Salzwedel l Vor allem die Familie Baese hat zu DDR-Zeiten dafür gesorgt, dass die Hansestadt zu einer Fechthochburg wurde, die einen Olympia-Teilnehmer hervorbrachte.

Salzwedeler holen DDR-Jugendmeisterschaft

Peter Ritzrau und Michael Wolter gehörten zu den Jugendlichen, die in den 60er und 70er in Salzwedel bei Turbine fochten und gemeinsam mit Frank-Eberhard Höltje, Harald Jacobs und Hans-Henning Wolf 1966 den Pionier-Pokal gewannen, der der DDR-Jugendmeisterschaft entsprach. Holtje gewann im gleichen Jahr die Spartakiade und kam später an die Kinder- und Jugendsportschule nach Berlin. 1980 trat der Salzwedeler bei den Olympischen Spielen in Moskau an und gewann vier Mal die DDR-Meisterschaft im Säbelfechten.

„Frank und ich haben als Kinder mit Holzschwertern gefochten. Als dann die ‚Drei Musketiere‘ im Kino liefen, haben wir mehrfach den Film geschaut. Wir hatten davon gehört, dass in Salzwedel gefochten wird und sind dann dort hingegangen“, erzählt Peter Ritzrau. Wenig später stieß dann Michael Wolter hinzu.

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Noch heute erinnern sich Ritzrau und Wolter enthusiatisch an diese Zeit von Anfang der 60er bis Anfang der 70er Jahre. Die Jugendlichen aus der Altmark gehörten zur Spitze des DDR-Fechtens. „Wenn die vom Leistungszentrum aus Magdeburg kamen, haben wir die in der Regel weggehauen“, erzählt Ritzrau stolz.

Baese und Prodel die Väter des Erfolgs

Für die beiden ehemaligen Fechter ist noch heute klar, dass sie und ihre Sportskameraden maßgeblich zwei Leuten ihre Erfolge und die schöne Jugendzeit zu verdanken haben. Hans Baese und Heinz-Peter Prodel, der an der Deutschen Hochschule für Körperkultur studiert hatte, trainierten die Sportler. Ohnehin sei es in dem Verein im wahrsten Sinne des Wortes familiär zugegangen. „Hans Baeses Frau nähte unseren Kampfanzug maßgenau“, erinnert sich Michael Wolter. „Die Töchter Ingrid Baese (verh. Buthut) und Rosemarie Baese (verh. Grosch) halfen auch beim Training“, fügt Peter Ritzrau hinzu.

Fechten als elitärer Sport ohne Lobby

Neben dem Training, dass zwei Mal pro Woche in der Turnhalle des Jahn-Gymnasiums, an der Stelle befindet sich heute die Mensa, stattfand, waren die jungen Sportler alle zwei bis drei Wochenenden unterwegs. Mit dabei waren immer ihre Trainer. Wenn sie in großer Gruppe unterwegs waren, ging es mit einem gelben Robur der Post durch die Republik. Berlin, Magdeburg, Schwerin, Greifswald, Teltow, Dresden und viele weitere Orte sahen die jungen Fechter.

Anfang der 70er begann dann der langsam Niedergang des Fechtens in Salzwedel. Hans Baese verstarb 1973. Zu dieser Zeit verließen Sportler wie Michael Wolter und Peter Ritzrau, die 1966 den Pionierpokal holten, Salzwedel in Richtung Armee oder Studium. Bis 1977 existierte die Sektion Fechten beim TuS Salzwedel noch. Ingrid Buthut hielt bis dahin das Trainingsangebot aufrecht.

Versuche, den Fechtsport in Salzwedel zu retten, wurden von offizieller Seite nicht unterstützt. „Wir hatten zwei Sportlehrer, die an der DHfK studiert hatten, an der Hand. Die hätten das Training fortgeführt“, erzählt Ritzrau. Der Sport hatte generell in der DDR keine Lobby, da er ähnlich wie Tennis als elitär galt. Dabei forderte er die Sportler auf vielfältige Weise. „Kraft, Kondition, Schnelligkeit im Kopf und in den Beinen sowie Reaktionsschnelligkeit“, zählen Ritzrau und Wolter auf und bekräftigen: „Fechten ist ein sehr komplexer Sport.“

1995 trafen sich die ehemaligen Salzwedeler Fechter zum letzten mal in großer Runde. Die Musketiere fochten noch einmal in der Turnhalle des Jahn-Gymnasiums. „Als ich mal bei einem Tag der offenen Tür in der Mensa des heutigen Gymnasiums saß, musste ich an diese schönen denken“, gesteht Peter Ritzrau.