Zießau/Arendsee l Doch seinen ersten Auftritt – wenn auch erst einmal „nur“ als Assistent – hatte der erst 14-jährige Zießauer erst vor wenigen Tagen. Seine erste Prüfung bestand der Youngster mit Bravour und lieferte damit den Beweis dafür, dass sich auch die ganz jungen Unparteiischen im Altmarkkreis Salzwedel ganz sicher nicht verstecken müssen.

Selbst dem runden Leder nachzujagen, darauf hatte Silas Krüger irgendwann schlichtweg keine Lust mehr. Ihm dürstete es nach einer anderen Herausforderung im Fußballgeschäft. Warum es dann nicht mal als Schiedsrichter probieren?

Karriere als Schiedsrichter

Diese Frage stellte sich Silas und greift nach seiner erfolgreichen Ausbildung seit Sommer des vergangenen Jahres für den SV Arendsee zur Pfeife.

Verletzung verhindert früheren Einsatz

Aufgrund einer langwierigen Verletzung musste der 14-Jährige aber eine gefühlte Ewigkeit auf seinen ersten Einsatz warten. Diesen gab es nun endlich im Kreisoberliga-Duell der Herren zwischen der SG Eintracht Mechau und dem SV Rot-Blau Sanne (1:1), bei dem Krüger mit den gestandenen Wolfgang Schröder und Marcel Leppin ein Kollektiv bildete.

Wollte der Chef auf dem Platz sein

Vor ziemlich genau neun Jahren begann der Zießauer seine Spielerlaufbahn beim SV Brunau 06. Bei den SVB-G-Junioren hatte damals noch Heiko Januschewski, mittlerweile eher als Leichtathlet in Diensten des VfL Kalbe/Milde bekannt, das Sagen. Silas Krüger fand seinen Platz im Team entweder als linker Verteidiger oder auch als Libero.

Von der Volkssportart Nummer eins hatte ihn vor allem sein Vater Jens Freimann überzeugt. „Ich mag einfach die Gemeinschaft, die Emotionen sowie auch die Spannung“, verrät der 14-Jährige, was ihn daran besonders fasziniert.

Wechsel zum SV Arendsee

Ab der D-Jugend schloss sich Silas dem SV Arendsee an, der sich wenig später allerdings mit der SG Pretzier zu einer Spielgemeinschaft zusammenschloss. Kurz darauf wechselten mehrere Teamkollegen zum SV Eintracht Salzwedel. Diesen Schritt ging Krüger allerdings nicht. „Mir waren es zuvor einfach zu viele Leute in der Mannschaft, so dass ich die Lust doch etwas verloren habe“, blickt der Westaltmärker, der daraufhin seine Schuhe an den Nagel hing, zurück.

Dem Fußball wollte der Youngster aber unbedingt erhalten bleiben. Daher bot sich die Tätigkeit als Schiedsrichter an. „Ich wollte einfach nach wie vor am Spiel beteiligt und der Chef auf dem Platz sein“, erklärt der Zießauer.

So ging er gemeinsam mit seinem Senior auf die Verantwortlichen des SV Arendsee zu und erkundigte sich nach dem Termin für den Anwärterlehrgang, der jährlich in der Seestadt über die Bühne geht, und meldete sich für selbigen an. Den abschließenden Test bestand Krüger, womit ihm der Schein als Referee sicher war. Kurz darauf zog sich der Youngster allerdings einen Außenbandanriss zu und musste eine lange sportliche Pause einlegen.

Aufregung vor dem ersten Spiel

Vor wenigen Tagen war es dann aber endlich soweit: Silas Krüger durfte sich erstmals die schwarz-gelbe Kluft überstreifen und als Schiedsrichter-Assistent bei der Kreisoberliga-Begegnung zwischen Mechau und Sanne fungieren. „Ich war vorher aufgeregt und hatte Angst, etwas falsch zu machen“, gibt der 14-Jährige offen und ehrlich zu. Doch mal ehrlich: Welchem Referee geht dies vor seinem ersten Einsatz nicht so? Trotz seiner Schüchternheit machte Silas seine Sache aber erstaunlich gut. Kritik am jungen Linienrichter war jedenfalls von keiner Seite herauszuhören.

Im Gegenteil: Schiedsrichter Wolfgang Schröder sprach seinem Assistenten ein großes Lob nach dessen Debüt aus. „Wichtig war sicherlich, dass wir uns vor dem Spiel zehn Minuten lang unterhalten haben. Ich habe ihm gesagt, was ich erwarte, dazu hat er mir mehrere Fragen gestellt. Vor allem bei der Zeichensprache hat er seine Sache schon sehr gut gemacht und sich in dieser keineswegs einfachen Partie mit vielen Zweikämpfen top geschlagen“, so Routinier Schröder.

Debüt gelingt

Auch der 14-Jährige war zufrieden: „Ich denke, dass ich in der zweiten Halbzeit immer sicherer wurde und allgemein nicht viel falsch gemacht habe. Als Kollektiv haben wir unsere Sache heute aus meiner Sicht ganz ordentlich gemacht.“

So ist der mittlerweile deutlich selbstbewusstere Zießauer nun auch gewappnet für sein nächstes Spiel. Hauptsächlich soll er demnächst Nachwuchspartien auf Kreisebene leiten. Viele davon sicherlich bei seinem Heimatverein SV Arendsee.

15 Begegnungen muss Silas pro Saison vollbekommen. Dazu zählen natürlich auch die Einsätze als Assistent, beispielsweise in der Kreisoberliga der Herren. Der 14-Jährige hat sich mittlerweile auch das nötige „dicke Fell“ angeeignet und scheut sich in Zukunft sicherlich nicht davor, auch mal die eine oder andere Karte zu zeigen. „Wenn ich etwas härter durchgreifen muss, dann mache ich das auch“, macht der Westaltmärker ganz selbstbewusst deutlich. Bevor die Hand allerdings in Richtung Brusttasche geht, zieht es Krüger zunächst einmal vor, so viel wie möglich mit den Spielern zu kommunizieren.

Werde definitiv auch dabei bleiben

In Silas’ Altersklasse finden sich doch eher wenige Unparteiische auf der Meldeliste vom Schiedsrichter-Obmann des Kreisfachverbandes (KFV) Altmark West, Thomas Kölle, wieder. Ganz zum Bedauern des 14-Jährigen. „Gesucht werden sie ja überall. Ich finde es aber schon etwas schade, dass es nur so wenige junge Schiedsrichter gibt. So müssen häufig die Trainer der einzelnen Mannschaften selbst die Partien leiten“, verrät Silas, der aber auch anfügt: „Es ist ja doch eher ungewöhnlich, in unserem Alter schon bei Männer-Partien an der Linie zu stehen. Dazu wissen viele junge Leute einfach nicht, dass man in diesem Alter schon Referee sein kann.“

Nach seinem ersten offiziellen Einsatz als Assistent, bei dem sich der junge Zießauer keinerlei Kritik ausgesetzt sah, sieht er sich in seiner Entscheidung, als Schiedsrichter arbeiten zu wollen, bestätigt. „Mir macht es einfach mehr Spaß als selbst zu spielen und ich werde definitiv auch dabei bleiben, egal was passiert“, verdeutlicht der Westaltmärker, der speziell von den Leistungen der Unparteiischen bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland („Vor allem die Kommunikation mit den Spielern fand ich sehr beeindruckend“) sehr angetan war.

Von seinem Klub SV Arendsee hat Silas sowohl einen Trainingsanzug als auch eine komplette Schiedsrichter-Ausrüstung gestellt bekommen. Daher kann der junge Referee die Arbeit beim SVA auch nur loben. Er selbst möchte es als Referee – eine Rückkehr als Spieler auf den Platz wird es aller Voraussicht nach nicht geben – noch „so weit wie möglich“ nach oben auf der Karriereleiter schaffen. Vielleicht sogar bis in die Bundesliga? „Dann wäre ich zufrieden“, so der 14-Jährige mit einem Grinsen.

Doch klar ist eben auch, dass sich der Youngster, der sich gerade mal am Anfang seiner Laufbahn befindet, natürlich noch in vielen Bereichen verbessern muss. „Meine Fahnenzeichen müssen deutlicher sein, zudem muss ich allgemein noch reaktionsschneller werden“, gibt der Zießauer zu. Doch bleibt Silas Krüger mit seinem großen Enthusiasmus am Ball, steht ihm womöglich eine große Laufbahn als Schiedsrichter bevor.