Gardelegen l Um möglichst alle vier Titel abzustauben, stellt sich der 22-Jährige fast jede Woche der Doppelbelastung und spielt für beide SSV-Herrenmannschaften.

Auf dem Weg zur perfekten Saison

So richtig glauben kann es Simon Bache wohl selbst nicht. Er hat in gleich zwei Spielklassen – nämlich in der Landesliga sowie auch in der Kreisoberliga – die Chance, bester Torjäger zu werden. Zudem winken Bache mit den beiden Gardelegener Männervertretungen zwei Staffelsiege. „Dann wäre es für mich natürlich eine perfekte Saison“, entgegnet der 22-Jährige mit einem schelmischen Grinsen auf die Frage, was diese vier Titel für ihn bedeuten. Doch Erfolge und Tore sind für Bache nicht alles, solange der Spaß am Spiel erhalten bleibt.

Training im Stützpunkt

Als echten Stürmer sieht sich Simon Bache schon seit jeher nicht. In seinem Heimatort Oebisfelde startete Simon als Sechsjähriger seine Laufbahn und hörte in der F-Jugend des SVO auf die Kommandos von Trainer Darius Melchior. Auch dieser sah Bache zunächst im Mittelfeld am besten aufgehoben. Im DFB-Stützpunkt in Klötze, in dem er ab seinem zweiten E-Junioren-Jahr unter anderem mit dem heutigen Profi Michel Niemeyer aktiv war, stellte das Trainertrio Peter Böse, Dieter und Mario Förster den Allerstädter sogar auf der rechten Abwehrseite auf.

Auch diese Maßnahme war durchaus von Erfolg gekrönt, feierte die Auswahl doch in Staßfurt sogar einen Landesmeistertitel. Ab der D-Jugend hatte Böse auch beim SV Oebisfelde das Sagen und stellte Simon Bache zumeist im linken Mittelfeld auf. Allerdings hatte Simon schon immer einen enormen Drang nach vorne und war somit enorm torgefährlich. Sogar der Schritt auf die Sportschule war möglich, doch den Aufnahmetest bestand der Offensivakteur nicht.

War jung und habe es gut verkraftet

So blieb Bache bis zur B-Jugend in Oebisfelde und freute sich in nahezu jeder Saison über den Kreispokalsieg sowie den Hallenkreismeistertitel. Dazu avancierte der heute 22-Jährige mehrfach zum Torschützenkönig. Außerdem sprang mit der damaligen B-Jugend ein hervorragender vierter Platz in der eingleisigen Verbandsliga heraus. Anschließend suchte Simon Bache jedoch aus beruflichen Gründen das Weite und schloss sich den A-Junioren des SSV 80 Gardelegen an. Mit ihnen feierte er im zweiten Jahr den Hallenlandesmeistertitel.

Mit 18 Jahren durfte Bache dann endlich erstmals für die SSV-Männer in der Landesklasse gegen Neuenhofe auflaufen. Nun – fast genau fünf Jahre später – ist er aus der Mannschaft von Trainer Norbert Scheinert, mittlerweile in der Landesliga heimisch, nicht mehr wegzudenken. Des Öfteren spielte Simon sogar dreifach am Wochenende: Für die A-Junioren und zudem auch noch für beide Herrenmannschaften. „Ich war jung, habe es gern gemacht und auch ganz gut verkraftet, auch wenn es im Nachhinein sicherlich auch mal das eine oder andere Wehwehchen gab“, erinnert sich der 22-Jährige, der mittlerweile auch in Gardelegen wohnhaft ist, zurück.

Qualitäten am Fuß sehr prägend

Vor allem seine Geschwindigkeit, aber auch sein enorm harter Schuss mit beiden Füßen zeichnen den Offensivakteur des SSV aus. Verbessern muss sich nach eigener Einschätzung allerdings wohl noch die Chancenverwertung: „Ich bekomme immer meine Gelegenheiten, versiebe allerdings auch zu viele davon.“

Am wohlsten fühlt sich der 22-Jährige auf dem linken Flügel im Mittelfeld. Sein absolutes Highlight mit den Gardelegener Herren war natürlich der Landesklasse-Staffelsieg im vergangenen Jahr, der durch einen 4:3-Erfolg am letzten Spieltag in Liesten („Das war sehr emotional“) perfekt gemacht wurde. Aber auch der Kreispokalsieg 2016 in Liesten durch ein 5:4 nach Verlängerung gegen den FC Jübar/Bornsen wird noch ewig in Erinnerung bleiben. Dazu war Bache in der Spielzeit 2015/2016 mit damals 20 Treffern schon einmal Torschützenkönig in der Landesklasse. In der Landesliga Nord, in die die SSV-Erstvertretung aufgestiegen ist, hat Simon bislang zwölfmal getroffen und liegt in der Gesamtwertung hinter dem Wernigeröder Nick Schmidt (14 Tore) auf Rang zwei. „Unser Trainer Norbert Scheinert sagte mir schon vor der Saison, dass mir diese Spielklasse liegen sollte. Schließlich kann man dort viel über Konter spielen“, so der pfeilschnelle 22-Jährige.

Top-Goalgetter in der Kreisoberliga

Der verpasste sogar die ersten Partien. Aus privaten Gründen wollte sich Simon Bache eigentlich etwas zurückziehen und aufgrund des fehlenden Trainings nur in der zweiten Mannschaft in der Kreisoberliga spielen. Doch Bache wurde auch in der ersten Mannschaft gebraucht und auch recht schnell wieder dorthin beordert. „Ich habe überraschend früh meine ersten Tore erzielt und danach lief es einfach. Am Selbstvertrauen soll es bei mir auch nicht scheitern“, verrät der Offensivspieler. Dass es für die Scheinert-Elf, aktuell hinter dem SV Staßfurt Zweiter im Klassement, so gut läuft, hätte auch Simon nicht gedacht. „Der Aufstieg ist zwar sicher nicht unser Ziel, doch einen Platz unter den ersten Drei halte ich nun auch für realistisch“, erklärt der 22-Jährige.

Noch häufiger ging er in der bisherigen Spielzeit für die zweite Gardelegener Mannschaft auf Torejagd. Diese führt das Tableau der Kreisoberliga an und Bache zudem mit 27 Treffern auch noch die Torjägerliste. „Die Kreismeisterschaft zu gewinnen, wird nicht einfach. Doch seit Oliver Pabst Trainer ist und viele Spieler zurückgeholt hat, hat sich die Truppe sehr gut entwickelt. Das spiegelt sich nun auch in der Tabelle wider“, lobt Simon vor allem seinen Vorgesetzten. Allerdings profitiert der 22-Jährige auch immer wieder von den starken Vorlagen aus dem Mittelfeldzentrum von Christian Krziwanie: „Er ist das Herz dieser Mannschaft.“

Entscheidung steht bevor

Bache selbst fühlt sich in beiden Herrenteams pudelwohl und hebt den jeweiligen Zusammenhalt hervor. „In der Kreisoberliga sind die Gegenspieler nicht ganz so schnell“, hat Bache mit einem Schmunzeln einen erheblichen Unterschied zwischen den beiden Spielklassen ausgemacht. Für Simon wird es übrigens die letzte Saison sein, in der er doppelt spielen darf. Das ist altersbedingt – er knackt dann die 23-Jahre-Marke – ab der nächsten Spielzeit nicht mehr möglich. Somit muss sich der Flügelspieler entscheiden. „Das wird schwierig“, gesteht Simon Bache. Am liebsten würde er natürlich weiterhin für beide Teams spielen. Gut möglich, dass beide in der kommenden Serie im Landesmaßstab vertreten sind.

Aufstieg ist ein Thema

Über einen möglichen Landesklasse-Aufstieg wurde in den Reihen der SSV-Reserve aber noch nicht allzu ausführlich diskutiert. „Das ist sicherlich so wie in vielen anderen Mannschaften auch. Einige wollen hoch, andere wiederum nicht“, erklärt der Gardelegener. Mit Blick auf die Entwicklung der zahlreichen jungen Akteure würde es Bache sogar durchaus für sinnvoll ansehen, wenn die Pabst-Elf zunächst einmal weiter in der Kreisoberliga spielt. Auch die erste Mannschaft darf sich durchaus mit einem Aufstieg – in diesem Fall in die Verbandsliga – beschäftigen. „Das wäre schon richtig gut. Diese Spielklasse kennen ja viele Spieler noch aus dem Nachwuchs. Wir haben eine junge Mannschaft mit viel Qualität zusammen, der ich diesen Schritt auf jeden Fall zutraue“, klingt der 22-Jährige optimistisch.

Dass die Gardelegener momentan keine A-Jugend stellen, bedauert Simon Bache ein wenig. „Sicherlich würde insgesamt mehr Nachwuchs dem Verein guttun. Schließlich lebt er davon“, weiß Bache um die tolle SSV-Nachwuchsarbeit. Der 22-Jährige war selbst in der Spielzeit 2017/2018 als Trainer der G-Junioren tätig. Als Erzieher weiß Simon natürlich, wie man mit Kindern umgeht. So sprang er auf Nachfrage von Spartenleiter Jens Bombach („Er leistet wie alle anderen Ehrenamtlichen hier auch tolle Arbeit, was man als Spieler einfach zu schätzen weiß“) ins kalte Wasser und übernahm gemeinsam mit Milena Schulze die Verantwortung für den jüngsten SSV-Nachwuchs.

Zukunft als Trainer offen

Diese Aufgabe war allerdings doch zu zeitintensiv, so dass sich der 22-Jährige mittlerweile wieder zurückgezogen hat. „Vielleicht kommt das später noch einmal in Frage“, blickt er vorsichtig in die Zukunft. Bache – auf Dauer würde er einen Kunstrasenplatz als sinnvolle Baumaßnahme ansehen – freut sich, Teil des SSV 80 Gardelegen zu sein: „Wir haben eine tolle Anlage, werden wunderbar von unseren Fans unterstützt.“ Das motiviert Simon Bache Woche für Woche zusätzlich dazu, alles aus sich herauszuholen im Kampf um gleich vier Titel in nur einer Saison.