Wulferstedt l Über diese Partie wird noch lange gesprochen. Wulferstedt, nur durch Aushilfe aus der zweiten Mannschaft überhaupt vollzählig geworden, fehlten Sekunden zur Sensation.

Die zwischenzeitliche 2:0-Führung und das erneute 3:2 in den Schlussminuten verleiteten angesichts der völlig unterschiedlichen Kräfteverhältnisse zum Träumen. Durch einen Handelfmeter in der vierten Minute der Nachspielzeit rettete sich der aufstiegswillige Favorit einen glücklichen Punkt.

Während es nach 30 Minuten auch für Angreifer Christian Reimann nicht mehr weiterging – er wurde durch Co-Trainer Stefan Mohr ersetzt – konnten sich die mit breitem Kader angereisten Thalenser erlauben, Topscorer Kai Meldau draußen zu lassen. Mehr Improvisation ging dagegen bei Wulferstedt nicht.

Torlos zur Pause

Dementsprechend verlief die erste Halbzeit. Die Ausgangslage und die äußeren Verhältnisse samt stürmischem Wind ließen keine Spielkultur zu. Schönspielen war kein Erfolgsrezept. Während Thale dies erwartungsgemäß noch versuchte, mit fortlaufender Spielzeit aber immer ineffizienter wurde, war Wulferstedt umso kämpferischer eingestellt. Es ging mit einem 0:0 auf die Pause zu, womit die Germanen wohl zufriedener waren als die Harzer.

Der spätere Dreifachtorschütze Sebastian Stadler hätte seinen ersten Treffer sogar vorziehen können, als er die bis dahin größte Chance in der 43. Minute hatte. Halb rechts allein auf Torhüter Hottelmann zusteuernd, war sein Abschluss aber noch nicht frech genug. Hottelmann hielt.

Highlights am Stück in der zweiten Halbzeit

Die zweite Halbzeit war entgegen der ersten an Emotionen und Spannung nicht mehr zu toppen. „Dosenöffner“ war das 1:0 durch Stadler. Er nahm einen springenden Ball im Strafraum unter Kontrolle und hämmerte ihn trotz Bewachung aus der Drehung wunderschön ins lange Eck (52.). Keeper Hottelmann sah dabei durch einen Stellungsfehler nicht so gut aus. Spätestens drei Minuten später, mit dem 2:0 verstand Thale die Welt nicht mehr.

Mohr schickte Stadler, der sich im Laufduell durchsetzte und an Hottelmann vorbei einschoss (55.). Konzept suchend wechselte Thale schnell Torjäger Meldau ein. Sehr früh, schon zwei Minuten später, kam Beihilfe für Thale durch das nächste Tor eines Wulferstedters – leider ins eigene Netz. Der nasse Ball rutschte Charwat beim Klärungsversuch völlig über den Schlappen und trudelte ins Tor. Beisch war auch etwas herausgerückt, konnte deshalb nichts mehr ausrichten. Das 3:1 und damit eine Vorentscheidung hatte Stefan Mohr auf dem Fuß. Als Steven Pflug über den Ball trat, war Mohr frei durch, wollte es aber vor Hottelmann zu genau machen und schob Zentimeter vorbei (67.). Thale blieb also im Spiel.

Schlussphase mit reichlich Emotionen

Der nächste Jubel gehörte auch dem SV, denn Meldau war nach einem Gestocher vor dem Tor erfolgreich (75.). Thales Eicke Timpe musste mit Gelb-Rot den Platz verlassen (81.). In der 85. Minute brachen emotional alle Dämme, als die Jubeltraube an der Eckfahne Sebastian Stadler umringte, der gerade das 3:2 für Wulferstedt geschossen hatte. Die Sensation war so gut wie beschlossene Sache. Da wog auch die Gelb-Rote Karte für Sören Dannenberg durch notwendiges Einsteigen zur Verhinderung einer Flanke nicht so schwer (87.).

Schiedsrichter Kleist wollte vier Minuten nachspielen lassen. In der dritten Minute der Nachspielzeit Wulferstedter Ballbesitz nach einem ruhenden Ball im Mittelfeld: durch einen herben Fehlpass ohne jegliche Not konnte Thale den Ball noch einmal nach vorn treiben und scharfmachen. Dabei sprang der rutschige Ball einem Verteidiger vom Knie an die Hand und es gab sofort Strafstoß. Lonscakovs bewahrte mit dem 3:3 seiner Mannschaft die Ehre. Thale weiß aber sicher, dass ein Unentschieden in Wulferstedt im harten Aufstiegsrennen mit Ummendorf zu wenig ist.

Statistik

Wulferstedt: Beisch – Behrens, Martin Ilsmann, Dannenberg, Charwat, Grzenda, Rzehaczek, Matthias, Reimann (32. Mohr), Stadler, Michael Ilsmann (90.+5 Thiepold)

Torfolge: 1:0, 2:0 Stadler (52., 55.), 2:1 Charwat (ET, 57.), 2:2 Meldau (75.), 3:2 Stadler (85.), 3:3 Lonscakovs (HE, 90.+4)

Besondere Vorkommnisse: Jeweils Gelb-Rot für Thales Eicke Timpe und Germanias Sören Dannenberg (81., 87.; beide wiederholtes Foulspiel)

Schiedsrichter: Daniel Kleist, Fabian Siebert, Wolfgang Siebert

Zuschauer: 107