Stendal/Kuhfelde l Die wohl weiteste Reise traten dabei Mathias Bock, Karsten Fettback und Justin Miemel aus Stendal an, die das Dreier-Gespann bei der Kreisoberliga-Begegnung in Kuhfelde bildeten.

Austausch findet häufig statt

„Kuhfelde? Da waren wir noch nicht. Da müssen wir hin“, war mit einem Grinsen der erste Gedanke von Karsten Fettback, als ihn Thomas Kölle – Schiedsrichter-Obmann im Kreisfachverband (KFV) Altmark West – darum bat, gemeinsam mit Mathias Bock und Justin Miemel das Schiedsrichter-Trio bei der Kreisoberliga-Begegnung zwischen dem Kuhfelder SV und dem SV Langenapel (3:1) zu bilden. Fettback ist der Referee-Ansetzer im KFV Altmark Ost und steht daher auch mit Kölle in regelmäßigem Austausch. Immer öfter tauschen die beiden Altmarkkreise Unparteiische an den jeweiligen Wochenenden aus. Während im Kreis Stendal häufig am Sonnabend westaltmärkische Schiedsrichter benötigt werden, helfen Referees aus der Ostaltmark des Öfteren sonntags im Altmarkkreis Salzwedel aus.

Am letztwöchigen Donnerstagabend wandte sich Thomas Kölle erneut an Karsten Fettback und bat um Hilfe. Er brauchte, da nicht genügend eigene Referees zur Verfügung standen, bei gleich vier Partien Spielleiter aus der Ostaltmark. Das betraf unter anderem die Kreisoberliga-Partien in Mechau und Kuhfelde. Die entsprechenden Begegnungen schickt Kölle per Mail an Fettback, der dann die jeweiligen Unparteiischen festlegt. „Wir verstehen uns sehr gut. Eine Hand wäscht die andere“, spricht Fettback – selbst Verbandsliga-Schiedsrichter – über das Verhältnis der beiden altmärkischen Kreisfachverbände.

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Im Gegenzug schickt Kölle fast jeden Sonnabend Referees aus der West- in die Ostaltmark, um dort Begegnungen auf Kreisebene zu leiten. Durchschnittlich betrifft dies pro Kreis eine Partie pro Wochenende. Diesmal waren es zumindest im Altmarkkreis Salzwedel sogar gleich drei Partien. „Erst waren zwei angedacht, am Freitag wurden auf einmal drei daraus“, verrät Karsten Fettback. Letztgenannter setzte sich selbst als Assistent von Mathias Bock bei der Begegnung zwischen Kuhfelde und Langenapel an. Komplettiert wurde das Trio von Justin Miemel.

Hobby mit Leidenschaft

Die drei Ostaltmärker machten sich am Sonntag um 12 Uhr auf den Weg von Stendal in Richtung Kuhfelde. Erst gegen 18 Uhr trafen sie nach der Partie und insgesamt um die 160 Kilometer Fahrtweg wieder daheim ein. Bock, Fettback und Miemel waren übrigens zum ersten Mal überhaupt in dieser Zusammensetzung in der Westaltmark aktiv. Aber sie hatten großen Spaß. „Es war ein gelungener Sonntag, alles hat gut geklappt“, waren sich die drei Rolandstädter einig. „Es ist ein Hobby, daher macht man es gern“, erklärt Mathias Bock.

Der 54-Jährige erwarb bereits mit 14 Jahren seine Schiedsrichter-Lizenz und war bis 2010 sogar in der Verbandsliga eingestuft. Mittlerweile leitet Bock vorrangig Herren-Partien auf Kreisebene in der Ostaltmark. Selbst aktiv war der Stendaler übrigens nie, denn als Achtjähriger verletzte er sich bei einem Verkehrsunfall schwer. Als Torhüter, der er immer sein wollte, war Mathias Bock wohl stets zu klein. So entschied sich der Ostaltmärker frühzeitig für die Tätigkeit als Referee und ließ sich von Manfred Müller ausbilden.

Auszeit wegen des Berufs

Von 1982 bis 1990 legte er aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit als Lokführer („Ich musste mich zwischen Beruf und Hobby entscheiden“) eine Pause ein, wurde dann aber von Dieter Marks reaktiviert. „Ich hatte mit den Spielern und Partien eigentlich nie Probleme“, spricht der 54-Jährige auch über seine bisherigen Erfahrungen in der Westaltmark. Unter anderem stand auch schon das damalige, bekanntermaßen hochemotionale Kreisoberliga-Derby zwischen dem SV Eintracht Vienau und dem SV Brunau 06 auf seinem Programmplan.

Vor wenigen Tagen war Bock gemeinsam mit Karsten Fettback (41 Jahre) und Justin Miemel (21) zum ersten Mal in Kuhfelde. Mit dieser insgesamt sehr fairen Partie hatten die drei Ostaltmärker keine Probleme. „Ich denke, in beiden Altmarkkreisen gibt es sicherlich Mannschaften, die einem das Leiten der Spiele erschweren. Heute war es allerdings einfach“, so das Fazit vom jungen Assistenten Miemel, der selbst eine Kreisoberliga-Einstufung hat. Auf der zirka einstündigen Rücktour nach Stendal konnten die drei Unparteiischen die Partie noch einmal ganz genau Revue passieren lassen. „Somit festigt man sich als Team, indem man einfach Spaß hat und sich auch mal lustige Geschichten erzählt“, meint Mathias Bock.

Respekt fehlt

Der hat einen ganz klaren Grund ausgemacht, weshalb die Anzahl der Referees in beiden Altmarkkreisen von Jahr zu Jahr nahezu drastisch sinkt: „Ganz klar der fehlende Respekt gegenüber den Schiedsrichtern. Klar machen sie alle mal Fehler, aber das passiert nicht mit Absicht.“ Dazu führt Bock ein simples Beispiel auf: „Wenn ein 14-Jähriger ein Jugendspiel leitet und dann von den Eltern beschimpft wird, tut er sich das auch nicht länger mit an. Das ist doch klar.“ Besserung erwartet der 54-Jährige sowohl für die West- als auch für die Ostaltmark nicht. „Umso tiefer man pfeift, desto schwerer wird es“, meint Bock.

Auch Thomas Kölle kann sich nur positiv über den regelmäßigen Schiri-Austausch äußern: „Wir machen das ja schon seit mehreren Jahren – und das auf dem kurzen Dienstweg.“ Lange vor dem vergangenen Wochenende wusste Kölle, dass ihm gleich zwei Schiedsrichter-Gespanne für die Kreisoberliga fehlen. So reisten Mathias Bock, Karsten Fettback und Justin Miemel nach Kuhfelde, Christian Braun, Siegfried Meyer und Fabian Kopecki besetzten die Begegnung zwischen der SG Eintracht Mechau und dem FSV Eiche Mieste (2:1). Dazu wurde auch bei den Kreisliga-Begegnungen in Brunau und Kalbe – Letztgenannte fiel allerdings kurzfristig aus – ein Referee aus dem Landkreis Stendal benötigt. „Wir hatten diesmal im Nachwuchs auf Landes- und Kreisebene viele Heimspiele. Dazu kam, dass es durch das ungünstige Wetter mehrere Krankmeldungen gab. Daher war mir früh klar, dass uns viele Schiedsrichter fehlen“, verrät der Schiri-Obmann des KFV Altmark West.

Daher schloss er sich rechtzeitig mit Fettback kurz und bekam recht schnell positive Rückmeldungen. „Das klappt immer gut. Wir waren ja beispielsweise auch eine Woche zuvor schon in Schinne. In der Ostaltmark werden eben am Sonnabend viele Referees benötigt, bei uns am Sonntag“, so Thomas Kölle. Allerdings ist die Auswahl im Landkreis Stendal noch etwas größer, denn dort stehen rund 100 Unparteiische zur Verfügung. Zum Vergleich: Im Altmarkkreis Salzwedel sind es „nur“ 70. „Man muss sagen, dass wir einfach mindestens 20 Schiedsrichter zu wenig haben. Manche Vereine – ich möchte da gar keine Namen nennen – machen diesbezüglich ihre Hausaufgaben einfach nicht. Leider sind es aber genau diese, die sich am Ende am meisten über die Referees beschweren. Man muss sagen, dass sie es einfach nicht begriffen haben“, ist Kölle verärgert.

Kosten erhöhen sich

Die Kosten für die Heimvereine steigen natürlich, wenn ein Gespann aus dem benachbarten Kreis anreisen muss. „Die Klubs wollen gute Schiedsrichter, also müssen sie das auch mal in Kauf nehmen“, erklärt der Salzwedeler. Der hat bislang fast durchweg positive Erfahrungen bei Einsätzen im Landkreis Stendal gemacht: „Ich persönlich habe viele gute Kontakte, kenne viele Leute. Daher habe ich eigentlich mit den meisten von ihnen wenig Probleme.“ Kölle und Fettback versuchen, bei einem Austausch – einen solchen gab es früher übrigens auch mal mit dem Bördekreis – Partien in Grenznähe zu wählen. „Das ist aber nicht immer machbar“, deutet er auf die Begegnung in Kuhfelde hin. Doch dort machten Bock, Fettback und Miemel („Entscheidend ist ja, wie man als Kollektiv auftritt“) ihre Sache so gut, dass auch der heimische KSV zumindest rein sportlich keinen Grund zum Motzen hatte.

Während im Altmarkkreis Salzwedel unterhalb der Kreisoberliga nur noch ein Referee ohne Assistenten angesetzt wird, versucht Fettback im Kreis Stendal, auch in der Kreisliga und 1. Kreisklasse ein Dreier-Gespann zu den jeweiligen Partien zu schicken. Aber auch das ist nicht immer möglich.

Bock, Fettback und Miemel pfeifen nach wie vor aus Leidenschaft. Sollte ihnen selbige verloren gehen, werden sie ihre Pfeife wohl auch an den Nagel hängen. „In jedem Spiel muss man sich aufs Neue beweisen. Man kann sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen“, weiß Mathias Bock, dass man als Referee durchaus schnell an Ansehen verlieren kann. Justin Miemel fügt an: „Wir merken es selbst, wenn wir mal Fehler machen. Als Team kann man Rückschläge aber wesentlich besser verarbeiten.“

Sowohl auf als auch neben dem Platz spürte das ostaltmärkische Trio zumindest in Kuhfelde keine Anzeichen von Unruhe. „Am schönsten ist es doch, wenn man gemeinsam mit den Spielern nach den Partien zusammensitzt und die Partien auswertet“, so Mathias Bock. Ihm sowie auch seinen Assistenten Karsten Fettback und Justin Miemel gefiel es gar so gut, dass sie sich eine baldige Rückkehr in die Westaltmark („Wir sind hier sicherlich gern gesehen“) durchaus vorstellen können. Thomas Kölle wird sich über diese Worte mit Sicherheit freuen und dieses Angebot in nächster Zeit bestimmt gern annehmen.