Magdeburg/Oschersleben l Während dort aber kaum mehr eine Rede davon ist, erwischt es nun den Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA).

Die Überraschung bei Vereinsvertretern, die regelmäßig die Informationen des FSA über ihr elektronisches Postfach beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhalten, dürfte am Montagvormittag groß gewesen sein. Gegen 9 Uhr informierte der Verband seine Mitglieder über „Unregelmäßigkeiten“. „Nach intensiven, internen Prüfungen in der Geschäftsstelle hat sich ein anfänglicher Verdacht der Veruntreuung von Finanzen des FSA bestätigt. Beginnend von Januar 2015 bis einschließlich November 2020 wurden Gelder in noch nicht genau bezifferbarer Höhe unterschlagen“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Darauf gekommen sein dürften die Verantwortlichen durch einen Volksstimme-Bericht am 28. November zu einem Untreue-Prozess am Landgericht Magdeburg. Als Mitarbeiter des Fußballverbands die Berichterstattung gelesen haben, stolperten sie sofort über den Vornamen und Anfangsbuchstaben der 54 Jahre alten Angeklagten: Cornelia S. Dazu kam ihnen das gepixelte Foto der Frau bekannt vor. So lag der Verdacht nahe, dass es sich bei Cornelia S. und die Person handelt, die seit dem Jahr 2014 auch als Buchhalterin für die Finanzen des FSA zuständig ist.

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400.000 Euro von 2015 bis 2020

Sofort eingeleitete interne Kontrollen erhärteten den Verdacht. Wie ein FSA-Mitarbeiter am Montag der Volksstimme bestätigte, betragen die bisher entdeckten Unregelmäßigkeiten zwischen 2015 und einschließlich November 2020 rund 400.000 Euro. Die Rede ist von der „Spitze des Eisbergs“.

Im aktuellen Prozess hat Cornelia S. eingeräumt, zwischen 2010 und 2015 bei der Getec rund 1,1 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die eigentliche Summe, die aufgrund von Verjährung allerdings nicht verfolgt werden kann, soll sogar bei 2,4 Millionen Euro liegen. Neben den 471 Untreuefällen hat die Staatsanwaltschaft S. wegen fünf Fällen von Steuerhinterziehung in Höhe von rund 147.000 Euro angeklagt.

Auf Grundlage der Überprüfung hat der FSA umgehend Selbstanzeige beim Finanzamt gestellt. Denn wegen der kriminellen Unregelmäßigkeiten ist es auch in diesem Fall zu Steuerverkürzungen gekommen.

Verband ist es unerklärlich

Wie der Verband mitteilte, sei es für den FSA „trotz der satzungsmäßigen Mechanismen zum Controlling durch Kassenprüfer und Steuerbüro, der Neuaufstellung der Finanz- und Wirtschaftsordnung und interner Überprüfung vom Vizepräsidenten Finanzen unerklärlich, wie diese kriminellen Taten ausgeführt wurden“.

Vieles deutet darauf hin, dass S. erneut ihre eigenverantwortliche Stelle ausgenutzt hat, um mit derselben Verschleierungstaktik über verschiedenen Konten, Gelder zu veruntreuen. Nach Volksstimme-Informationen lagen nach jetzigem Kenntnisstand bei der Einstellung keine Dienstzeugnisse des vorherigen Arbeitgebers (Getec) vor. Der FSA überprüfe zurzeit, wie es überhaupt zu dieser Einstellung kommen konnte, wo die Finanzmanipulationen doch bereits damals bei Getec bekannt waren. In einem Einstellungsgespräch habe S. ihren Wechsel zum FSA damit begründet, dass ihr Ehemann schwerbehindert sei und sie „kürzertreten“ wolle.

FSA hatte vom Prozess keine Kenntnis

Vom Prozess gegen S. habe der Verband bis zum Volksstimme-Bericht keine Kenntnis gehabt. „Frau S. hat sich krank gemeldet. Wir haben uns mehrfach bei ihr gemeldet. Doch entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten hat sie sich nicht zurückgemeldet“, so ein Mitarbeiter. Inzwischen habe man festgestellt, dass sie bereits Teile ihrer persönlichen Sachen aus ihrem Büro ausgeräumt hat.

In seiner Mitteilung verwies der Verband auch darauf, den Arbeitsvertrag mit der verdächtigten Cornelia S. sofort gekündigt zu haben. Auf der Homepage ist sie auch nicht mehr bei den Mitarbeitern der Geschäftsstelle aufgeführt. Darüber hinaus habe der FSA gegen die Verdächtige Strafanzeige gestellt. Weiterhin hat das Präsidium Selbstanzeige beim zuständigen Finanzamt gestellt, um die Aufarbeitung des Schadens voranzutreiben. „Aus den Ergebnissen des derzeit stattfindenden, internen Aufklärungsprozesses werden Handlungen abgeleitet, die darauf ausgerichtet sein werden, dass eine derartige Situation nicht wieder eintreten wird.

Das FSA-Präsidium wird zudem in den nächsten Tagen einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beauftragen, eine weitere Tiefenprüfung der Finanzen des Verbandes durchzuführen. Das FSA-Präsidium ist tief enttäuscht und fassungslos, wie sich diese Person das Geld, das auch den Mitgliedsvereinen und den Kreis- und Stadtverbänden gehört, zu eigen gemacht hat. Die entsprechenden Verbände, FSA-Gremien und Vereine wurden bereits informiert“, heißt es in der Information des Fußballverbands Sachsen-Anhalt an seine Mitglieder weiter.

Gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) erklärte Haiko Hopf, Vizepräsident Finanzen, dass die Arbeit des Verbandes indes nicht in Gefahr sei. Am morgigen Donnerstag ist eine Zusammenkunft des FSA-Vorstandes geplant. Dabei soll es darum gehen, derartige Vorfälle für die Zukunft auszuschließen. „Intern werden wir verschiedene Vorgänge neu vorschlagen und diese neu strukturieren, dass so etwas wahrscheinlich nicht mehr vorkommen kann, aber gegen Betrug - muss man ehrlicherweise sagen – wo kriminelle Energie vorhanden ist, ist man kaum gefeit, und die Möglichkeiten da Einfluss zu nehmen, sind aus unserer Sicht relativ wenig. Aber dass, was wir machen können, werden wir auf jeden Fall ausschöpfen“, wird Hopf vom MDR zitiert. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss der Skandal auf die Neuwahl des FSA-Präsidiums haben wird.