Salzwedel l Der SV Eintracht Salzwedel hatte noch alle Trümpfe in der Hand, um neben dem Kreispokalsieg auch die Landesliga-Rückkehr zu realisieren. Eine Niederlage und zwei Punkteteilungen später, ist allerdings zu konstatieren, dass die Mannschaft von Helge Kietzke am Ende einer langen Saison mit leeren Händen da steht.

Während die Eintracht im Kreispokalfinale in Arendsee eine 1:2-Niederlage hinnehmen musste, reichten zwei Unentschieden gegen Letzlingen und jüngst in Tangermünde nicht, um den zweiten Platz der Fußball-Landesklasse, Staffel I, der nach dem Verzicht des FSV Heide Letzlingen zum Aufstieg genügt hätte, zu behaupten. Stattdessen war am Ende der Möringer SV der lachende Dritte und konnte durch einen deutlichen Heimsieg über Arneburg den Aufstieg feiern.

Fassungslosigkeit nach Abpfiff

Am Sonnabend dominierten nach dem Abpfiff in Tangermünde noch vor allem die Trauer und die Verzweiflung. Viele Spieler sanken zu Boden und hielten sich die Hände vor das Gesicht.

Mit ein paar Tagen Abstand gab es zumindest beim Trainer Helge Kietzke dahingehend einen Wandel: „Bei mir macht sich mittlerweile immer mehr die Wut breit.“

Schiedsrichter-Entscheidung im Blickpunkt

Der Hintergrund liegt in der 47. Spielminute beim Gastspiel in der Kaiserstadt, als der A-Jugendliche Fabian Beck den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich erzielte. Dieser Treffer wurde aber aufgrund einer Abseitsentscheidung aberkannt, was schon während des Spiels - vor allem bei Gregor Roth - für totales Entsetzen sorgte.

Dass sich die Salzwedeler über diese Szene echauffieren, ist aufgrund des Bildmaterials von „Altmark Fußball“ nur verständlich. Auf diesem Video bei „YouTube“ ist nämlich sehr gut zu erkennen, dass eigentlich kein Abseits vorliegt.

„Man hinterfragt sich langsam, ob es einfach nicht gewollt ist, dass Salzwedel in die Landesliga geht. Meiner Meinung nach gibt es im Schiedsrichterwesen zwingend Handlungsbedarf, vor allem was die Abseitsregel betrifft. Gerade auf Kreisebene sieht man es sehr oft, dass die Linienrichter die Fahne viel zu früh heben und dabei nicht zwischen aktiv und passiv unterscheiden“, wie Kietzke deutlich macht.

Niederlage mit Folgen

Dennoch wissen die Jeetze- städter auch, dass die fehlenden Punkte weder gegen Letzlingen, noch gegen Tangermünde verspielt wurden. Dahingehend rückt mittlerweile viel mehr die verdiente Auswärtsniederlage in Tangerhütte ins Rampenlicht. Tangerhütte?

Ja, da war doch schon einmal etwas. Schon in der Spielzeit 2015/16 schrammten die 09er ganz dicht am Aufstieg vorbei. Damals fehlten nur zwei Punkte, weshalb man sich auch zu dieser Zeit schon gerne an die 1:3-Heimpleite am ersten Spieltag zurückerinnerte.

Kietzke schätzt Situation ein

Nichtdestotrotz sieht Kietzke das Problem nicht allein in der Einstellung oder am Fußballerischen: „Ich kann der Mannschaft nicht viel vorwerfen. Nur vielleicht war der Fokus auf die Situation nicht ganz da. Seit dem Spiel gegen Krevese entwickelte sich so ein Gefühl nach dem Motto: Es wird schon. Das betrifft aber nicht nur die Spieler, sondern auch mich oder uns im Trainerteam. So stellt sich natürlich die Frage, ob man hätte mehr tun können.“

Aufstieg zu früh gefeiert

Klar ist, dass der Stachel nach den letzten Nackenschlägen sehr tief sitzt. Unabhängig von den letzten Ergebnissen, kommt ja auch noch immer die Geschichte nach dem Spiel gegen Letzlingen hinzu. Weil der Staffelleiter René Strach scheinbar selbst Probleme beim Verständnis der Aufstiegsregeln des FSA (Fußballverband Sachsen-Anhalt) hatte, gratulierte dieser nach dem Abpfiff auf der Flora den Verantwortlichen der Eintracht zum Aufstieg.

Nachdem die 09er daraufhin gut zwei Stunden den Aufstieg feierten, kam aber die Gewissheit und damit auch die Enttäuschung. „Wir im Trainerteam hatten keine Probleme, dass aus den Köpfen zu bekommen. Aber wie es bei der Mannschaft aussah, die aus vielen jungen Spielern besteht und zwei Tage zuvor noch das Kreispokalfinale verlor, kann ich nicht sagen. Ich stelle mir das nicht so einfach vor und war deshalb sicher nicht von Vorteil“, wie Kietzke erklärt.

Aus Salzwedeler Sicht kamen in den letzten Wochen einfach viele Dinge zusammen. So vielleicht auch die nur kurze Regenerationszeit von 48 Stunden zwischen dem Kreispokalfinale und dem Gipfeltreffen gegen Letzlingen.

„Wir haben im Vorfeld versucht eine der beiden Spiele zu verschieben. Der Staffelleiter meinte dann aber, dass an den letzten beiden Spieltagen keine Paarung verlegt wird. Am letzten Sonnabend wurde übrigens das Spiel zwischen Letzlingen und Beetzendorf um eine Stunde vorverlegt“, wie der Salzwedeler Übungsleiter nach seiner Premierensaison als Chef-Trainer ergänzte.

Junge Mannschaft stand auf dem Feld

Natürlich muss man dazu auch den Blick auf die Mannschaft werfen. In der Regel trat die Eintracht in dieser Spielzeit mit einem Durchschnittsalter von 22 bis 23 Jahren auf. Zwar gibt es mit Dennis Röhl, Gregor Roth, Kevin Gebert und Julian Seehausen auch viel Erfahrung in dieser Mannschaft, doch anscheinend war der Rest einfach noch nicht klar genug.

„Sicher ist so einer Alterserfahrung von Letzlingen oder die Qualität von Liesten in so einer Phase von Vorteil. Das ganze Umfeld und dieser Hype sorgten für eine Menge Druck. Sicher hat da die Erfahrung gefehlt, was vor allem in der ersten Halbzeit in Tangermünde sichtbar war“, wie Kietzke resümiert.

Erwartungen übererfüllt

Eine richtige Konsequenz aus dieser Saison wird es in diesem Fall nicht geben. Die Eintracht hat in dieser Spielzeit die eigenen Erwartungen weit übertroffen und wird an der gesammelten Erfahrung weiter wachsen.

„Ein „Jetzt erst recht“ wird es in der kommenden Saison nicht geben. Wir wissen woran wir in dieser Spielzeit gescheitert sind und werden nun versuchen es besser zu machen“, gibt sich Kietzke sehr motiviert.

Mit Fridolin Hamann, der vom 1. FC Lok Stendal zurückkehrt, steht ein erster Neuzugang bereits fest. Zudem wollen sich die Salzwedeler noch auf zwei bis drei Positionen punktuell verstärken, um den Konkurrenzkampf weiter anzuheben. Das Trainerteam, das sich erst während der Spielzeit richtig einspielen konnte, bleibt ebenfalls zusammen.

„Das Team Kietzke/Hartung hat in dieser Saison absolut funktioniert. Gerade Hagi (Enrico Hartung, Anmerkung der Redaktion) ist ein absoluter Glücksfall für uns und hat großen Anteil an dieser starken Saison. Antonia Cibis, die uns in dieser Saison als Physiotherapeutin unterstützte, brachte durch ihre Art eine gewisse Leichtigkeit in die Mannschaft. Auch auf die Betreuer Sven Heydemann und vor allem Nico Schmidt war stets Verlass. Ein großer Dank geht zudem noch an Guido Eisenschmidt, der als Torwarttrainer einen super Job gemacht hat und Dennis Röhl trotz fehlender Konkurrenz auf einem gewissen Niveau gehalten hat“, wie Kietzke schwärmt.

Die Salzwedeler werden mit Sicherheit noch ein paar Tage und vielleicht auch Wochen brauchen, um diese Saison zu verarbeiten. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass die Eintracht im Juli gestärkt und neuen Mutes die Vorbereitung auf die neue Landesklasse-Saison angehen wird.