Wefensleben l Für die Wefensleber Handballerinnen, die in dieser Saison erneut sehr erfolgreich unterwegs sind, das heißt in beiden Pokalwettkämpfen und auch der Meisterschaft noch mitmischen, kam die Absage aller Spiele zu einem sportlich gesehen besonders ungünstigen Zeitpunkt.

Mit TSV-Spielerin Christin Bortfeldt, die die Torschützenliste der Bezirksliga anführt und unter anderem auch schon für den HSC 2000 Magdeburg sowie den HSV Haldensleben höherklassig aktiv war, sprach Sportredakteurin Stefanie Brandt über die aktuelle Situation.

Volksstimme: Christin, ihr hattet mit dem HVSA-Cup-Halbfinale gegen Niederndodeleben ein sportliches Highlight direkt vor Augen. Wie habt ihr das Aussetzen des Spielbetriebes aufgenommen?

Christin Bortfeldt: Die Mannschaft hat verständnisvoll reagiert. Allerdings fragten wir uns zu Beginn alle, wann die Spiele noch nachgeholt werden sollen, aber auch diese Frage scheint momentan nicht relevant zu sein. Die Stimmung im Team war beim letzten Training – an diesem Tag war noch keine Rede davon, dass alles abgesagt wird – gut, allerdings kämpfen wir schon seit Wochen mit Verletzungen, weshalb wir momentan die Zeit zur Regeneration gut gebrauchen können. Außerdem ist der Fokus darauf gerichtet, die Ansteckungsgefahr zu minimieren und vor allem diese Krise so gut wie möglich zu überstehen. Jetzt ist Handball gerade nicht wichtig.

Wie überall fällt auch bei euch das Training im Team aus. Habt ihr „Hausaufgaben“?

Nein, so professionell läuft das bei uns nicht. Wir haben schon eine Weile über die eigene Fitness jedes Spielers gesprochen und darüber, dass man hier selbst an sich arbeiten kann. Wenn man einen Plan erstellen müsste, dann sollten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden: Ausdauer, Kraft und Stabilität. Das kann jeder in gewissen Maßen alleine zu Hause durchführen. Drei, vier Mal die Woche Lauftraining für die Kondition, Steigerungsläufe mit einbauen für die Schnellkraft, ansonsten verschiedene Übungen für die Stärkung der Bänder und Muskeln.

Das kann sich jeder im Netz anschauen, es gibt so viel Programm. Aber ich denke, in der Corona-Krise ist ein wirklich guter Tipp, um sich fit zu halten: Raus an die frische Luft. So lange es möglich ist und bitte nicht in Gruppen: laufen gehen, Rad fahren oder Inliner fahren – was einem am meisten Spaß macht – und schon wird der Kopf frei und wir tun etwas für unsere Kondition. Natürlich ist das auch alles mit Zeit verbunden, sprich, jeder sollte schauen, wie es ihm möglich ist.

Glaubst du, dass es durch die Absagen der sportlichen Wettbewerbe usw. finanzielle Probleme für einige Vereine und Spieler in eurer Liga oder Sachsen-Anhalt-Liga und Mitteldeutscher geben wird?

Ja, sicherlich. In welchem Ausmaß ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch völlig unklar.

Denkst du, dass der Spielbetrieb in dieser Saison noch einmal aufgenommen wird?

Ich habe keine Ahnung, aber Fakt ist: Momentan gibt es Wichtigeres!

Mit welcher Entscheidung durch den Verband rechnest du?

Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte man nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Wir wissen ja zur Zeit gar nicht, wie lange diese Ausnahmesituation anhalten wird. Entweder steigt man wieder in die Saison ein und lässt die Sommerpause weg, oder beendet die laufende Saison und beginnt im August/September von vorne.

Wie lief die Saison für euch bisher aus deiner Sicht?

Die Saison lief bisher sehr gut für uns. Wir stehen auf dem zweiten Platz in der Tabelle, alles wäre noch möglich, sind im Final Four des Harz-Börde-Pokals und sollten das Halbfinale gegen Niederndodeleben im HVSA-Cup spielen.

An welches Spiel dieser Saison erinnerst du dich gerne zurück? Welches würdest du am liebsten aus deinem Gedächtnis streichen?

Das Spiel gegen Salzland zu Hause und auch das Spiel gegen Calbe zu Hause (HVSA-Cup) gehören wohl zu denen, die mir ausgesprochen positiv in Erinnerung bleiben. In den Partien haben wir gezeigt, was wir mit absolutem Teamgeist erreichen können. Dagegen möchte ich gerne aus meinem Gedächtnis das Spiel in Ilsenburg streichen und auch vor wenigen Wochen in Staßfurt gegen Salzland – das waren echt miese Spiele. Vor allem die Begegnung gegen den HC Salzland war eine Katastrophe.

Wohin soll die Entwicklung für eure Mannschaft in den nächsten Jahren gehen?

Hier kann ich momentan noch gar nichts zu sagen. Wir brauchen auf jeden Fall weitere engagierte Spielerinnen, denn unsere Personalsituation ist alles andere als gut. Mittelfristig haben wir mit unserer weiblichen B-Jugend auch gutes Potenzial in den eigenen Reihen. Die Mädchen sollen und müssen in wenigen Jahren mehr Verantwortung übernehmen.

Welchen Raum nimmt der Sport in deinem Leben ein?

Man hört und liest ja immer wieder davon, dass Sport oder überhaupt das Mitwirken im Verein wichtig für die Entwicklung des Menschen sind. Das ist keine hohle Phrase, denn Teamfähigkeit, das Umgehen mit oder nach Niederlagen und zusammen auf ein Ziel hinarbeiten sind hier wohl im Besonderen zu sehen. Als Kind blieb mir gar keine Zeit für Unsinn, außerdem hatte ich immer Freunde um mich herum und wir hatten gemeinsam Spaß. Meine Opa pflegte in diesem Zusammenhang zu sagen, dass der Handballsport das aus mir gemacht hat, was ich heute bin.

Wie bist du ausgerechnet zum Handball gekommen?

Ich habe mit sechs Jahren angefangen, weil in der Grundschule Handball angeboten wurde.

Was macht für dich den Reiz an diesem Sport aus?

Ich liebe die Kombination aus Schnellkraft, Ausdauer und Köpfchen in einem Team. Es fallen viele Tore, es geht hin und her, Langeweile kommt jedenfalls nicht auf.

Welche andere Sportart würdest du gerne mal ausprobieren?

Surfen würde mich reizen. Insgesamt gesehen gibt es viele Sportarten, die ich schon ausprobiert habe. Alle Ballsportarten im Team machen mir besonders viel Spaß.

Wer ist deine Lieblingsmitspielerin?

Davon gibt es zu viele, um sie aufzuzählen.

Von welchem Trainer hast du am meisten gelernt?

Ich habe sehr viel von meinem Jugendtrainer Jürgen Ebeling gelernt, er hat mir alle Grundlagen und vor allem das Spielverständnis beigebracht. Er lebt diesen Sport und diese Begeisterung hat er uns schon in der Kindheit und Jugend mitgegeben. Auch während meiner Zeit beim HSV Haldensleben hat mir der Trainer Stefan Cauer viel Vertrauen geschenkt, und damit zur Entwicklung beigetragen.

In welcher Halle spielst du am liebsten?

In unserer Wefensleber Halle natürlich.