Jävenitz l Von den Niederlanden aus auf die Sportplätze der Westaltmark: So ungefähr lässt sich die Woche von Karsten Steiniger momentan beschreiben. Unter der Woche ist Steiniger dienstlich im Nachbarland Deutschlands unterwegs, während er das Wochenende nutzt, um sich in Diensten des SV Heide Jävenitz sportlich zu betätigen. Für den SSV 80 Gardelegen ist der Westaltmärker zudem auch noch als Schiedsrichter aktiv.

Schon immer sportlich

Da Karsten Steiniger in Hottendorf aufgewachsen ist, lag es für den Sportenthusiasten nahe, beim benachbarten SV Heide Jävenitz das Fußball-Abc zu erlernen. In der D-Jugend der Jävenitzer startete Steiniger als Sechsjähriger seine Laufbahn und spielte im Mittelfeld auf den Außenbahnen. „Ich hatte zwar vielleicht nicht den Antritt, aber die Ausdauer war und ist eigentlich nach wie vor meine Stärke“, sagt der Westaltmärker selbst über sich. In der Schule spielte der heute 34-Jährige bei Turnieren nebenbei Volleyball, außerdem betrieb er seit Schulbeginn bis zur siebten Klasse auch Leichtathletik und wurde über die 800 Meter sogar Hallenkreismeister. „Ich war eigentlich schon immer recht sportlich“, gibt Karsten Steiniger mit einem Schmunzeln zu. Vom zehnten bis zum 13. Lebensjahr probierte sich Steiniger auch noch als Springreiter in Lüffingen. Das übrigens auch durchaus erfolgreich, wurde er doch Kreismeister im A-Springen.

Als Junior in Lindstedt aktiv

Fußball genoss bei Karsten Steiniger („Ich habe damals einfach zu viel gemacht“) aber schon immer höchste Priorität. In Jävenitz war der Außenbahn-Flitzer zwar heimisch, doch da er dort im Nachwuchs keine echten Spielmöglichkeiten hatte, schloss er sich mit einigen Altersgenossen dem benachbarten SV Wacker Lindstedt an. Bei den Wackeranern spielte der gebürtige Hottendorfer, der mittlerweile in Jävenitz wohnt, von der C- bis zur A-Jugend. Als Steiniger endlich 17 war, durfte er mit einem Attest der Eltern im Männerbereich spielen und wechselte zurück zum SV Heide. Fünf Spiele bestritt er zunächst für die dritte Vertretung des Klubs, ehe er den Sprung in die erste Mannschaft schaffte. Die hatte damals in der Landesklasse um ihre Existenz und mit starken personellen Problemen zu kämpfen. „Teilweise standen nur elf Spieler zur Verfügung“, beschreibt der 34-Jährige die Situation. Die komplette Rückrunde spielte Karsten Steiniger auf Landesebene, stand dort übrigens zusammen mit seinem Onkel André Moldenhauer („Von ihm habe ich mir einige Dinge abgeschaut“) auf dem Platz und nahm trotz des Abstieges viele wertvolle Dinge mit. Drei weitere Jahre blieb der Kicker mit Leib und Seele in Jävenitz, ehe es ihn zum SV Wacker Lindstedt, zum SV Kloster Neuendorf, zum SV 80 Algenstedt und später dann auch noch zum SSV 80 Gardelegen II zog. „Das kam alles durch meinen Selbstantrieb zustande. Manchmal hat man sich mit den Trainern nicht so gut verstanden, allerdings wollte ich auch herum kommen und etwas sehen“, verrät der Westaltmärker. Mehr als zwei bis drei Jahre hielt es Steiniger bei keinem Verein aus, der „Wandervogel“ musste dann einfach weiterziehen. „Ich wurde überall mit offenen Armen empfangen“, schildert der Offensivakteur.

Noch in der vergangenen Saison ging er für die Altherren des SSV 80 Gardelegen auf Punktejagd und wurde mit ihnen Kreismeister. Nachdem sich Karsten Steiniger im Alter von 31 Jahren einen Kreuzbandriss in einem Duell mit der SSV-Herren-Zweitvertretung zugezogen hatte und damit ein Dreivierteljahr pausieren musste, ließ er es ab seinem 32. Lebensjahr zunächst etwas ruhiger angehen und spielte ab sofort für die Gardelegener Oldies. Vor dieser Spielzeit wechselte Steiniger aus Verbundenheit wieder zurück zu seinem Heimatverein nach Jävenitz. „Dieser Klub ist wie eine kleine Familie für mich“, so seine Liebeserklärung an den SV Heide, den der 34-Jährige auch bei seinen anderen Stationen immer in seinem Herzen trug.

"Ich kenne alle, alle kennen mich"

In Jävenitz ist Karsten Steiniger am Wochenende zumeist doppelt im Einsatz – sonnabends für die Altherren, am Sonntag für die zweite Herrentruppe. „Ich brauche die Bewegung und spiele daher gern zweimal“, erklärt der Routinier. Bereits seit zwei Jahren ist Steiniger beruflich in den Niederlanden tätig und somit vom Sonntagabend bis hin zum Donnerstag unterwegs. „Ich habe daher kein Training, nur eben am Wochenende die Spiele“, verrät der 34-Jährige. „Ich scheue eigentlich keine Zweikämpfe. Ich lebe von meiner Schnelligkeit und Laufbereitschaft, zudem aber auch von einer gewissen Aggressivität“, beschreibt sich der Westaltmärker selbst. Noch immer ist er zumeist in der Offensive, entweder im Sturm oder im Mittelfeld, unterwegs. Bei den Oldies zählt Karsten Steiniger noch zur jüngeren Garde. „Ich bin gut aufgenommen worden. Ich kenne alle, alle kennen mich. Es macht einfach Spaß“, ist der Sportenthusiast begeistert. Dazu kommt dann auch noch der Erfolg, denn die Heide-Altherren spielen um den Kreismeistertitel mit. Ebenfalls sehr gut da steht die zweite Jävenitzer Herrenvertretung in der 1. Kreisklasse, wo sie das Klassement anführt. „Wir haben eine gute und junge Truppe. Unser Ziel ist nun auch ganz klar der Aufstieg“, erklärt Steiniger, der dort von Trainer Christian Korts zumeist als Verteidiger aufgeboten wird.

Referee zur eigenen „Beruhigung“

Mit 25 Jahren begann Karsten Steiniger in Diensten des SV Heide Jävenitz auch seine Laufbahn als Schiedsrichter. „Es wurde damals die Frage gestellt, wer gern an einem Lehrgang teilnehmen würde. Der Verein brauchte nämlich Referees“, verrät der Jävenitzer. Nachdem Steiniger seinen Schein erworben hatte, leitete er zunächst vorwiegend Partien im Nachwuchs sowie bei den Altherren. Mittlerweile darf der 34-Jährige Begegnungen bis hin zur Kreisliga der Herren pfeifen. „Es sind schon weniger Spiele geworden – im Schnitt ungefähr zwei pro Monat, so dass ich auf meine 15 Duelle pro Saison komme“, so der Westaltmärker. „Mich hat diese Aufgabe selbst ein wenig beruhigt. Früher habe ich selbst oft über die Schiedsrichter gemeckert, so habe ich nun aber die andere Seite der Medaille kennen gelernt. Dadurch bin ich ruhiger und sachlicher geworden. Zudem kann man auch den Jugendlichen dadurch noch einige Dinge beibringen“, erzählt Karsten Steiniger. Da er sich dort immer rundum wohlfühlte, greift Steiniger noch immer in Diensten des SSV 80 Gardelegen zur Pfeife. Eine Karriere als Trainer ist für den Routinier momentan nicht vorstellbar. „Lust hätte ich schon, aber eben einfach keine Zeit. Gerade allein wäre das für mich nicht zu schaffen“, gibt der 34-Jährige zu verstehen.

Für seinen Heimatverein würde sich Karsten Steiniger vor allem freuen, wenn die erste Männermannschaft um Trainer Guido Euen den Klassenerhalt in der Landesklasse schafft und sich dort auf Dauer etabliert. „Wir in Jävenitz sind natürlich stolz, in dieser Liga spielen zu dürfen. Am liebsten würde ich ja auch dort noch mitmachen“, verrät Steiniger mit einem schelmischen Grinsen. „Ich denke, dass das Niveau der Landesklasse zu unserem Verein passt. Auch das Umfeld ist einfach toll, alle sind mit Herzblut dabei“, sagt der 34-Jährige. Der möchte selbst noch so lange dem runden Leder hinterher jagen, wie es die Gesundheit zulässt. Der Jävenitzer träumt vom Aufstieg mit der zweiten Herrenvertretung sowie auch vom Kreismeistertitel und Kreispokalsieg mit den Altherren. Da ist der ehrgeizige und nach wie vor erfolgshungrige Karsten Steiniger sicherlich nicht der Einzige beim SV Heide Jävenitz, der sich diese Ziele gesetzt hat.