Oschersleben l Viel mehr überraschte der OSC. Sei die Tiefstapelei nun berechtigt oder nicht – der Gastgeber war taktisch den spielerisch besseren Germanen deutlich überlegen. Und das gab den Ausschlag in diesem Derby. Mit Manuel Zabel hatte der OSC zudem den besten Mann auf dem Platz.

Stefan Mohr hatte in der Abwehr Charwat, Grzenda und Behrens nicht zur Verfügung. Die Umstellung in der Kette blieb im Spiel nicht verborgen. Beim OSC war Torhüter Steven Koch ein mindestens gleichwertiger Vertreter von Rothämel. Beide Teams starteten vorsichtig in das Derby, wollten keine Fehler machen. Näher am Torerfolg waren erst die Gäste, mit den eindeutigeren Chancen. So in der 11. Minute: Elle schickte Herzberg, Koch ließ sich rauslocken, konnte den Ball nicht festmachen. Von hinten hätte es Reimann mit einem Lupfer aufs leere Tor versuchen können, schoss aber Koch flach an. Erste Aufregung verbreitete der OSC mit einem gefährlichen Freistoß von Westphal, den Beisch prallen ließ und Brunke die Gefahr endgültig bereinigte (15.). Gegenüber tauchte Koch ab und wischte einen Schütze-Freistoß um den Pfosten (20.). Wieder eine starke Reaktion von Koch, der nach einem platzierten Brunke-Kopfball quer in der Luft lag (23.).

Starker Zabel nutzt Wulferstedter Fehler

Durch das hohe Anlaufen vom OSC, immer wieder von Zabel inszeniert, geriet Wulferstedt erst in Verlegenheit, dann in Unsicherheit. Aus dieser entstand ein folgenschwerer Fehler, auf den der OSC wartete. Einen zu langsamen Rückpass auf Beisch versuchten sowohl Beisch als auch Zabel zu erreichen. Beisch war eher am Ball, schoss aber Brunke an. Der Ball prallte zum Wulferstedter Tor zurück. Ex-Germane Zabel musste nur noch hinlaufen und einschieben (25.). Wulferstedts Reaktion war erkennbar, die Umsetzung im Ablauf aber zu starr und durchsichtig. Dennoch eine große Chance für Reimann, der den Ball schön durchgesteckt bekam, dann aufs Tor zulaufend zu überhastet und ungenau abschloss (32.). Die Schlüsselszene des gesamten Spiels war sicherlich die überragende Verhinderung des 2:0 durch Beisch. Dannenberg flankte butterweich halb hoch vor das Germanen-Tor, wo Rode drei Meter vor Beisch per Seitfallzieher schoss, Beisch den Ball mit Blitzreaktion irgendwie über die Latte lenkte (40.). Eigentlich ist dieser Ball drin, und nach dieser Szene war die Führung des OSC als gerechtfertigt zu sehen.

Klang das bisher alles nach halbwegs gutem Fußball mit aufregenden Chancen, schraubte sich das Spielniveau nach Wiederanpfiff spürbar zurück. Das Spiel wurde zäh. Der OSC blieb bei seiner taktisch starken Linie, Wulferstedt hingegen konnte die in der Pause erwarteten Rückschlüsse nicht auf den Rasen bringen. Es änderte sich nichts. Zu gut war der OSC auf das Wulferstedter Spiel eingestellt. Mit ein bisschen Glück steht es 2:0. Westphal verfehlte mit wuchtigem Weitschuss aus 20 Metern das Ziel knapp (55.). Beisch musste einen gefährlichen Aufsetzer über die Latte flutschen lassen (64.) und parierte auch einen Kopfball von Dannenberg stark (74.). Für Germania drosch Herzberg den Ball aus spitzem Winkel mit Vollspann am gegenüberliegenden Dreiangel vorbei (70.). Reimann zog nach Eckstoß aus 18 Metern wuchtig ab – wieder knapp drüber (78.). Der OSC und auch langsam die Zuschauer waren sich des Ergebnisses mehr und mehr sicher.

Mehr Risiko für Wulferstedt

Die Zeit lief für den OSC von der Uhr. In den letzten zehn Minuten ging Wulferstedt nochmal mehr Risiko. Das wurde belohnt. Ein langer gefühlvoller Ball von Eric Mann in die Spitze auf Schütze. Im Laufduell brachte Rasch seinen Ex-Kollegen zu Fall, Schiedsrichter Rittweger entschied sofort auf Strafstoß. Kapitän Ilsmann übernahm die Verantwortung und machte mit dem 1:1 den Abend für seine Mannschaft und die vielen mitgereisten Fans wieder verträglich (87.).

Anschließend wollten beide noch gewinnen, es ging während der vierminütigen Nachspielzeit hin und her. Nach Abpfiff waren sich die meisten Zuschauer einig, kein gutklassiges, aber ein spannendes Derby gesehen zu haben.

Tore

1:0 Zabel (25.), 1:1 Ilsmann (FE, 87.)