Magdeburg l Für Tabea Kuhnert beginnt am 21. April ein neues Kapitel. „Jetzt ist der Druck da“, sagt die 17-Jährige und lacht verlegen. Ihre Rolle ist nun eine andere, „eine, an die sie sich erst einmal gewöhnen muss“, weiß auch SCM-Coach Roland Oesemann.

Medaillenhoffnung im ersten Jahr

Im vergangenen Jahr avancierte Kuhnert in ihrer ersten U-19-Saison in kurzer Zeit zur deutschen Medaillenhoffnung. Aus gutem Grund. Das bewies das Nachwuchstalent mit der Silbermedaille im Doppelvierer bei den Weltmeisterschaften in Trakai (Litauen). In diesem Jahr will Kuhnert im Einer angreifen und bei der WM Anfang August in Račice (Tschechien) an den Start gehen.

Gute Form bestätigt

In Essen kann Kuhnert über die 2000 Meter beweisen, dass sie auch im Einer international vorn mitfahren kann. „Ich bin in der vergangenen Saison viel Großboot gefahren. Daher hatte ich ein paar Probleme, das Gefühl für den Einer zu finden“, sagt Kuhnert, „aber das habe ich langsam im Griff.“ Bereits bei der ersten Kaderüberprüfung Anfang April in Leipzig bewies die SCM-Athletin ihre gute Form und wiederholte ihren Sieg aus dem Vorjahr.

Trainingscamp unter schweren Bedingungen

Zuvor nahm Kuhnert mit ihren Vereinskolleginnen Emma Appel und Jette Prehm am Athletik-Lehrgang des DRV teil und weilte mit der SCM-Trainingsgruppe in Sabaudia (Italien). „Dort hatten wir schwierige Bedingungen, aber auch damit muss man klarkommen“, sagt Kuhnert.

Auch ihre Vereinskollegin Emma Appel kennt diese schwierigen Phasen. Im Gegensatz zu Kuhnert verlief ihre erste U-19-Saison „nicht so wie erwartet“. Beim entscheidenden Lehrgang zur Besetzung des WM-Achters konnte das SCM-Talent seine Leistung nicht abrufen. „Ich hatte keinen guten Tag und bin deutlich unter meinem Bestwert auf dem Ergometer geblieben“, erinnert sich Appel.

Motivierter als im Jahr 2017

So startete die SCM-Athletin, die im vergangenen Sommer von Ratzeburg nach Magdeburg wechselte, in Trakai nur im Ersatz-Zweier ohne Steuerfrau. „Es war meine erste U-19-Saison, ich konnte Erfahrungen sammeln und das ist abgehakt. Jetzt bin ich umso motivierter für die neue Saison“, so die 17-Jährige.

Nachdem Appel beim ersten Test in Leipzig noch nicht ihr Leistungspotenzial abrufen konnte, will sie nun in Essen angreifen. „Das Ziel sollte das kleine Finale und damit ein Platz unter den besten sieben bis acht Starterinnen sein“, sagt Oesemann, „so dass sie sich dann auch auf einem guten Weg in die Nationalmannschaft befindet.“

Sein Schützling hingegen scheut sich nicht, das Wort „A-Finale“ in den Mund zu nehmen, „das wäre natürlich ein Traum, aber dafür werde ich hart kämpfen müssen“.

Im Idealfall drei weibliche Talente dabei

Im Idealfall gehen in diesem Jahr gleich drei weibliche Nachwuchstalente des SCM bei den Saison-Höhepunkten international an den Start. Denn auch Jette Prehm will den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen. „Das Leistungsvermögen dafür hat sie“, sagt Oesemann, „aber es werden sicher noch einige Lernrennen dabei sein.“ In der Vorbereitung arbeitete Prehm vor allem an ihrer Start- und Endspurtphase, „und auch im Bereich Krafttraining kann ich noch deutlich zulegen“, so die SCM-Athletin. Erst im Winter wechselte Prehm zur Trainingsgruppe von Oesemann.

„Ich habe meine Technik deutlich verbessert“, so die 16-Jährige, die vor fünf Jahren aus Niedersachsen nach Magdeburg kam und erst in der Landeshauptstadt mit dem Rudern begann. Wenn sich die ehemalige Schwimmerin eine Bootsklasse aussuchen könnte, „wäre es der Doppelvierer, weil ich das Mannschaftsgefühl mag“.

Nach der Leistungsüberprüfung stehen mit der Internationalen Junioren-Regatta in München (5./6. Mai) und der Juniorenregatta in Köln (19./20. Mai) weitere wichtige Wettkämpfe auf dem Programm, ehe mit der DRV-Junioren-Regatta in Hamburg die Generalprobe vor den Deutschen Jugendmeisterschaften ansteht.