Prussendorf l Als vielerorts schon die Melodie des Sandmännchen die Schlafenszeit einläutete, erklang für die Pferdesportler Sachsen-Anhalts am Sonntagabend, nach einem langen, anstrengenden Wochenende in Prussendorf endlich die Nationalhymne anlässlich der Ehrung der neuen Landesmeister. Der Landesverband der Reit- und Fahrvereine Sachsen-Anhalts hatte als Veranstalter 43 Prüfungen bis zur Klasse S** ausgeschrieben. 41 wurden tatsächlich durchgeführt, die Eignungsprüfungen für Fahrpferde stießen auf zu wenig Interesse bei den Aktiven.

Zuschauerzahl hält sich in Grenzen

Ein ähnlicher Mangel schien leider auch bei den Zuschauern der Fall. Der Andrang hielt sich trotz noch kostenlosen Eintritts an den ersten beiden Wettkampftagen, Donnerstag und Freitag, sehr in Grenzen. Zumindest am Sonntag waren die Ränge am Springplatz aber etwas besser gefüllt, auch wenn den ein oder anderen die fünf Euro Eintrittspreis doch etwas überraschten.

Dabei hatten die Leistungen der Sportler durchaus mehr Beachtung verdient. Das fachkundige Publikum sah bei nicht ganz idealen Bedingungen auf dem tiefen Sandboden des Springplatzes, der zwar immer wieder geschleppt, aber erst am Sonntag ordentlich verdichtet wurde, viele gelungene Ritte.

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Schärpen für die Bördereiter

Trotz weiter Anreise in den Südosten unseres Bundeslandes präsentierten sich die Reiter aus dem Landkreis Börde mit ihren Vierbeinern sehr erfolgreich und konnten neben vielen Schleifen sogar einige Schärpen mit nach Hause nehmen.

Im Dressurviereck glänzte Dirk Schepuck, der wie im Vorjahr Bronze bei den „Oldies“ in der Ü40-Landesmeisterschaft holte. Um nur 0.11 Punkte geschlagen, schrammte er dieses Mal auf Alida haarscharf an der Silbermedaille vorbei. Für den Reiter des RFV Eilsleben und Umgebung kein Grund, sich zu ärgern: „Es haben sich alle angestrengt und jeder möchte Meister werden. Mein Pferd, das ich selbst ausgebildet habe, läuft schon die ganze Saison über gut. Ich freue mich. Schade war allerdings, dass nicht so viele Zuschauer da waren. Die Anlage ist wirklich sehr schön und bietet gute Bedingungen – schade, dass sie nicht mehr genutzt wird.“

Gelungener Abschluss

Auch der Dressur-Nachwuchs aus der Börde war am Ende glücklich. Laura Elsner (Breitenrode) startete mit ihren 21 Jahren zum letzten Mal in der Altersklasse der Jungen Reiter, ist aber ein alter Hase, was die Landesmeisterschaften angeht: „Das war meine 20. Landesmeisterschaft – mit einem schönen Ergebnis zum Abschluss in dieser Altersklasse. Das Turnier war super, die Dressurplätze hervorragend.“ Mit Erfolgspferd Ratatouille ist die Landeskader-Reiterin bereits seit 2011 unterwegs und wird künftig bei den „Erwachsenen“ starten.

Hoch hinaus ging es für die Sportler im Springparcours – für Lisa Marie Kreutz (Colbitz) sogar schon beim Aufsitzen: Schimmel Icemen de Paep misst stolze 1,85 Meter, seine Reiterin gerade mal 1,58 Meter. Trotz des Größenunterschiedes bildet sie mit dem Wallach aber ein tolles Team und durfte sich über Silber bei den Jungen Reitern freuen. Ein kleines Missgeschick in ihrer letzten Prüfung am Sonntag, in der sie ein falsches Hindernis nahm, konnte sie deshalb auch locker nehmen: „Er war mir davor so abgegangen, dass ich mich voll darauf konzentriert habe, einfach eine ordentliche Runde zu reiten, um nochmal ein gutes Erlebnis für uns beide zu haben – da ist es eben passiert. Das ist nicht schlimm.“

Über den Erfolg von Konkurrentin Jessica Koch vom RFV Westerhausen, die sich den Titel sicherte, freute sich Kreutz: „Ich hatte es mir für Jessi gewünscht, denn es ist unser letztes Jahr und ich habe dieses Mal den Hallentitel geholt. Wir gönnen uns das untereinander alle und sehen es sehr sportlich.“ Auf Rang drei platzierte sich mit Ivana Lesemann vom RFV Oschersleben auf Elaiza eine weitere Reiterin aus der Börde.

Positive Überraschung

Auch bei Vertretern aus anderen Regionen wurde gejubelt. Etwa bei Annett Lippelt aus Königsborn: „Dass es dieses Jahr so gut lief, kam schon überraschend, denn in den letzten zwei Jahren habe ich in der letzten Prüfung immer Nerven gezeigt. Ganz besonders glücklich bin ich, weil es mit Lotta geklappt hat, die wir selbst gezogen und ausgebildet haben. Sie hat nicht ganz das Vermögen wie einige andere Pferde und ganz schön mit dem Sandboden zu tun, aus dem sie ja nochmal zehn Zentimeter höher springen musste, aber sie hat sich so toll durchgekämpft.“ Mit ihrer kleinen Stute hatte sich Lippelt sogar selbst geschlagen, denn auch die Ergebnisse ihres zweiten Pferdes, Sir Hook, hätten für den Titel gereicht. „Ihn haben wir erst im Winter in Beritt bekommen. Er war sehr schwierig und sollte jetzt eigentlich nur Erfahrung sammeln – aber er hat sich so toll gemacht.“

So nahmen am Ende alle Reiter erschöpft, aber glücklich ihre erkämpften Schärpen entgegen. Ein kleines Missgeschick war den Organisatoren allerdings unterlaufen, denn offensichtlich waren nicht für alle zwölf Kategorien genügend Bänder vorhanden. Doch die Pferdesportler zeigten auch hier, dass sie Sportsgeist haben, und so wurde das Problem mit einem Tausch untereinander schnell gelöst, so dass alle zufrieden die Heimreise antreten konnten.