Liesten l Auch nach dem Spiel, blieb es der Reizpunkt des Duells. Zwar gewann der SV Liesten das Spitzenspiel gegen den SV Medizin Uchtspringe mit 2:1 und durfte sich über wichtige drei Punkte im Kampf um den Aufstieg in die Landesliga freuen, doch so richtig konnten die Liestener nach Spielschluss nicht abschalten.

Thema Nummer eins und Hauptärgernis des Heimspiels blieb nicht das sportliche Geschehen auf dem Platz, sondern ein Scharmützel neben dem Platz - besser gesagt die Diskussion um das Warmmachen vor dem Spiel.

Unmutsäußerungen nach dem Schlusspfiff

In der Aufwärmphase vor und unmittelbar beim Gang in die Kabine nach dem Spiel, erhitzten sich die Gemüter der Funktionäre und Verantwortlichen beider Parteien. Verbale Giftpfeile flogen nach dem Schlusspfiff von Offiziellen des SV Medizin Uchtspringe in Richtung des Liestener Cheftrainers Michael Piotrowski, während dieser sich nach Spielschluss den obligatorischen Fragen der Presse stellte und inmitten seiner Spielanalyse gar das Interview für wenige Sekunden unterbrechen musste.

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Doch was war Anlass für den Zündstoff, der sich nach der Partie zwischen beiden Lagern entlud?

Gäste widersetzen sich der Bitte

Zur Vorgeschichte: Die angereisten Gäste des SV Medizin Uchtspringe erwärmten sich vor Spielbeginn auf dem Hauptfeld des Sportgeländes. Vorgesehen war seitens der Liestener Verantwortlichen jedoch, die Erwärmung auf dem Nebenplatz zu absolvieren. Damit sollte der Rasen des Spielfeldes geschont werden, der unter schwierigsten Wetterverhältnissen seit Tagen auf Hochglanz poliert wurde.

So konnte trotz zahlreicher Spielausfälle in der Altmark, in Liesten Fußball gespielt werden. Allen voran die Heimmannschaft des Gastgebers hielt sich daran, das Aufwärmprogramm auf dem Nebenfeld zu absolvieren. Der SV Medizin Uchtspringe, absolvierte zeitgleich ebenfalls sein Aufwärmprogramm, allerdings nicht wie vorgesehen auf dem Nebenfeld, sondern auf dem Spielfeld.

Die Gäste zogen sich damit den Unmut der Beteiligten des Gastgebers zu. Diese konnten nur dabei zusehen, wie die Mediziner ihr Programm mit Torschussübungen und Ballstafetten abspulten.

Unverständnis beim SV Liesten

„Das geht gar nicht. Das hat nichts mit Respekt und Anstand zu tun. Alle anderen Gastmannschaften, die gebeten wurden auf den Nebenplatz zu gehen, sind dieser Bitte nachgekommen. Uchtspringe hat sich als einzige Mannschaft in dieser Saison widersetzt. Das ist absolut unfair und unsportlich. Wir sind Uchtspringe sogar entgegengekommen und haben dieses Spiel als Nachholspiel neu terminiert, als sie nicht in der Lage dazu waren, spielen zu können. Und nun das. Das finde ich unaufrichtig. Wir können uns auswärts auch nicht daneben benehmen. Sie sind immer noch zu Gast“, wetterte Liesten-Trainer Michael Piotrowski.

Zur Erinnerung: Ex-Spieler Florian Marunde, der von 2011 bis 2019 das Trikot der Mediziner trug, kam in der Nacht des 20. Oktober (Volksstimme berichtete) bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Freunde, ehemalige Mitspieler und Angehörige Marundes trauerten. Die Akteure der Mediziner befanden sich im Schockzustand. Daraufhin baten die Verantwortlichen des SVM, auf die Austragung der bereits eine Woche später stattfindenden Begegnung beim SV Liesten, zu verzichten. Die Verantwortlichen des SVL unter Abteilungsleiter Mario Schulz zeigten dafür natürlich absolutes Verständnis. Das Ligaspiel zwischen den beiden Aufstiegsaspiranten wurde abgesagt und auf den 14. Dezember 2019 terminiert.

Piotrowski reagierte mit Unverständnis über das Verhalten der Gäste: „Es sieht nach einer bewussten Provokation von Uchtspringer Seite aus. Ich möchte aber kein Wort mehr darüber verlieren. Das bringt nichts. Die sind alle beratungsresistent“.

Aus Sicht von Uchtspringes Trainer Lars Reifke dagegen, wurden die Streitigkeiten unnötig von Liestens Offiziellen ausgelöst. Seine Mannschaft ist nicht als Hauptschuldiger für den Disput zuständig. Den „schwarzen Peter“ für den Zwist, wollte Reifke sich und seinen Spielern daher nicht allein zuschieben lassen.

„Vor dem Spiel wollten wir unser ganz normales Aufwärmprogramm absolvieren. Dazu benötigen wir Platz, um den Ball laufen zu lassen. Der Nebenplatz befand sich in einem katastrophalen Zustand. Das war eher Modder, als Rasen. Bevor wir richtig loslegen wollten, wurden uns schon Bälle weggenommen und Trainingsstangen durch die Gegend geworfen. Anstatt mit uns über das Problem zu zu reden, wurden wir gleich angeschrien, und das in einer Art und Weise, die nicht respektvoll ist. Wir hatten keine Lust, uns weiter anschreien zu lassen und haben deshalb einfach den Weg zum Platz gesucht. Das konditionelle Programm haben wir dann wenigstens auf dem Nebenplatz absolviert, damit die Situation nicht eskaliert. Danach fuhren Aufregung und Emotionen von beiden Seiten erst einmal runter.“

Streitfrage bleibt ungeklärt

Die viel diskutierte Erwärmung auf dem Spielfeld, half dem SV Medizin Uchtspringe indes nicht. Der SV Liesten gewann sein Spiel trotz der Unstimmigkeiten mit den Gästen am Ende mit 2:1. Ein reflektiertes Einlenken kurz nach dem Spiel, fiel beiden Parteien schwer.

SVM-Trainer Reifke lenkte jedoch ein: „Wir hätten vorher besser darüber kommunizieren sollen. Dann wäre die Sache nicht so eskaliert.“

Im selben Atemzug deutete Reifke an, den Liestern die Hand für ein Gespräch zu reichen. „Wenn die Liestener mit uns über die Ereignisse reden wollen, bin ich natürlich gesprächsbereit“.

Ob beide Mannschaften die Friedenspfeife rauchen werden, bleibt dennoch offen.