Magdeburg/Salzwedel l Schon auf dem Weg am Montagabend zum Neujahrsempfang des Landesverbandes Sachsen-Anhalt nach Magdeburg – moderiert von Pressesprecher Volkmar Laube, organisiert von Geschäftsführer Christian Reinhardt und Präsident Erwin Bugar – war Salzwedels Coach Burghardt Schulze eine leichte Aufregung anzumerken. Welcher Gegner – es konnte ja fast nur noch ein großer werden – würde dem Underdog aus der Landesklasse, der bisher neben dem Landesligisten TSG Calbe/Saale (6:0) auch schon die beiden Verbandsligisten Haldensleber SC (4:2) und 1. FC Lok Stendal (1:0 nach Verlängerung) eliminierte, zugelost werden? Um exakt 18.26 Uhr, also nicht einmal eine halbe Stunde nach Beginn der gut strukturierten Veranstaltung in der Eventhalle „Halber 85“, wurde das Geheimnis gelüftet. Nach dem SV Eintracht Salzwedel wurde durch Dr. Gabriele Girke, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen-Anhalt, direkt das Los FSV Barleben aus dem „Topf“ gezogen.

Nach der Kenntnisnahme leitete SVE-Coach Schulze das Ergebnis der Ziehung direkt per Handy an seine Schützlinge weiter. „Einige Spieler haben dann gleich geschrieben: ‚Damit wir später dann noch einen der ganz Großen bekommen, muss eben Barleben dran glauben‘“, verriet der Gerstedter mit einem Schmunzeln. Er selbst nahm das Los mit Fassung auf. „Von einem Unglückslos zu sprechen, wäre gegenüber unserem Gegner respektlos. Auf die Auslosung hatten wir keinen Einfluss und müssen es so hinnehmen. Wir wollten den großen FCM, haben aber immerhin den ‚kleinen‘ bekommen“, verriet Burghardt Schulze mit Anspielung auf die Tatsache, dass die Barleber aus vielen Akteuren der mittlerweile aufgelösten Magdeburger Zweitvertretung bestehen. Der FSV legte einen Durchmarsch von der Landesliga bis in die Oberliga hin und belegt dort nach der ersten Saisonhälfte in der Südstaffel mit 17 Punkten Rang elf – einen Nichtabstiegsplatz. „Man darf nicht vergessen, dass der Gegner drei Klassen über uns spielt. Wir haben eine Minimalchance, wenn wir einen guten Tag erwischen. Ich sehe sie bei ungefähr 25 Prozent“, schätzte Salzwedels Coach ein.

Doch ganz unabhängig vom Ausgang dieses Viertelfinalduells, das vermutlich aufgrund eines Nachholspiels der Barleber vom 26. auf den 28. März (Ostermontag) verlegt wird, haben die Hansestädter schon jetzt viel erreicht. „Wir sind stolz darauf, unter den besten Acht zu sein und freuen uns auf dieses Spiel. Ich denke, wir können dieses Duell auch auf unserer heimischen Flora austragen und würden uns natürlich über viele Zuschauer freuen“, erklärte Schulze, der auch den Zeitpunkt für günstig einschätzt: „Da sind wir vermutlich nach der Winterpause wieder eingespielt.“ Über den FSV weiß Burghardt Schulze auch „nur“ Grundlegendes. „Sie haben ihren sportlichen Aufstieg sicherlich hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, dass sie sich mit vielen ehemaligen Magdeburger Spielern verstärkt haben. Zudem kam auch ihr Trainer Mario Middendorf vom FCM. Ich freue mich, dass mit Peter Otte ein ehemaliger Salzwedeler an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt“, so Schulze. Der fügte abschließend an: „Wir sind natürlich krasser Außenseiter, versuchen aber das Beste draus zu machen.“

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Barlebens Vereinsvorsitzender Ingolf Nitschke wohnte der Veranstaltung ebenfalls bei und ist trotz der Favoritenrolle seines FSV gewarnt vor dem Landesklasse-Tabellenvierten aus Salzwedel. „Zunächst einmal freue ich mich auf die Begegnung, wobei ich selbst schon mal zu gemeinsamen Landesliga-Zeiten zu Gast in Salzwedel war. Wir sind gewarnt und dürfen solche unterklassigen Mannschaften keineswegs unterschätzen. Wir müssen unsere volle Energie dort reinstecken“, warnt Nitschke. Zwar konzentriert man sich in der Börde vorrangig auf den Klassenerhalt in der Oberliga, doch der Landespokal ist ein schöner Bonus für den Aufsteiger. „Wir haben die Riesenchance auf das Halbfinale und wollen diese natürlich auch gern nutzen“, so der FSV-Boss, der „einhundertprozentig“ auch mit in die westaltmärkische Kreisstadt reisen wird. Der weiß als Mitglied des 1. FC Magdeburg aber auch selbst, wie sehr man sich als Favorit verzocken kann. So erinnert er an den Triumph des damaligen Oberligisten FCM vor 16 Jahren gegen den Rekordmeister FC Bayern München im DFB-Pokal. „Daher braucht man immer volle Konzentration“, sagte Ingolf Nitschke. Der verfolgt übrigens auch nebenbei die Ergebnisse der Landesliga Nord und Landesklasse I und weiß in etwa, wie es dort tabellarisch aussieht. „Zu einigen Vereinen in der Altmark habe ich sogar noch Verbindungen“, verriet der Klubchef. Der möchte nun trotz der Favoritenrolle mit Blick auf die Eintracht nicht von einem Glückslos sprechen. „Der Gegner wird schließlich alles geben, so dass es auch für uns nicht einfach wird“, erklärte Ingolf Nitschke abschließend und hofft, dass Coach Middendorf sein Team richtig einstellt und dieses dann sein gewohntes Spiel durchzieht. Wahrscheinlich nur dann ist der „Pokalschreck“ aus Salzwedel auch aus dem Weg zu räumen.

Einer, der gern in Salzwedel gespielt hätte, ist Peter Fechner. Der Präsident des Drittligisten 1. FC Magdeburg sagte: „Ein Nordderby hätte uns schon gut gefallen. Es wären sicherlich viele unserer Fans mit nach Salzwedel gereist und wir hätten die Kassen des gegnerischen Vereins damit sicherlich ordentlich aufgefüllt. Ich denke mal, es wäre gar eine Partie mit freundschaftlichem Charakter geworden.“ Mit Spielen in der Altmark, wo der FCM viele Anhänger hat, verbindet Fechner durchaus positive Erinnerungen. In den letzten Jahren spielten die Landeshauptstädter nämlich allein zweimal in Osterburg gegen den Kreveser SV. „Da haben wir sogar einen Schal geschenkt bekommen, was ich persönlich für eine tolle Geste halte“, freute sich der FCM-Präsident. Der derzeitige Vierte der 3. Liga darf diesmal aber nicht in die Altmark, sondern muss zum Oberligisten VfL Halle 96 in den Süden („Dort ist die Stimmung immer etwas feindlich“) reisen. „Es ist schön, dass wir unserem Rivalen Hallescher FC erst einmal aus dem Weg gegangen sind und frühestens im Halbfinale, vielleicht auch erst im Endspiel auf ihn treffen“, so Peter Fechner. Doch der VfL aus der Saalestadt muss auch erst einmal überwunden werden. Fechner: „Das ist eine ambitionierte Mannschaft. Da müssen wir hochkonzentriert sein.“

In den weiteren Viertelfinalduellen reist Drittligist Hallescher FC zum Verbandsligisten BSV Halle-Ammendorf, zudem muss Regionalligist VfB Germania Halberstadt die Hürde SG Union Sandersdorf aus der Oberliga überwinden. Das ergab die Auslosung am Montagabend beim Neujahrsempfang, zu dem auch sportliche oder politische Größen wie Reinhard Grindel (Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes), Holger Stahlknecht (Innenminister von Sachsen-Anhalt) oder auch Katrin Kunert (Mitglied des Deutschen Bundestages) erschienen waren.

Ermittelt wurden übrigens durch Losfee Katrin Kunert auch die Partien des Halbfinals des Polytanpokals des FSA der Frauen. Dort trifft der ostaltmärkische Sachsen-Anhalt-Ligist Möringer SV auf seinen Ligakonkurrenten SV Blau-Weiß Dölau. Die Mannschaft von Trainerin Kirsten Matschkus freut sich am 1. Mai auf ein Heimspiel und würde natürlich gern ins Finale einziehen. Dort würde der MSV auf den Sieger des zweiten Duells zwischen Rot-Schwarz Edlau aus der Sachsen-Anhalt-Liga und dem Regionalligisten Magdeburger FFC treffen und sich vermutlich einen ganz großen Traum erfüllen.