Magdeburg l Bis weit in den Sommer hinein ist an einen geregelten Wettkampfbetrieb nicht zu denken. Der Sport rückt derzeit in den Hintergrund. Der Leichtathletik-Verbandes Sachsen-Anhalt um Präsident Gerry Kley hat eine noch nie da gewesene Krise zu bewältigen.

Wettkampfstart in 2020 ungewiss

Jubel über Medaillengewinne, neue persönliche Rekorde und erfüllte Normen für die kommenden Großveranstaltungen – das hatten sich viele Sportler für die erste Saisonhälfte 2020 vorgenommen. Doch auch vor den Leichtathleten Sachsen-Anhalts und darüber hinaus macht die weltweite Corona-Pandemie keinen Halt. „Diese Normalität, wie wir sie bisher kannten, wird es so schnell nicht geben“, gibt Gerry Kley, Präsident des Leichtathletikverbandes Sachsen-Anhalt (LVSA), zu.

Eine Frist, wann über den Fortgang der Saison entschieden werden kann, wie sie andere Landesverbände vorgegeben haben, ist laut Kley dabei nicht abzusehen. „Wenn wir im Juni wieder mit den ersten kleineren Veranstaltungen beginnen können, würde das helfen, kurzfristig wieder zu etwas mehr Normalität zu finden. Wenn es jedoch erst im Juli oder August möglich ist, müssen wir das ebenfalls akzeptieren.“ Entscheidend seien wie derzeit in so vielen Lebensbereichen der Verlauf der Corona-Fallzahlen und die damit einhergehenden gesundheitlichen Risiken für alle.

Entwicklungen abwarten

Aktuell sind Kley und seinen Kollegen im Präsidium des LVSA die Hände gebunden, was die Durchführung von sportlichen Highlights angeht. „Wir reagieren im Wesentlichen auf die aktuellen Entwicklungen bei der Eindämmung der Corona-Epidemie“, gibt der Vorsitzende zu verstehen. Doch der Leichtathletik-Verband stehe im regen Kontakt mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und dem Landessportbund (LSB) Sachsen-Anhalt – auch, was Hilfen von Seiten des Landes betrifft. Hierüber und über alle neuen Entwicklungen berichtet der LVSA fortlaufend auf seiner Internetseite www.lvsa.de sowie auf Facebook.

Um ihren Beitrag zur Verlangsamung der Virusausbreitung zu leisten, haben die meisten Veranstalter reagiert und regionale sowie überregionale Events abgesagt. Auch viele potentielle Qualifikations-Meetings für die im Sommer geplanten Deutschen Meisterschaften, Europameisterschaften und die Olympischen Spiele fielen dem Coronavirus bereits zum Opfer. Da es sich immer schwieriger gestaltete, geeignete Nachholtermine zu finden, fällte das Internationale Olympische Komitee nun die Entscheidung, die Sommerspiele in Tokio um ein Jahr auf den Frühsommer 2021 zu verlegen. Für Kley die „einzig richtige und faire Lösung“.

Lob an die Athleten

„Nun haben die Athleten hoffentlich nicht mehr diesen Druck, unbedingt noch eine Trainingseinheit abhalten zu müssen, sofern das die Trainingsbedingungen zuletzt überhaupt hergaben“, stimmt er der einschneidenden Entscheidung zu. Im gleichen Atemzug lobt er aber auch den Umgang der Sportler mit der aktuellen Situation. Es sei interessant, „wie kreativ und erfinderisch einige sind, um ihre sportliche Form zu konservieren“.

Entspannung im Saisonkalender

Doch die Verlegung der Großveranstaltung bietet auch neue Möglichkeiten. Der angespannte Terminplan der Leichtathleten kann sich zunächst entspannen. „In den kommenden Wochen werden sich sicherlich Lösungsansätze ergeben, damit sich die Sportler für die kommende Europameisterschaft qualifizieren können“, so der LVSA-Präsident. Die kontinentalen Wettkämpfe sollen vom 26. bis 30. August in Paris stattfinden. Sollten sich zudem die Gerüchte über eine Verlegung der Weltmeisterschaften als wahr herausstellen, „müssen wir zeitgerecht bei Wiederaufnahme des Sportbetriebes handeln“, so Kley.

Eine der Veranstaltungen, die bereits auf der langen Absagenliste zu finden ist, ist der Schönebecker Solecup, welcher am 22. Mai sein 15. Jubiläum feiern sollte. Bis zuletzt hatten die Veranstalter Hans Weber und Frank Wedekind an eine Durchführung des Werfertages geglaubt, doch „nach Rücksprache mit den Veranstaltern wird es an diesem Tag keinen Solecup in Schönebeck geben“, erklärt Kley mit Blick auf das Meeting. Es werde jedoch über eine sinnvolle Verschiebung nachgedacht, um beispielsweise einen Qualifikationswettkampf für die EM oder bestenfalls für Olympia 2021 zu schaffen.

Die Absage betrifft im Übrigen auch die anderen beiden Großveranstaltungen im Land, die Halleschen Werfertage sowie das Dessauer Anhalt-Meeting. „Auch hier werden gerade Lösungen der Verschiebung in den Spätsommer geprüft“, berichtet der LVSA-Chef mit Blick auf mögliche Ausweichmöglichkeiten zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr. Gleichzeitig lobt der LVSA-Präsident die Sportler für ihr Verständnis bezüglich der nötig gewordenen Einschränkungen. „Wir stehen vor einem so noch nie da gewesenen Problem gegenüber. Das Hochwasser 2013 war eine sehr schlimme und intensive Zeit für viele Vereine und die Sportler, jedoch ohne landesweite Begegnungsbeschränkungen und ohne weltweite Auswirkungen.

Trotz der vielen Unbekannten haben die Vereine und der Landesverband die gesamte Zeit ein gemeinsames Ziel vertreten: die Gesundheit ihrer Athleten, Trainer, Übungsleiter und Freunde der Leichtathletik zu schützen. Negative Stimmen suchte man dabei vergebens.“ Doch an der Ungewissheit, ob, wann und wie es in diesem Jahr mit dem Sport weitergehen kann, ändert das freilich nichts. Die Entscheidungsgewalt liegt zur Zeit bei den Behörden. Das Warten auf Normalität, beispielsweise in Form eines geregelten Wettkampfkalenders, geht somit vorerst weiter.