Nach vielen sehr erfolgreichen Jahren mit Titel-, Pokal- und Medaillengewinnen in der Sachsen-Anhalt-Liga haben die Handballer des SV Langenweddingen die Saison 2017/18 nur auf Rang acht abgeschlossen. Mit Christian Stark, der das Team bis zum Saisonende als Trainer betreute, unterhielt sich Sportredakteurin Stefanie Brandt.

Volksstimme: Herr Stark, warum und mit welchen Erwartungen haben Sie das Traineramt beim SV Langenweddingen vor rund zweieinhalb Jahren übernommen?

Christian Stark: Eigentlich hat es damals ja Matthias Scheller von Markus Deinert übernommen und mich gefragt, ob ich ihn unterstützen würde. Nach der ersten Saison habe ich nach einigen Überlegungen dann weiter gemacht, zusammen mit Mario Seifert. Bei der Entscheidung, die Aufgabe zu übernehmen, war sicherlich ein großes Stück Dankbarkeit der Mannschaft gegenüber dabei, weil ich beim SV Langenweddingen nach dem Weggang aus Schönebeck nochmal vier, fünf erfolgreiche und schöne Jahre als Spieler in der Sachsen-Anhalt-Liga erleben durfte. Da dachte man sich dann: Bevor es ein Fremder macht oder sich keiner findet, mache ich das. Auch wenn ich keine Trainerausbildung habe – einfach, damit es irgendwie weitergeht.

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Wie hat sich die Realität der Trainerarbeit von Ihren Vorstellungen unterschieden?

Ich hatte bei Lok Schönebeck und auch im Nachwuchs in Rostock damals ja schon einige Trainer, von denen man sich was mitgenommen hat. Außerdem hat man ein bisschen im Internet studiert. Aber man muss eben auch sagen, dass in unserer Mannschaft alle Handball spielen konnten. Das musste man ja keinem mehr beibringen! Es ging bei meiner Aufgabe eigentlich mehr um eine Betreuung und Disziplinierung – und auch darum, ein bisschen Emotionen reinzubringen.

Warum konnte der SVL in dieser Saison nicht mehr an die guten Jahre zuvor anknüpfen?

Es war ja eigentlich nicht das ganze Jahr. Das war zweigeteilt. Die Hinrunde lief top. Mit Siegen gegen Oebisfelde, Calbe, den BSV sind wir fast schon über die eigenen Erwartungen hinausgeschossen. Allerdings waren Wille und Einsatzbereitschaft bei vielen Spielern nicht mehr so da wie in den vergangenen Jahren. Das hatte man schon in der Vorbereitung gemerkt und in der Rückrunde hat sich das dann gerächt.

Ist das Team nach all den Erfolgen einfach zu satt gewesen?

Darüber habe ich auch einige Nächte gegrübelt. Ich kann aber nicht erklären, warum es auf einmal so war – vor allem auch von einer Vielzahl der Spieler. Natürlich haben die Verletzungen von Alex Rohr und Karl Herrmann auch mit in das schwächere Abschneiden hineingespielt, am Ende waren es aber auch einfach zu wenige, die wirklich alles dafür gegeben haben, nochmal eine Medaille zu gewinnen.

Haben Sie schon vor der Saison erwartet, dass es schwer wird, oder hat man das erst im Laufe der Saison gemerkt?

Wir wussten alle, dass es ein riesen Loch ins Team reißen wird, dass Tim Heine aufhört. Das soll keinesfalls gegen unseren aktuellen Kapitän Ricardo Schult gehen und man will beim Handball auch nicht zu viel von einem Spieler abhängig machen, aber was Tim über Jahre als Kapitän geleistet hat – nicht nur mit seiner eigenen Spielweise, sondern auch damit wie er als Kapitän das Team geführt hat … jeder, der ein bisschen Sachverstand hat, wusste, dass das Loch nicht so schnell zu stopfen sein wird. Dann kamen auch noch drei Neuzugänge dazu, so dass wir uns erstmal finden mussten. Die Erwartungen waren deshalb von vornherein nicht so hoch. Nicht außer Acht lassen darf man auch die Tatsache, dass die Liga so ausgeglichen war. Neun Teams kamen in Frage, eine Medaille zu holen. Dass wir davon nun nur Achter geworden sind, ehrlich, das war natürlich nicht unser Anspruch. Mit einem Sieg im letzten Spiel hätten wir aber auch noch Fünfter werden können. Das zeigt, wie eng es zuging.

Hätte man im Nachhinein den Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga nach der Saison, in der der SVL ungeschlagen Landesmeister wurde, vielleicht doch wagen sollen – einfach um einen neuen Reizpunkt zu setzen?

Den Gedanken hatte ich damals schon. Die Spieler hatten es sich in dem Jahr verdient. Andererseits kann man auch viel damit kaputtmachen, wenn man für die höhere Spielklasse einen großen Aufwand betreiben muss und dann keinen Erfolg hat. Außerdem war bei uns die gute Mischung aus jung und alt der Erfolgsgarant. Die alten Spieler wollten aber nicht aufsteigen – die Leistung hätte dafür wohl auch nicht mehr gereicht. So gesehen war es die richtige Entscheidung nicht aufzusteigen. Ein paar Spieler haben schon darunter gelitten, doch selbst die hätten aus beruflichen Gründen nicht immer spielen können. Letztes Jahr, bei unserem Ausscheiden im DHB-Amateurpokal gegen den HC Glauchau/Meerane, hat man, denke ich, auch gesehen, dass es schwer geworden wäre. Und selbst Glauchau ist inzwischen aus der Oberliga abgestiegen.

Zum Saisonende 2017/18 gab es nur ein Unentschieden gegen Post Magdeburg und Platz acht. Für die verabschiedeten Spieler nach den tollen Jahren zuvor etwas enttäuschend. Für Sie war es das letzte Spiel als Trainer. Wie groß war Ihre persönliche Enttäuschung?

Wir hatten uns eigentlich klar dafür ausgesprochen, nochmal eine Medaille holen zu wollen. Doch man hat schnell gemerkt, dass Antrieb und Aufwand weniger wurden. Man sprach von einer Medaille, hat aber gleichzeitig viel zu wenig dafür getan. Diese Gleichgültigkeit ärgert mich schon ein bisschen. Hätten alle vor der Saison gesagt: ‚Wir machen das nur noch als Freizeitsport‘, dann hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht als Trainer zur Verfügung gestellt. Doch der Anspruch war anfangs da, wurde aber schnell aufgeben. Für mich war das schon enttäuschend, aber es geht dabei ja nicht um meine Person.

Für Sie war es auch nicht der erste Abschied vom Handballsport. Den gab es schon bei Lok Schönebeck und dann nochmal, als Sie ihre aktive Karriere in Langenweddingen beendeten. Sehen Sie sich eigentlich mehr als Schönebecker oder Langenweddinger Handballer im Ruhestand?

Naja, ein paar Präsentkörbe kann man schon mitnehmen (lacht) und mit Schönebeck hatte ich ja mehr notgedrungen abgeschlossen. Dort hätte ich mir damals auch eine Funktion vorstellen können. Umso dankbarer bin ich für die schöne Zeit, die ich danach noch in Langenweddingen hatte, nachdem Kusche (Markus Deinert, Anm. d. Red.) uns hier hergeholt hat. Also ich fühle mich auf jeden Fall als Langenweddinger.

Was wünschen Sie sich für den SVL in der nächsten Saison?

Die Ziele müssen sie sich letztlich selbst stecken. Ich hoffe aber auf jeden Fall auf attraktiven Handball – schließlich will ich mir ja auch mal wieder Spiele angucken. Vor allem wünsche ich allen, dass sie gesund bleiben und weniger Verletzungspech als in diesem Jahr haben. Als sich Tim Heine und Carlo Bzdok, als sie aushelfen wollten, so schwer verletzt haben, das waren die traurigsten Momente der Saison.