Letzlingen l „Wer nicht hier war, hat sicherlich etwas verpasst“, sagte der Salzwedeler Trainer Helge Kietzke nach dem gewonnen Pokalfight in Letzlingen - und er hatte recht. Das erste Pokalhalbfinale zwischen dem FSV Heide Letzlingen und dem SV Eintracht Salzwedel - was für viele als vorweggenommenes Finale deklariert wurde - bot alles, was das Fußballherz begehrt.

Champions League-Atmosphäre bei Flutlicht, zwei Teams auf Augenhöhe, Verlängerung und Elfmeterschießen. Nachdem sich beide Mannschaften nach 90 Minuten mit einem 2:2 (1:1) voneinander trennten, ging es in die Verlängerung, wo beiden Teams jeweils ein Treffer gelang.

Röhl avanciert zum Helden

Im Elfmeterschießen avancierte einmal mehr Salzwedels Schlussmann Dennis Röhl zum Helden, so dass sich am Ende die Salzwedeler Eintracht mit 7:6 durchsetzte und folglich das erste Final-Ticket gebucht hat.

Bilder

Jubel nach Einwurf-Treffer von Palutke

Auf dem Letzlinger Kunstrasenplatz begegneten sich die Platzherren und die Gäste aus Salzwedel vom Anpfiff weg mit offenem Visier. Es dauerte gerade einmal zwei Minuten, da bejubelten die Heide-Kicker bereits die 1:0-Führung, freuten sich allerdings etwas zu früh. Christian Palutke brachte einen seiner gefürchteten weiten Einwürfe in Richtung des Salzwedeler Tores. Allerdings war weder ein Salzwedeler, noch ein Letzlinger am Ball, so dass das Tor nicht gegeben wurde. Auch der Kontakt eines FSV-Angreifers soll laut Ansicht des Linienrichters Marcel Leppin erst hinter der Torlinie stattgefunden haben.

Gäste gehen in Führung

Nachdem auf der anderen Seite der Heber von Salzwedels Stefan Heuer nur knapp sein Ziel verfehlte (6.), waren wieder die Gastgeber dran. Doch Röhl war beim Abschluss von Albrecht Bock zur Stelle (7./stark gehalten). Nur vier Minuten nach dieser Möglichkeit die Führung für die Jeetzestädter. Nach einer Ecke von Pascal Kreitz stieg Julian Seehausen in der Mitte am höchsten und nickte zum 1:0 ein.

Nach aufgeregter Anfangsphase beruhigte sich das Geschehen nach der Salzwedeler Führung. Während die Letzlinger nun etwas angeschlagen wirkten, hatten die 09er etwas mehr vom Spiel, ohne dabei wirklich für Gefahr zu sorgen. Ab Mitte des ersten Abschnitts veränderte sich das Bild aber. Beinahe im Minutentakt fabrizierten die Salzwedeler gegnerische Einwürfe in Tornähe, die eigentlich verhindert werden sollten.

Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis eine dieser Situationen zum Gegentreffer führte. Nachdem Robin Ehrecke zuvor noch knapp vergab (34./drüber), machte es Kay Knackmuß kurz vor dem Pausenpfiff besser und vollendete genau aus dieser Einwurf-Situation heraus den verdienten 1:1-Ausgleich, womit es dann auch in die Kabinen ging.

Spiel mit offenem Visier

In den zweiten 45 Minuten entwickelte sich dann wieder ein offener Schlagabtausch, allerdings mit dem besseren Beginn für den Tabellenführer der Fußball-Landesklasse, Staffel I. Acht Minuten nach Wiederanpfiff profitierte Knackmuß von einem Salzwedeler Fehler, zog in die Box und traf aus kurzer Distanz zur 2:1-Führung. Doch wer jetzt dachte, dass die Salzwedeler einbrechen würden, sah sich getäuscht.

Nachdem Seehausen in der 58. Minute noch die falsche Entscheidung traf und statt des eigenen Abschlusses lieber das Abspiel suchte, machte es Hannes Pietscher in der 67. Minute besser und sorgte per Direktabnahme für den 2:2-Ausgleich. Vorausgegangen war dabei ebenfalls eine Standardsituation, welche die Heide-Kicker nicht entscheidend klären konnten.

Showdown in der Schlussphase

In der Schlussphase drängten beide Mannschaften auf die Entscheidung. Während Seehausen die beste Gelegenheit für Salzwedel liegen ließ (77./Latte), vergab auf der anderen Seite Ehrecke eine richtig gute Möglichkeit (83./vorbei).

Heuer sieht die Rote Karte

Die Mannschaft von Dirksen Höft ging mit einem klaren Vorteil in die Verlängerung. Weil Salzwedels Stefan Heuer noch in den regulären 90 Minuten die Rote Karte wegen einer vermeintlichen Schiedsrichterbeleidigung sah, musste die Eintracht die letzten 30 Minuten in Unterzahl agieren.

In der ersten Hälfte der Verlängerung geschah zunächst nicht viel, nahm gegen Ende aber an Fahrt auf. Erst köpfte Ehrecke zur 3:2-Führung für den FSV ein, und 120 Sekunden später nickte Niklas Gille auf der anderen Seite zum 3:3-Ausgleich ein.

Röhl hält Eintracht im Spiel

In der zweiten Hälfte schenkten sich beide Mannschaften nicht viel. Zwar verbuchte Letzlingen durch Knackmuß noch eine Großchance zum 4:3, fand aber seinen Meister in Röhl (117./stark gehalten).

So ging es nach Ablauf der 120 Minuten ins Elfmeterschießen. Während auf Seiten der Gastgeber gleich zu Beginn Palutke und später Fabian Schlamann scheiterten, blieben die Kreisstädter aus Salzwedel insgesamt cool. Nachdem lediglich Jan Hoefert glücklos blieb, vollendete am Ende Salzwedels Seehausen den entscheidenden Elfmeter, womit der Sieger dieser packenden Partie feststand. Das war ohne Frage Werbung für den westaltmärkischen Fußball.

Statistik

Torfolge: 0:1 Julian Seehausen (11.), 1:1, 2:1 Kay Knackmuß (44., 53.), 2:2 Hannes Pietscher (67.), 3:2 Robin Ehrecke (102.), 3:3 Niklas Gille (104.).

Tore im Elfmeterschießen: Kay Knackmuß, Robin Ehrecke, Andreas Lenz / Dennis Röhl, Melvin Michael, Fabian Beck, Julian Seehausen.

FSV Heide Letzlingen: Lenz - Bock (60. M. Schlamann), Benecke (81. Ahlfeld), Schmidt, Wernecke, Schnecke (90.+3 Pawlowsky), F. Schlamann, Saluck, Knackmuß, Palutke, Ehrecke.

SV Eintracht Salzwedel 09: Röhl - Seehausen, Pietscher, Roth, Liestmann, Heuer, Kreitz (74./Gille), Schreiber (118./Michael), Beck, Müller (46./Krüger), Plewe (90.+1/Hoefert).

Schiedsrichter: Paul Lemme.

Besondere Vorkommnisse: Rote Karte gegen Salzwedels Stefan Heuer wegen Schiedsrichterbeleidigung (90.).

Zuschauer: 220.