Bebertal l Dieses Mal jedoch nicht als Feuerwehrmann, sondern um langfristig etwas aufzubauen. Mit dem 32-Jährigen unterhielt sich Maximilian Pefestorff über die vergangenen Monate und die neue Spielzeit in der Bördeoberliga.

Kevin, wie würdest Du die vergangenen Wochen und Monate während der Corona-Wettkampfpause beschreiben?

Ich hätte mir zu Beginn des Jahres kein Szenario vorstellen können, das einem persönlich den Fußball plötzlich derart unwichtig erscheinen lässt. Natürlich war ich als Trainer mit organisatorischen Dingen für das neue Spieljahr beschäftigt. Die Gedanken waren und sind aktuell noch stark geprägt von den Ereignissen rund um Corona.

Nach dem sportlichen Lockdown wurde für den Sport mehr und mehr gelockert. Wie bewertest Du die momentane Lage? Sind die Auflagen in der Praxis gut umsetzbar?

Die momentane Lage hinterlässt bei mir noch eine große Ungewissheit. Ich denke, dass die Auflagen nicht groß genug sein können. Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten haben absolute Priorität. Es deutet aktuell einiges daraufhin, dass die Vereine die Auflagen erfüllen können. Dass das jetzt auch grob flächendeckend im Amateurbereich so ist, freut mich, denn ich habe die gesonderte Behandlung im Profibereich eher skeptisch gesehen.

Du bist nach einem Jahr beim SV Olympia Schlanstedt wieder zum Bebertaler SV zurück gekehrt. Welche Beweggründe gaben dafür den Ausschlag?

Es war ein bewegendes Jahr in Schlanstedt mit einem absolut intaktem Verhältnis zur Mannschaft und einer soliden sportlichen Weiterentwicklung. Der erneute Kontakt mit Bebertal ist erst nach der verkündeten Trennung entstanden. Die Gründe für das Aus spielen zum jetzigen Zeitpunkt keine Rolle mehr und hindern beide Seiten nicht an einem weiterhin guten Verhältnis. Zwischenmenschlich mussten die Verantwortlichen des BSV keine große Überzeugungsarbeit leisten. Vielmehr hat mich das sportliche Projekt sofort interessiert und letztendlich auch final gereizt.

Du bist ein ambitionierter Trainer. Warum ist der Schritt in eine tiefere Spielklasse kein Schritt zurück für deine persönliche Trainerkarriere?

Außenstehende dürfen das natürlich als Rückschritt bewerten. Nach der eigenen Entscheidung in Schlanstedt, hätte ich der Landesklasse erhalten bleiben können, habe mich aber bewusst dagegen entschieden. Mit 32 Jahren gehe ich jetzt ins sechste Trainerjahr im Herrenbereich. Zu solch einem frühen Zeitpunkt lasse ich mich von einer Ligazugehörigkeit nicht irritieren. Die Kreisoberliga kann sportlich in großen Teilen auch mit dem Niveau der Landesklasse mithalten. Dabei ist für mich ein anspruchsvolles Projekt mit dem Bebertaler SV an dieser Stelle deutlich reizvoller, als ein nach außen hin „gemachtes Nest“ in der Landesklasse. Parallel bin ich gerade dabei, die B- Trainerlizenz so bald wie möglich zu erwerben. Zusammengefasst kann man sagen, dass ich schon „ambitioniert“ bin, aber mit Sinn, Verstand und einem gesunden Blick für die richtigen Zeitpunkte.

Die ersten beiden Testspiele verliefen erfolgreich. Wie würdest Du die derzeitige Verfassung deiner Mannschaft bewerten?

Die Mannschaft ist in einer guten Verfassung und hat in beiden Testspielen überzeugen können. Wir lassen uns davon nicht blenden und bewerten die Situation nicht über. Wir müssen uns für den aktuellen Zustand aber auch nicht entschuldigen, wurde doch einiges an Trainingsaufwand dafür investiert.

Was zeichnet die Mannschaft des Bebertaler SV aus?

Die Mannschaft hat seit Jahren ein hohes Potenzial. Hinzu kommt jetzt noch der ein oder andere Neuzugang. Dennoch musste man in den letzten fünf Jahren immer wieder bis zum Schluss gegen den Abstieg spielen. Das gilt es aufzuarbeiten und mit den vorhandenen Möglichkeiten eine neue Zeit mit neuen Perspektiven zu beginnen.

Woran möchtest du als Trainer in der Vorbereitung noch ansetzen?

Die Feinjustierung läuft bereits und wird noch bis über den Saisonstart hinaus andauern. Unsere Schwerpunkte kommunizieren wir aber intern.

Gibt es neben den bereits bekannten Neuzugängen noch weitere Spieler, die sich der Mannschaft anschließen werden?

Nein, der Spielerkader bleibt mit den Neuzugängen unverändert.

Du hast den BSV in der Saison 2018/19 auf einem Abstiegsplatz übernommen und schnell zum Klassenerhalt geführt. Welche Ziele hast du dir für deine zweite Amtszeit gesetzt?

Damals waren es zwei intensive Monate, in denen sich sofort positive Ergebnisse einstellen mussten. Die Mannschaft hatte den „Bärenanteil“ daran, dass das auch funktioniert hat. Jetzt ist die Ausgangslage eine andere. Gewisse Handlungsweisen und Prinzipien bleiben natürlich gleich, aber jetzt müssen wir nachhaltiger denken. Eine formulierte Zielsetzung mit einer konkreten Platzierung wird es von mir zu Beginn nicht geben. Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können - die eigene Leistung. Was am Ende bei raus kommt, werden wir sehen. Ein Jahr ohne Abstiegssorgen würde dem Verein sicherlich gut tun.