Salzwedel l So schnell ändern sich die Gemütszustände: Exakt eine Woche zuvor herrschte beim SV Liesten 22 nach dem verpassten Landesklasse-Staffelsieg noch tiefe Trauer, doch am Sonnabend war der Jubel dafür umso größer. Die Schützlinge von Trainer Michael Piotrowski schafften es nämlich, durch ein 3:0 (1:0) auf der Salzwedeler Flora gegen den Ligakonkurrenten FSV Heide Letzlingen den Fußball-Kreispokal zu verteidigen.

SVL-Coach Michael Piotrowski sprach sieben Tage zuvor mit Blick auf den Kreispokalwettbewerb nur von einem „Trostpreis“. Womöglich bedeutet dieser Erfolg aber doch etwas mehr für die Liestener. Einerseits können sie nach dem dritten Ligaplatz sowie dem Kreispokalsieg unter dem Strich doch noch von einer gelungenen Saison sprechen, andererseits werden sie in der kommenden Spielzeit erneut im Landespokalwettbewerb vertreten sein.

Endstation gegen den FCM

Dort war in der laufenden Serie erst in der zweiten Hauptrunde gegen den 1. FC Magdeburg Endstation. Mal gut für die Westaltmärker, dass der FCM als Zweitliga-Aufsteiger in der kommenden Saison nicht mehr im FSA-Cup mitwirken darf. Aber mal im Ernst: „Selbst ein Landesligist wäre für uns dort schon ein lukrative Aufgabe“, so Piotrowski.

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Nach der großen Enttäuschung im Ligafinale gegen Gardelegen – man verlor nach 3:0-Führung noch mit 3:4 – wollten die Liestener im Kreispokalfinale noch einmal alles herausholen. Das merkte man dem Titelverteidiger schnell an. Auch wenn René Mangrapp an vorderster Front natürlich vermisst wurde, so waren die Mannen aus dem Waldstadion durchaus bestrebt, ein schnelles Tor zu erzielen.

Schnelles Tor von Liesten

Das sollte auch gelingen, denn bereits in Minute fünf – schon zuvor war Steven Beck (gehalten) mit einem Freistoß gescheitert – besaß Sebastian Kordus viel Freiraum und ließ Andreas Lenz im Heide-Kasten keine Abwehrchance – 1:0. Die Letzlinger protestierten auf Abseits – vergeblich. Allerdings ließen sich die Stimbra-Schützlinge vom Rückstand nicht verunsichern. Ganz im Gegenteil, sie reagierten wütend und erspielten sich nun ein Übergewicht.

Die beiden besten Ausgleichschancen besaß Marc Schlamann. Der traf zunächst den Pfosten und später nach einem von Christian Wernecke verlängerten Einwurf von Christian Palutke das Außennetz. Auch der aufgerückte Kapitän Marcel Grabau hatte mit dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Torsten Felkel nach einem Freistoß von Fabian Schlamann per Kopf Pech – vorbei. Mit der Führung im Rücken reagierte Liesten hingegen recht abwartend und wartete auf Kontersituationen. Nach einer solchen wäre Kordus per Kopf (vorbei) beinahe sogar noch Treffer Nummer zwei geglückt.

Viele der insgesamt 253 Zuschauer rechneten damit, dass der FSV Heide nach der Pause den Druck noch einmal erhöht und volles Risiko geht. Dies war aber nicht so. Liestens Plan, die doch ideenlosen Letzlinger vom eigenen Kasten fernzuhalten, ging weitestgehend auf. Ausnahme war ein Versuch aus der Distanz von Fabian Schlamann, der knapp neben dem Gehäuse von Dawid Szczerbik landete. Ansonsten verteidigte der SVL clever und lauerte weiter auf schnelle Umschaltmomente.

Kein Aufbäumen von Letzlingen

Marcin Galkowski hätte bereits früher nachlegen können (vorbei), tat dies dann aber in Minute 80. Die Vorarbeit lieferte Martin Böhm, der – ebenfalls mit viel Freiraum ausgestattet – uneigennützig auf den Polen querlegte. Dieser hatte keine Mühe mehr, zum 2:0 zu vollenden. Es war zugleich die Entscheidung. Ein Aufbäumen war auf Letzlinger Seite nicht mehr zu erkennen.

Stattdessen fehlte auf Seiten des FSV nun in der Defensive völlig die Ordnung. Stephan Benecke bejubelte nach Vorlage von Kordus bereits das dritte SVL-Tor, doch Schiri-Assistent Andreas Kessler hatte ihn am langen Pfosten im Abseits gesehen. Das stachelte Benecke an. Wenig später zählte sein Kopfballtreffer nach einer Böhm-Flanke – 3:0 (82.).

Das Letzlinger Ehrentor verpasste Andreas Schmidt mit einem Kopfball, der über dem gegnerischen Kasten landete. Sein Mannschaftskollege Lenz ließ sich als Keeper noch zu einer überflüssigen Tätlichkeit hinreißen und sah von Felkel, der nun für die Südaltmärker und deren Anhang endgültig zum „Buhmann“ avancierte, die Rote Karte (89.).

Frust von der Seele abgeschüttelt

So kam zwar auch Thomas Lübke noch zu einem kurzen Endspieleinsatz, doch das war für den Heide-Ersatzschlussmann nur ein schwacher Trost. Der SV Liesten 22 jubelte am Ende zu Recht und schüttelte sich damit sicherlich auch eine Menge des zuletzt aufgestauten Frustes von der Seele.

FSV Heide Letzlingen: Lenz – Märtens, T. Benecke (89. Lübke), Schmidt, Wernecke, Ahlfeld (69. Lamprecht), F. Schlamann, Saluck, M. Schlamann (78. Ölze), Grabau, Palutke.

SV Liesten 22: Szczerbik – Wiese, Kijewski (67. Ha. Glameyer), Bresch, Kordus, Galkowski, Bierstedt (56. Böhm), He. Glameyer (54. Müller), Schröder, St. Benecke, Beck.

Torfolge: 0:1 Sebastian Kordus (5.), 0:2 Marcin Galkowski (80.), 0:3 Stephan Benecke (82.).

Schiedsrichter: Torsten Felkel.

Vorkommnis: Rote Karte gegen den Letzlinger Torhüter Andreas Lenz (89.).

Zuschauer: 253.