Klötze/Oebisfelde l Michael Brattka in Diensten des VfB 07 Klötze ist ein Beispiel dafür, dass man auch im Alter noch voll im Saft stehen kann. Der Torhüter hat großen Anteil daran, dass die Purnitzstädter in der 2. Nordliga eine gute Rolle spielen.

Fast ein Vierteljahrhundert war Michael Brattka bis zum Sommer des vergangenen Jahres überhaupt nicht sportlich aktiv. Der Beruf genoss oberste Priorität, für Hobbys blieb wenig Zeit. Sein Nachbar in Oebisfelde, Lars Tobies, überzeugte den Routinier dann aber davon, wieder als Handball-Torhüter in Klötze einzusteigen. Tobies, selbst beim VfB auf Torejagd, hatte scheinbar einen guten Riecher, denn Brattka ließ sein Können schon mehrfach in dieser Saison aufblitzen.

Ihr Spiel ist gut mit anzusehen

Als Fünftklässler kam der Allerstädter durch Wilhelm Bischoff und Hans Pickert zum SV Oebisfelde. „Die beiden SVO-Urgesteine haben quasi alle Talente abgegriffen und in den Verein geholt“, erinnert sich Brattka zurück. Der war immer sportfanatisch und ebenso ehrgeizig. Die Position des Torhüters war für Michael Brattka von Beginn an maßgeschneidert, denn schon in frühen Jahren überzeugte er mit tollen Reflexen und war allgemein sehr handlungsschnell. „Zudem hatte ich noch nie Angst vor dem Ball“, verrät der heute 57-Jährige. Bis zur A-Jugend wurde der Schlussmann von Wilhelm Bischoff trainiert, feierte mit seinen Kollegen fast in jedem Jahr den Bezirksmeistertitel. Coach Dieter Große holte Brattka mit 17 Jahren in die erste Herrenmannschaft, in der er ebenfalls eine feste Größe und bis hin zur Bezirksliga aktiv war. Als die Oebisfelder dann aber bis in die Kreisklasse durchgereicht wurden, wechselte Michael Brattka die Sparte.

Mit 22 Jahren war er für Lok Oebisfelde als Fußballer aktiv. Das übrigens nicht etwa als Torhüter, sondern als Angreifer. Nach einem Jahr in der zweiten Mannschaft holte Trainer Peter Böse Brattka in die Erstvertretung. Der Allerstädter geizte nicht mit Treffern und hatte auch mit dem Ball am Fuß eine Menge Spaß. 1992 war dann allerdings vorerst Schluss. „Durch meinen Beruf hatte ich einfach keine Zeit mehr. Oft war ich auf Montage, teilweise sogar über Monate hinweg im Ausland.

Arbeit geht einfach vor“, musste sich der 57-Jährige damals eingestehen, auch wenn er gern weitergemacht hätte. Dennoch blieb er dem Oebisfelder Hand- und Fußball als Zuschauer stets erhalten. „Oebisfelde war schon immer eine Handball-Hochburg. Zuletzt wurden viele Leute von auswärts geholt, die Truppe stark verjüngt. Ihr Spiel ist schon gut mit anzusehen“, zieht der Schlussmann den Hut vor der ersten SVO-Männervertretung, die unter der Leitung von Trainer Thomas Meinel aktuell in der Sachsen-Anhalt-Liga unterwegs ist und dort zuletzt zweimal hintereinander Landesmeister wurde.

Leidenschaft wiederentdeckt

Mittlerweile arbeitet Michael Brattka in Wolfsburg und hat nicht nur mehr Zeit, sondern auch seine Begeisterung für den Handball wiedergefunden. „Mein Nachbar Lars Tobies hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, nach Klötze zu wechseln. Der VfB suchte damals noch einen Torhüter“, blickt der Routinier auf den vergangenen Sommer zurück. Mit Matthias Wittenberg verfügten die Purnitzstädter nur über einen Torwart. „Ich bin einfach mal mit zum Training gegangen und habe gemerkt, dass es funktioniert“, erklärt der 57-Jährige. „Ich habe damals gesagt, dass ich den Verein gern unterstütze“, fügt er an. Die Nummer eins war nie sein Anspruch: „Witti sollte immer beginnen, er ist unser klarer Stammtorhüter.“ Das mittlerweile doch recht hohe Alter spielt für Brattka keine Rolle. „Noch tut mir nichts weh“, verrät der Oebisfelder mit einem Schmunzeln. In der Truppe von Spielertrainer Stefan Philipp fühlte sich der Routinier von Beginn an wohl, wurde ebenso gut aufgenommen.

„Insgesamt müssen die Jungs sicherlich noch lernen. Manchmal fehlt noch die nötige Abgeklärtheit“, stellt der Keeper nach gut einem Dreivierteljahr an der Purnitz fest. Doch mit dem, was der VfB nach einem Jahr Abstinenz als Wiedereinsteiger in der 2. Nordliga bislang auf die Platte gebracht hat, kann auch Michael Brattka sehr zufrieden sein. „Dafür, dass das Team ein Jahr raus war und viele neue Spieler dazugekommen sind, spielen wir wirklich eine gute Saison. Mit ein wenig mehr Glück hätten wir aber vielleicht auch noch ein paar Punkte mehr haben können“, so der 57-Jährige.

In der nächsten Spielzeit sieht er den Wiederaufstieg in die 1. Nordliga, in der der VfB bis zu seiner Auflösung im Jahr 2016 aktiv war, als realistisches Ziel an. Dafür wird sich auch Brattka selbst noch einmal gehörig reinhängen. „Ich will, wenn ich auf der Platte stehe, immer gewinnen. Verlieren konnte ich noch nie“, drückt der Allerstädter seinen großen Ehrgeiz in Worte aus. Zuvor hatte er sich – das gibt er offen und ehrlich zu – nie wirklich mit dem Klötzer Handball beschäftigt: „Sicherlich hat man mal auf die Tabelle geschaut – mehr aber auch nicht.“

Reflexe sind noch da

Die Zeiten haben sich mittlerweile geändert. „Ich bin gern hier“, gibt der 57-Jährige zu. Wenn es privat und dienstlich passt, wohnt der Schlussmann auch jeder der am Dienstag und Freitag stattfindenden Trainingseinheiten bei. Auch bei den Partien kam es bislang nur selten vor, dass der Oebisfelder nicht anwesend sein konnte. „Selbst nach der Arbeit fahre ich oft noch zu den Spielen“, verrät Michael Brattka. Auch zuletzt im Nordcup-Duell gegen den SV Irxleben (18:28) aus der 1. Nordliga war dies der Fall. Doch dafür, dass der Routinier zuvor noch seinem Beruf nachgehen musste, wirkte er erstaunlich frisch. Die „Katze von der Aller“ fischte speziell im ersten Durchgang viele Bälle reaktionsschnell weg und hatte großen Anteil daran, dass sein VfB lange auf Augenhöhe mitspielte. „Der Siegeswille ist ebenso immer noch da wie die Reflexe“, staunt Brattka wohl selbst ein wenig über seine Fitness.

Doch nicht nur über die Klötzer Mannschaft kann der Allerstädter nur positiv urteilen, sondern auch über die Arbeit im Vorstand. „Der ist ja noch recht jung. Ich denke, hier wird sich mit der Zeit noch einiges entwickeln“, blickt der 57-Jährige voraus. Für die Existenz eines Vereins ist auch die Nachwuchsarbeit von großer Bedeutung. Für den VfB würde sich der Torhüter deshalb noch mehr Kinder und Jugendliche wünschen, die als Handballer aktiv sind. Brattka selbst möchte noch so lange selbst aktiv sein, wie es die Gesundheit zulässt. „Solange ich keine Schmerzen habe und an die Bälle herankomme, mache ich auch weiter“, verspricht der Routinier mit einem Grinsen. Mit einem Michael Brattka zwischen den Pfosten in Hochform ist es sicherlich nicht undenkbar, dass der VfB 07 Klötze in nächster Zukunft tatsächlich die ersehnte Rückkehr in die 1. Nordliga schafft.