Haldensleben l Doch wie schon in der vergangenen Woche zählen hätten, wenn und aber im Fußball nichts. Hatten am 1. Spieltag der 1. FC Bitterfeld-Wolfen (1:0 gegen den HSC) und auch der SSV selbst (3:1 gegen Grün-Weiß Piesteritz) das Glück noch auf ihrer Seite, so profitierte diesmal eben der HSC.

So sah das auch HSC-Coach Marko Fiedler. „Ich musste mir eben sagen lassen, dass wir unverdient gwonnen hätten. Aber so ist das im Fußball. Am Wochenende hatten wir Pech in Wolfen und hätten gewinnen müssen. Am Ende interessiert das Keinen mehr“. Fiedler war sich aber auch sicher, dass wenn der SSV in seiner starken zweiten Hälfte auch noch das 2:1 erzielt hätte, „wären wir tot gewesen. Ich glaube nicht, dass wir dann nochmal zurückgekommen wären“, so der HSC-Übungsleiter nach dem Spiel.

Und nach dem Spiel wussten die HSC-Kicker auch genau, bei wem sie sich zu bedanken hatten. Der Matchwinner war Felix Kaschlaw. Er erzielte den Siegtreffer in Minute 89 zwar nicht selbst, doch er bereitete ihn überragend vor. Die Szene auf der rechten Seite erinnerte doch schon stark an die Aktion von Bayerns Alphonso Davies im Champions League-Match gegen den FC Barcelona, als er drei Barca-Akteure einfach so stehen ließ und direkt am Pfosten auf Kimmich ablegte. Die drei Barca-Akteure waren aus Gardelegener Sicht am Mittwochabend Marvin Bogdahn, Xaver-Dan Haak und am Ende auch noch Maurice Bogdahn, die allesamt den Soloauftritt von Kaschlaw nicht bremsen konnten. Der eigentliche Treffer zum 2:1 von Pascal Thieke war nur noch Formsache.

Bilder

So war es auch nicht verwunderlich, dass die HSC-Akteure - sogar Keeper Switala kam aus seinem Kasten gesprintet - nicht den Torschützen, sondern den Vorlagengeber in der Jubeltraube unter sich begruben.

Und zu diesem Zeitpunkt durften die Gastgeber froh sein, dass sie nicht selbst schon in Rückstand gelegen haben, denn vor allem in den zweiten 45 Minuten sahen die Haldensleber gegen nun mutige und torgefährliche Gardelegener praktisch keinen Stich. Allerdings vergaben die Gäste dabei zahlreiche gute bis sogar hundertprozentige Möglichkeiten. Es hätte auch durchaus schon 2:1 oder gar 3:1 für den SSV 80 stehen können.

Das sah aber in Halbzeit eins, oder besser gesagt in der ersten halben Stunde, noch nicht danach aus. Der HSC hatte Spiel und Gegner im Griff, punktete mit einer guten Raumaufteilung und cleverem Verschieben in der Defensive.

Die Gardelegener dagegen agierten viel zu passiv, zu respektvoll und teilweise sogar ängstlich. Logische Folge war das 1:0 für den HSC durch Duda, der nach einer kurzen Ecke per Kopf erfolgreich war.

Nach der Trinkpause besserte sich der SSV und tauchte sogar noch zweimal durch Gütte und Bache vor dem HSC-Kasten auf. Doch beide Angreifer, obwohl sie sich für keinen Laufweg zu schade waren, hatten Ladehemmungen - auch in Hälfte zwei.

Die war aber - wie bereits erwähnt - weitaus besser, als die erste aus Sicht des SSV. Der hatte jetzt viel mehr Selbstvertrauen, das durch das zwichenzeitliche 1:1 von Maurice Bogdahn, der nach einer Freistoßvariante und einer missglückten Switala-Abwehr blank einschieben konnte, noch weiter anstieg.

Kapital daraus schlagen konnten die Gardelegener, die von mehr als 100 eigenen Fans begleitet wurden, aber nicht. Zum einen erledigte Switala im HSC-Kasten seine Aufgaben, und zum anderen fehlte den SSV-Jungs die Präzision und die Durchschlagskraft beim Abschluss. Bache (65., 85., 90.+5), Gütte (86.), Scheinert (58.) und Schreiber (76.) vergaben dabei die besten Gelegenheiten.

Vom HSC war indes offensiv bis dato gar nichts mehr zu sehen. Nur ein Schüsschen von Kaschlaw (78.), den SSV-Keeper Mette mit der Mütze wegfing, war zu notieren. Aber wie berewits erwähnt hatte sich Kaschlaw die entscheidende Aktion noch für die 89. Minute der Partie aufgehoben.