Klötze l Seit Jahren dominieren beide Vereine im Jugendfußball. Für die Altersklasse der U19 in der Spielzeit 2019/2020 gilt dies allerdings nicht.

Heimlich still und leise, hat sich der VfB Klötze an den beiden Granden vorbei geschlichen und spielt einen erfolgreichen Ball in der Verbandsliga. Damit hat die Mannschaft von Trainer Henry Mühl den status quo des Jahrgangs 2001/2002 inne. Und das nicht zu unrecht.

Mühl-Truppe überzeugt als Aufsteiger

Ein hoch verdienter 7:0-Sieg auswärts in Schönebeck - Besser kann ein Jahresauftakt in der A-Jugend-Verbandsliga nicht beginnen. Doch es ist nicht der SV Eintracht Salzwedel oder der SSV 80 Gardelegen, der mit diesem Ergebnis auf sich aufmerksam macht. Die U-19 des VfB Klötze unter Trainer Henry Mühl, holte mit einem souveränen Auswärtssieg bereits die Punkte 14,15 und 16 in dieser Spielzeit. Damit belegen die Purnitzstädter Nichtabstiegsplatz neun – und das als Aufsteiger. Vier Teams stehen in der Debüt-Saison der Verbandsliga hinter dem VfB. Der Liga-Neuling hat sich in der neuen Liga gut zurecht gefunden und ist endgültig auf der Fußball-Landkarte angekommen.

Während die wenigsten Kenner der Szene dem VfB diesen Sprung zugetraut hätten und sich kneifen müssen, hat Trainer Henry Mühl die Situation schnell realisieren können:

Mannschaft ist seit Jahren eingespielt

„Das ist kein Zufall bei uns. Die Mannschaft spielt seit der D-Jugend in dieser Konstellation zusammen. Einige kennen sich noch aus der Grundschule oder gar dem Kindergarten. Das schafft Vertrauen. Wir haben einen familiären Zusammenhalt in der Truppe. Das unterscheidet uns mit Sicherheit von anderen Mannschaften“, so der Chefcoach. Wichtig ist Trainer Mühl dabei nicht nur die Arbeit auf, sondern auch neben dem Platz.

„Man darf nicht vergessen, dass im Alter von 17-19 viele Interessen und Faktoren vom Fußball ablenken können. Daher ist man manchmal auch als Kumpeltyp gefragt. Wenn die Jungs Probleme haben in der Schule oder es um Beziehungen geht, höre ich den Jungs zu und bin für sie als Freund da. In der Verantwortung einer Mannschaft ist man nicht nur für das Fachliche zuständig, sondern ist auch als Mensch gefragt. Die Jungs vertrauen mir und zeigen dies auf dem Platz. Das macht mich als Trainer schon sehr stolz.“

127 Treffer in der Aufstiegssaison

In der vergangenen Saison erzielte seine Mannschaft bereits 127 Treffer zum Aufstieg von der Landesliga in die Verbandsliga. Anstatt allerdings als Underdog den Spielstil zu ändern und sich in der eigenen Hälfte einzuigeln, behielt der VfB die erfolgreiche Spielweise der abgelaufenen Runde weiter. Ohne Furcht agieren die Klötzer bislang gegen favorisierte Vereine wie Lok Stendal, Germania Halberstadt und VfL Halle 96.

Die erfrischend und couragierte Spielweise nötigte selbst den Liga-Konkurrenten Respekt ab: „Vorher kannten die Mannschaften uns gar nicht. Einige Konkurrenten wussten gar nicht, wo Klötze überhaupt liegt. Das hat sich mittlerweile geändert. Als wir bei Fortuna Magdeburg verloren haben, kam sogar deren Cheftrainer zu mir und lobte meine Mannschaft für eine gute Leistung. Wir hätten uns als kleiner Aufsteiger hinten rein stellen können, haben aber immer versucht, weiterhin offensiv mitzuspielen und fußballerische Lösungen zu finden. Das hat man beim Gegner honoriert. Ein größeres Lob kann man sich nicht vorstellen“, so Trainer Mühl.

Momentaufnahme mitnehmen

Mühl selbst ging den Weg der Mannschaft seit seinem Amtsantritt 2014 mit und führte die Generation des Geburtsjahres 2001/2002 zum bisher größten Erfolges in der Klubgeschichte. Die vorüber gehende Nummer eins in der Altmark West der U-19 zu sein freut Mühl, der damit aber nur eine vorübergehende Wachablösung im Jugendfußball der Altmark West sieht. „Der SSV 80 Gardelegen und Eintracht Salzwedel sind schon brutal stark. Bei beiden Klubs wird gute Arbeit geleistet. Dennoch genießen wir gerade jedes Spiel in dieser Saison und reisen gern zu Auswärtsspielen. Wir dürfen bei unseren Auswärtsfahrten viele neue Eindrücke gewinnen und sehen dabei viel Neues. Das ist auch für die Spieler etwas großartiges.“

Die aktuelle Saison als letzte im Trikot der Klötzer U-19, wird dagegen Ausnahmespieler Julien Schulz spielen, der sich nach der Saison voraussichtlich voll und ganz auf seinen Heimatverein TSV Kusey und deren Herrenmannschaft konzentrieren wird. „Julien ist mit Kusey verwurzelt. Es ist keine Frage, dass er dort spielen wird. Wir genießen die Zeit mit ihm im Kader, so lange es geht“, so Mühl.

Gemeinschaft als Erfolgsbaustein

Entscheidender als Einzelpersonen, sind für den A-Jugendtrainer ohnehin Werte und eine verschworene Gemeinschaft. „Wir funktionieren nur, wenn wir als Mannschaft auftreten. Es gibt bei uns niemanden, der sich überschätzt oder über das Team stellt. Nur als Mannschaft sind und waren unsere Erfolge möglich. Dieses Denken haben wir in die Mannschaft implantiert. Keiner fühlt sich als Star. Wir bleiben auch im Erfolgsfall bescheiden.“

Mit dieser Einstellung fuhr der VfB in der bisherigen A-Jugendsaison gut und vertrat die Altmark West mit Würde in der Verbandsliga. Der Klassenerhalt für den VfB ist keine Utopie mehr. Dieser dürfte sowohl das Ansehen, als auch den Bekanntheitsgrad des Klubs außerhalb der Altmark West, weiter steigen lassen.