann bisher nur Christian Schütze erzielt.

Ilsmann erhält Rückendeckung

Im Moment ist der Mittelfeldspieler jedoch weniger auf dem grünen Rasen zu finden. Angesichts der gesperrten Sportanlagen und Corona-Auflagen kein Wunder. „Das einzige Positive daran ist, dass ich mehr Zeit für meine Familie und meine Bauvorhaben zu Hause habe“, sagt der 32-Jährige Vater einer Tochter. „Uns geht es sehr gut, wir sind alle gesund und munter. Dennoch ist die Zeit ohne Fußball und die Gemeinschaft mit Freunden hart.“ Verständnis hat er aber dennoch für die Entscheidung, dass der Fußballverband Sachsen-Anhalt im Dezember keine Experimente zulässt und frühzeitig direkt in die Winterpause ging: „Das war die einzig sinnvolle Entscheidung, die getroffen werden konnte. Fußballspiele ohne Fans und mit weiteren Auflagen sind aus meiner Sicht undenkbar im Amateurfußball.“

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Ab wann der Ball wieder rollen wird, weiß Ilsmann nicht und möchte sich auch nicht festlegen. „Das kann leider noch gar keiner sagen“, meint er. „Doch um Ende Januar Pflichtspiele durchführen zu können, müsste bereits Anfang Januar mit dem Training gestartet werden. Alles danach würde es noch schwerer machen, die bis hierhin bereits ausgefallenen Partien nachzuholen. Ansonsten sehe ich eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni 2021 hinaus als sinnvoll“, so der Familienvater. „Ich hoffe, dass die Saison überhaupt zu Ende gespielt wird.“

Nach den gespielten sieben Runden in der Landesklasse 3 belegen die Wulferstedter aktuell Rang drei hinter Bregenstedt und Wernigerode. Nur drei Punkte fehlen auf das Team aus dem Harz. „Mit dem aktuellen Tabellenplatz können wir schon zufrieden sein“, sagt Ilsmann, „nicht aber mit der Spielweise und Einstellung, die wir teilweise geboten haben. Darüber hinaus ist für mich das frühe Aus im Pokal, wenngleich es verdient war, noch immer schwer zu verkraften.“ Woran dies liegt, lässt der Spielführer offen. Wahrscheinlich aber ist natürlich, dass der Trainer eine Rolle dabei spielt. Immerhin hat Patrick Horn die Mannschaft erst zu Saisonbeginn übernommen, nach sieben Partien kann man also keinesfalls davon ausgehen, dass schon alles eingespielt ist. Bekannt war der neue Coach vor seinem Engagement in Wulferstedt aber dennoch: „Er war ja bereits Trainer in der Landesklasse 3 und daher kennt man sich einfach aus Gesprächen vor oder nach dem Spiel. Zudem wollten wir ihn ja schon früher einmal von uns überzeugen, so dass Patrick Horn und ich schon häufiger in Kontakt standen.“

Grundstein liegt in Wackersleben

Gute Erinnerungen hat Martin Ilsmann noch an seinen ersten Trainer: „Ich habe im Alter von fünf Jahren mit dem Fußballspielen begonnen. Mein erster Übungsleiter war mein Vater, Heino Ilsmann. Das war damals noch bei meinem Heimatverein Rot-Weiß Wackersleben.“

Dort wurde der Grundstein für eine Laufbahn gelegt, die den 32-Jährigen bis in die höchste Spielklasse des Landes führte: Beim TSV Völpke hat er über fünf Spielzeiten in der Verbandsliga gespielt, dabei auch einen Treffer erzielt. Dort traf er auch auf den Trainer, der ihn im Verlauf seiner fußballerischen Karriere am meisten geprägt hat: „Das war ganz klar Thoralf Bennert. Er wusste genau, wie man durch Motivation und sehr gutes Training die Spieler richtig fit bekommt. Er konnte durch seine Erfahrung und seine taktischen Fähigkeiten der Mannschaft viel mit auf den Weg geben.“

Ehrgeiz auch in unterer Spielklasse

Im Sommer 2015 war dann Schluss in Völpke, Ilsmann war gerade einmal 27 Jahre jung, also im besten Fußballer-Alter. Dennoch brach er seine Zelte beim TSV ab. „Die Völpker Mannschaft brach leider nach und nach auseinander, wurde schließlich auch aufgelöst. Danach habe ich mehrere Gespräche mit verschiedenen Vereinen geführt und in Wulferstedt hat es einfach gepasst. Das Trainerteam unter Marco Wagner überzeugte mich“, beschreibt der Mittelfeldakteur seinen Weg zu den Germanen in die Landesklasse drei. „In der Mannschaft war Spaß, Zusammenhalt und Kampfgeist vorhanden. Das war genau das, was ich wollte und da war die Spielklasse für mich zweitrangig.“

Zwei Klassen tiefer zu spielen bedeutet für Martin Ilsmann aber keinesfalls, dass der Ehrgeiz auf der Strecke geblieben ist: „Leider habe ich in meiner Laufbahn noch keinen Titel geholt und mein größter Wunsch wäre es, einmal die Meisterschaft oder den Pokal zu gewinnen!“ Im Fußball ist er damit wohl nicht allein, denn darum geht es letztlich in dem Mannschaftssport. Dass dieser noch in der Landesklasse einen sehr hohen Stellenwert für den 32-Jährigen besitzt, zeigt sein Einsatz: „Ich versuche alles, um an jedem Spiel teilnehmen zu können. Dafür werden auch Urlaube mit der Familie dementsprechend gelegt.“

Ilsmann setzt auf einen gesunden Mix

Dennoch ist in seinem Leben auch Platz für etwas anderes: „Ich spiele Volleyball und fahre gern Ski.“ Doch selbst nach dem Ende seiner „aktiven“ Laufbahn wird Ilsmann nicht ohne das runde Leder können. „Definitiv werde ich, solange es die Gesundheit hergibt, in einer Alt-Herren-Mannschaft kicken und natürlich auch das eine oder andere Fußballspiel als Zuschauer vom Spielfeldrand aus verfolgen.“ Wenn Ilsmann kein Sport treibt, ist er in erster Linie beruflich eingebunden. „Ich bin im Vertrieb und Außendienst für LSB Stahlbau tätig“, verrät er, so dass das „alte Eisen“ doch gar nicht so weit hergeholt ist. „Die Freizeit verbringe ich mit meiner Familie und meinen Freunden.“ Dennoch bekommt er vom Fußball nicht genug: „Ich trainiere noch die Frauenmannschaft von Wackersleben.“

Da drängt sich die Frage, wie er das alles unter einen Hut bekommt, so richtig auf. „Die Zeit zwischen Arbeit und Fußball versuche ich so oft wie möglich mit meiner Familie zu verbringen, besonders seitdem meine Tochter Maja geboren ist. Meine Freundin, die auch Fußball spielt, hat viel Verständnis dafür, dass ich Dienstag, Donnerstag und am Wochenende auf dem Platz stehe und danach auch mal länger sitzen bleibe.“ Ein Dauerzustand soll diese Kombination aus Spieler, Trainer, Berufstätiger und Familienvater aber nicht bleiben. Zwar geht es für Ilsmann in der Zukunft hauptsächlich darum, gesund zu bleiben, doch wünscht er sich privat wie sportlich auch glückliche Momente. „In fünf Jahren sehe ich mich auch weniger auf dem Fußballplatz, als dann mehr bei meiner Familie“, so Martin Ilsmann abschließend.