Kalbe l Der Stürmer von der SG Kakerbeck/Engersen wagte im Alter von elf Jahren den Absprung aus seiner Heimat Afghanistan. Die Volksstimme sprach mit Kakerbecks-Goalgetter

Seit fünf Jahren in der Altmark

Er ist groß, schlank und trägt ein Lächeln auf den Lippen. Zuvorkommend und höflich bittet Mohammed Mahdizadeh zum Interview in seinem Wohndomizil in Kalbe. Auch seine Schwester ist dabei und bietet einen Platz an. Zurückhaltend und demütig wirkt der Afghane im Gespräch. Seit fast fünf Jahren befindet sich Mahdizadeh bereits in der Altmark. Mit seiner Familie flüchtete er aus Afghanistan, kam über die Umwege Iran, Türkei und Griechenland nach Deutschland. Nach einem kurzem Aufenthalt in Berlin, landete Mahdizadeh im Jahr 2014 in Kalbe. Dort fand der Angreifer, seine Schwester und Mutter Obdach.

Als die Mahdizadehs einen Aufenthaltstitel erlangen, geht es für sie in die Altmark. Dort ist zunächst alles Neuland. In Afghanistan wohnte die Familie in der Großstadt Herat. Dort spielte Mahdizadeh weder in einem Verein, noch regelmäßig auf der Straße. „Wir hatten keine Sportplätze. Nur einen gab es in der ganzen Stadt. Dort durften nur die Elitesportler trainieren“, so Mahdizadeh, der nur mit Plastikbällen seinem Hobby nachgehen konnte. Deshalb richtete Mahdizadeh seinen Fokus auf andere Sportarten. „Ich war ein richtig guter Tischtennis-Spieler, aber ich schaffte den Sprung in die Landesklasse nicht. Aber die Leidenschaft für den Fußball war immer größer.“

Kein leichtes Pflaster

Nach der Ankunft in der neuen Heimat, musste der damals 11-Jährige Deutsch lernen. Kein leichtes Pflaster für den jungen Afghanen: „Die ersten beiden Jahre habe ich nicht gesprochen und saß im Klassenraum vorne in der ersten Reihe. Ich habe nur zugehört, gelesen und geschrieben, da ich die Sprache nicht konnte. Nun will ich meinen Realschulabschluss an der Johann-Daniel-Sekundar-schulein Kalbe schaffen und danach auf das Fachgymnasium gehen.“

Das Talent findet über Schulfreunde den Weg zum Fußball. Erst spielte der Offensivmann für den SV Brunau und die SG Engersen. Als beide Klubs keine Jugendmannschaft mehr stellen konnten, schloss sich der Afghane der Spielgemeinschaft Kakerbeck an.

Dankbarkeit für Unterstützung

Unter Bernd Frankhänel trainiert Mahdizadeh. VfL Kalbe-Legende Dieter Staschert entdeckte den Afghanen und fährt ihn zu jedem Training und Spiel der Blau-Weißen. „Ich weiß Dieters Hilfe sehr zu schätzen. Ohne seine Unterstützung, könnte ich nicht auf dem Platz stehen“, sagt der junge Kicker.

Staschert selbst ist voll des Lobes über den Angreifer: „Meine Frau fragt mich manchmal, wo ich überall hingefahren bin, da der Sprit so schnell alle ist“, scherzt der freiwillige Chauffeur. „Aber er ist die Fahrerei wert. Ich fahre ihn zu jedem Training und bin auswärts dabei. Mohammed wird den Sprung in die Männermannschaft packen. Er hat das Zeug dazu.“

Das Training in Kakerbeck unter Bernd Frankhänel bereitet Mahdizadeh Freude. Der ehemalige Flüchtling schätzt seinen Trainer und Förderer, auch wenn es manchmal hart zur Sache geht. „Wenn wir schlecht gespielt haben oder unsere Aufgaben im Spiel nicht erfüllen, zieht „Bernie “ die Zügel in der Woche danach an. Dann bekommen wir zu spüren, dass er nicht zufrieden ist. Für uns gibt es dann Liegestützen und Ausdauer-Läufe“, so Mahdizadeh.

Bald bei den Herren?

Nach der Saison wird Mehdi Madizadeh voraussichtlich schon bei den Herren spielen müssen. Es wird kein A-Jugendteam in seiner Umgebung geben. „Das ist schade, aber ich traue mir mit 17 Jahren zu, bei den Herren zu spielen.“

Was allerdings fest steht, ist die große Bedeutung des Spielers für sein Team. Dies spiegelt sich statistisch wieder. In acht Spielen erzielte Mahdizadeh bereits 14 Tore und verhalf seinem Verein damit auf Platz eins der Kreisliga. Technische Fähigkeiten gepaart mit Dynamik, starkem Abschluss und gutem Dribbling in Eins-gegen-Eins-Duellen kennzeichnen das Spiel des 16-Jährigen.

Der Afghane eifert auf dem Spielfeld seinem Fußball-Idol nach: „Marco Reus ist mein Vorbild. Er ist auf dem Platz schneller als seine Gegenspieler. Sein Spielstil gefällt mir. Ihn würde ich gerne kennenlernen.“

Nervosität vor dem Tor

Doch der 1,83-Meter große Afghane hat nicht nur Stärken. Eine Schwachstelle ist die Nervosität vor dem Spiel. „Ich versuche nicht an die Spiele zu denken. Die Nervosität vor den Spielen ist das Schlimmste. Deswegen lade ich meine Schwester nicht als Zuschauer zu unseren Spielen ein. Sie will immer zugucken. Aber mein Lampenfieber würde dadurch noch mehr steigen, weil ich dann umso mehr zeigen will, was ich kann. Dann würde ich verkrampfen. Deswegen bleibt sie Zuhause und ich erkläre danach, wie das Spiel verlaufen ist.“

Schon bald ist die B-Jugend-Saison mit der SG Kakerbeck/Engersen vorbei. Am 6. Juni findet der letzte Spieltag der Kreisliga bei der SG Salzwedel II statt. Dann wird Mohammed Mahdizadeh vermutlich Zuhause erklären müssen, wie er mit seinen Mannschaftskollegen den Kreismeisterschaftstitel gewonnen hat.