Schwiesau/Klötze l Am liebsten würde Senol Isik seiner Schwiesauer Mannschaft zum Großteil des Spiels zusehen, von außen Anweisungen geben und erst in der Schlussphase selbst das Spielfeld betreten. Das lässt die momentane personelle Situation bei den Schwalben allerdings nicht zu. Da dem Coach zu wenig Spieler zur Verfügung stehen, muss er sogar zumeist von Beginn an ran. „Ich fühle mich aber noch immer fit wie ein Turnschuh“, erklärt der gebürtige Türke, der nun gut zehn Jahre in Deutschland lebt, mit einem Schmunzeln.

Durch Klaus-Dieter Henneick zu den Schwalben

Gerade mal sechs Jahre jung war Senol Isik, da spielte er als G-Jugendlicher zum ersten Mal im Verein. In seiner Heimat schnürte Isik seine Töppen für Akpinar, der Ort liegt ungefähr 200 Kilometer von Istanbul entfernt. Diesem Verein blieb der Angreifer bis zu seinem 14. Lebensjahr treu. Weiter ging es für den Sportenthusiasten, den schon immer seine Technik, Übersicht, aber auch der Respekt und der Mannschaftsgeist ausgezeichnet haben, bei Kaynislispor. Vier Jahre hintereinander wurde Senol Isik bei diesem Klub Torschützenkönig. „Ich habe, bis ich 18 war, jedes Jahr zwischen 35 und 70 Tore erzielt“, schildert der Türke noch immer sichtlich stolz. Sogar ein Wechsel zum Regionalligisten Düzcespor war damals ein Thema. „Das hat aber leider nicht geklappt“, verrät der einstige Goalgetter, der von den gegnerischen Abwehrreihen kaum zu bremsen war.

2005 verließ Senol Isik seine Heimat und siedelte nach Deutschland über. Seiner heutigen Ehefrau Claudia zuliebe zog Isik nach Klötze. Noch im gleichen Jahr stieg der Torjäger beim SV Schwalbe Schwiesau in der Kreisliga ein. Klaus-Dieter Henneick aus dem Vorstand des Vereins war der Nachbar seiner Schwiegereltern, wodurch der Kontakt zustande kam. „Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in Schwiesau zu spielen. Das hat mich dann auch gereizt“, verrät der heute 40-Jährige. Unter anderem spielte der gelernte Offensivakteur mit den Schwalben um Trainer Frank Riedel zwei Jahre lang in der Landesklasse. „Es war eine sehr schöne Zeit. Wir waren ein starkes Team mit hervorragenden Spielern und einer guten Mischung. Auch der Zusammenhalt war super“, erzählt Senol Isik. Der kam entweder als Angreifer oder auf der Außenbahn im Mittelfeld zum Einsatz. „Später habe ich dann auch als Verteidiger gespielt. Ich habe mich in den Dienst der Mannschaft gestellt und auch dort gespielt, wo der Trainer mich aufgestellt hat“, so der Routinier, der mit dem Team nach zwei Jahren aber wieder in den Kreismaßstab abstieg.

Coach Torsten Kempe, der die Geschicke der Schwalben in der Folgesaison leitete, nahm den gebürtigen Türken anschließend für ein Jahr mit zum MTV Beetzendorf, der ebenfalls in der Kreisliga spielte. „Auch in Beetzendorf war der Zusammenhalt sehr gut“, blickt der 40-Jährige zurück. Doch Senol Isik fühlte sich noch fit genug, um in der Landesklasse zu spielen. Trainer André Dörk holte Isik deshalb zum VfB Klötze 07, der genau in dieser Liga aktiv war. „Auch dort bin ich sehr gut aufgenommen worden. Leider sind wir direkt abgestiegen“, so der Kicker mit Leib und Seele, der es fortan etwas ruhiger angehen lassen wollte. 2011 erwarb er die C-Lizenz als Trainer und coachte auch die E-Jugend des VfB Klötze 07, in der sein Sohn Can aktiv war. „Ich wollte zugleich für mein Kind, aber auch für den Verein etwas machen“, verrät der Wahl-Westaltmärker. Der hatte sich in der Landesklasse-Saison beim VfB das Knie verdreht und musste rund ein Jahr lang pausieren. Nach einem Jahr bei den E-Junioren beendete Senol Isik dann auch vorerst seine Laufbahn als Coach, weil es eben doch „nicht ganz einfach“ war. Zudem juckten die Füße wieder, so dass sich Isik den Klötzer Altherren anschloss. Mit ihnen feierte der Türke gleich in der ersten Saison das Triple, bestehend aus Meisterschaft, Kreispokalsieg und Hallenkreismeisterschaft. „Das war eine super Truppe. Ich habe mich sehr wohlgefühlt“, denkt der 40-Jährige an die erfolgreiche Zeit an der Purnitz zurück.

Wunsch nach finanzieller Unterstützung für Verein

Doch mit der Zeit musste Senol Isik, mittlerweile dreifacher Vater, auch an seine Familie denken. „Ihr zuliebe wollte ich eigentlich gänzlich aufhören“, verrät der Fußballenthusiast. Doch plötzlich befand sich im Jahr 2014 der SV Schwalbe Schwiesau auf Trainersuche. „Die wollten mich haben und ich habe auch zugesagt. Ich wollte die Mannschaft unbedingt unterstützen, denn sie liegt mir am Herzen und viele Spieler kannte ich zudem auch noch von früher. Ich habe mich überall, wo ich gespielt habe, wohlgefühlt, doch Schwiesau steht ganz oben in meiner Rangordnung“, erklärt der Klötzer. Der hatte zuvor mehrere Angebote als Spielertrainer auf dem Tisch, doch der SV Schwalbe ging einfach vor. „Zumeist muss ich momentan selbst jedes Wochenende spielen, was ich eigentlich gar nicht unbedingt möchte. Wir haben personell jedoch große Probleme“, schildert der Coach. Der kommt entweder als Libero oder als Stürmer zum Einsatz, kann allerdings noch mithalten, da er regelmäßig selbst trainiert. Auch in dieser Saison streben die Schwalben in der Kreisoberliga den Klassenerhalt an, was allerdings erneut keine einfache Aufgabe ist. „Woche für Woche fehlen viele Leistungsträger. Wir schauen allerdings nach vorn und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, verrät Senol Isik, der den Teamgeist lobt. Immerhin waren Beneke & Co. in dieser Saison auch schon einmal Spitzenreiter – gleich nach dem ersten Spieltag durch ein 5:0 in Wenze. „Da waren alle da und wir haben gesehen, was möglich ist. Der Ball lief sehr gut“, erinnert sich Isik gern zurück. Mittlerweile sind die Schwiesauer, die gegen die Spitzenteams gute Spiele abgeliefert haben, allerdings in die untere Tabellenhälfte zurückgefallen.

Für Senol Isik, das gibt er selbst zu, war und ist es nicht immer einfach, viele ehemalige Mitspieler zu trainieren. „Kleinigkeiten gibt es immer, die man vielleicht besser machen könnte“, erklärt der ehrgeizige 40-Jährige. Der Spielertrainer spricht allerdings von einer guten Trainingsbeteiligung beim Kreisoberligisten. „Ich muss momentan zufrieden sein, auch wenn wir leider zu wenig Spieler haben“, so der Wahl-Westaltmärker. Der wird vom Verein gut unterstützt. Allerdings sagt er auch: „Einige Dinge müssen sich in Zukunft einfach verbessern. In den letzten Jahren ist hier einfach zu wenig passiert, aber ich hoffe und glaube, es wird jetzt vorangehen. Das braucht allerdings auch Zeit.“ Ein großes Lob spricht Senol Isik Toni Müller aus. „Er ist so etwas wie meine rechte Hand“, erklärt der Coach. Müller unterstützt Isik im Training und kümmert sich zudem auch noch um viele organisatorische Dinge. Dagegen würde sich Isik wünschen, dass der Verein finanziell noch besser unterstützt wird – vor allem durch Sponsoren. „In Schwiesau ist der Fußball das Ein und Alles. Da müsste vielleicht einfach etwas mehr kommen“, wirbt der Spielertrainer noch ein wenig.

Auch seine beiden Söhne Can (D-Jugend) und Max (G-Jugend) jagen beim VfB Klötze 07 dem runden Leder hinterher. „Da bin ich meist als Zuschauer dabei oder unterstütze die Übungsleiter beim Training, wenn die Zeit da ist“, verrät der 40-Jährige. Der spielt sporadisch auch noch für die Altherren der SG Schwiesau/Jeggau/Engersen in der Kreisliga. „Da bin ich einer der Jüngsten und muss daher mit am meisten laufen. Das ist insgesamt eine gute Truppe“, so Isik, der allerdings sonnabends, wenn die Oldies im Einsatz sind, oft beruflich verhindert ist. Solange es die Gesundheit zulässt, möchte der Klötzer auch weiterhin am Ball bleiben. Auch für seine Zeit als Trainer hat sich der gebürtige Türke kein Ultimatum gesetzt. „Da muss ich sehen, wie lange mir meine Frau noch Rückendeckung gibt. Ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen“, merkt der Routinier dankend an. Rein sportlich gesehen streben die Schwalben in dieser Saison in der Kreisoberliga den Klassenerhalt an, wollen sich in Zukunft aber mehr in Richtung einstelliger Tabellenplatz orientieren. „Für mich ist es wichtig, dass wir Spaß haben und auch unseren treuen Zuschauern etwas bieten“, so der Wahl-Westaltmärker. Senol Isik selbst wird den Spaß am Fußball so schnell jedenfalls nicht verlieren und strebt stets nach Höherem.