Engersen l Nach heldenhaftem Kampf der Grünen bis in die Schlusssekunde der Begegnung, zwang der Favorit den Underdog noch nach regulärer Spielzeit in die Knie. Am Ende hieß es knapp 2:1 für die Kuseyer Kicker.

Ein erstes Raunen ging durch das Kusyer-Publikum, als Julien Schulz den Pfosten traf (8.). Kusey-Kapitän Philipp Krüger scheiterte danach aus fünf Metern am überragend aufgelegten SG-Keeper Cedric Lötge.

Underdog beginnt couragiert

In Form von Distanzschüssen suchte dagegen die SG ihr Heil im Spiel nach vorn. So probierte es Lukas Opl (26.) aus 20 Metern. TSV-Keeper Bratz bestand die erste ihm gestellte Prüfung aber souverän. Dies sollte allerdings eine von nur wenigen Abschlussaktionen des Underdogs sein. Vornehmlich besann sich der Gastgeber auf kompakte Defensivarbeit. Kuseys Julien Schulz beackerte die rechte Außenbahn mit viel Herz und Leidenschaft.

Engersens Karsten Pelzel zeigte, worauf es in den Duellen gegen die individuell starken Kuseyer ankam und wirkte mit körperlicher Präsenz entgegen. Selbiges galt auch im Falle von Niclas Nowak. Nowak ging beherzt zur Sache und sah nach einer knappen halben Stunde die erste Verwarnung der Partie. Schiri Michael Damke zückte den Gelben Karton, nachdem der Verteidiger der Grünen, Julien Schulz von den Beinen holte. Die perfekte Schussposition bot sich für Kuseys Krüger. Aus 16 Metern zirkelte der gewiefte Kapitän den Ball unter die Mauer hindurch. Der aufmerksame Lötge blieb jedoch wachsam auf seinem Posten (33.).

Der Kreisklasse-Klub witterte seine Chance, gegen die im Abschluss nachlässig wirkenden Gäste. Per Freistoß (38.) konnte die SG mit Marcel Krzewski eine weitere Offensivaktion verbuchen. Der Instinktfußballer scheiterte aber an Keeper Bratz.

Kusey blieb nach der hauchzarten Torannäherung der SG durchweg spielbestimmend. Einzig die Chancenverwertung blieb das Manko der Steckhan-Elf.

Torlos in die Kabinen

Kuseys Bjarne Linkert fiel mit tollen Bällen in die Schnittstellen der SG-Abwehr auf. Einer davon fand Goalgetter Rene Armgart, der jedoch an Lötge scheiterte. Im zweiten Versuch brachte Richard Kutschera das Kunststück fertig, den Ball aus zwei Metern nicht im Gehäuse unterzubringen, sondern über den Giebel zu drücken. So blieb es beim torlosen 0:0 zur Pause.

Die SG konnte Schweiß gebadet und erleichtert in die Kabine gehen, um neue Kräfte zu tanken. Der Teamspirit war der neu gegründeten SG auf dem Platz anzumerken, wenngleich das vornehmliche Ziel darin bestand, das Spiel des Gegners zu zerstören.

In Hälfte zwei setzte der TSV seine konstruktive Spielweise fort. Julien Schulz demonstrierte seine technische Finesse, indem er mit einer Körpertäuschung, gleich drei Gegenspieler aus dem Spiel nahm und sich in Richtung 16er begab. Doch Opl unterband die munteren Versuche von Schulz, zur Grundlinie durchzudringen.

Krzewski überrascht den Favoriten

Marcel Krzewski indes auf Seiten der SG verdeutlichte, wie der Begriff „Effizienz“ definiert wird. Mit seinem zweiten Torabschluss traf der Angreifer zur überraschenden Führung der Heimmannschaft. Die zwischenzeitliche kleine Sensation machte Krzewski perfekt, als Sebastian Knies mit einem lang nach vorne geschlagenen Ball, das Mittelfeld überbrückte. Mit dem Wind im Rücken, torpedierte Routinier Knies den Ball förmlich in des Gegners Hälfte und trug den Ball in den gegnerischen Sechzehner. Schließlich gelang der Ball, der lang und länger wurde, vor die Füße von Krzewski, der mit seinem Killerinstinkt abzog und traf (50.) - 1:0.

Carlo Gose erweiterte die Liste ungenutzter Möglichkeiten dann für den TSV. Seinen abgefälschten Schuss an der Strafraumgrenze, lenkte Defensivspezialist Knies knapp über das Tor.

TSV-Coach Steckhan setzte nun alles auf eine Karte und wechselte Sven Mosel ein, um mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel zu generieren. Der Neue brauchte keine Eingewöhnungsphase und zeigte umgehend Präsenz auf dem Rasen.

Die SG Engersen dagegen spielte taktisch diszipliniert weiter. Kusey gingen dagegen allmählich die Ideen aus, so dass Moritz Licht es vermehrt aus der zweiten Reihe probierte. Doch seine Distanzschüsse versandeten in den Armen von Keeper Lötge.

Kusey drängt auf den Ausgleich

Kusey blieb spielbestimmend, kontrollierte das Geschehen mit viel Ballbesitz , musste sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, verschwenderisch mit seinen Chancen umzugehen. Erschwerend kam hinzu, dass die Gäste nach der Führung noch kompakter verteidigten.

Zündende Ideen im Spiel nach vorn fehlten. So ließen sich Julien Schulz und Rene Armgart ins Mittelfeld zurückfallen, um sich selbst die Bälle zu holen, statt zu lauern. Auf der Gegenseite hinterließ der Aufwand, den der Kreisklassevertreter betrieb, deutliche Spuren. Der Kraftverschleiß machte sich bemerkbar. Läuferisch agierte die SG vergleichsweise verhaltener, als noch in Hälfte eins.

Mit der 1:0-Führung im Rücken gewann der Underdog allerdings mehr und mehr an Selbstvertrauen und offenbarte, dass der TSV Kusey nicht zu Besuch auf ein posierliches Kaffeekränzchen empfangen wurde. Nach bereits 70 gespielten Minuten, musste sich Kusey recken und strecken, um einer Blamage zu entkommen.

Engersen lauerte auf Konter und stützte sich auf die tötlichen Pässe des eingewechselten Enrico Beyer, der mit seiner Übersicht den möglichen Lucky Punch einleiten sollte.

Parallel zum Geschehen auf dem Platz, schielte der Gastgeber allmählich auf die Uhr. Engersen spielte entsprechend auf Zeit. Die Zeit der Torlosigkeit der Gäste spielte der SG dabei in die Karten. Bei der Mission „Torerfolg“ suchte der TSV noch immer den Schlüssel zum Erfolg.

Kusey gleicht in der Schlussphase aus

Erst in Minute 74 änderte sich dies. Julien Schulz durchbrach die Torlosigkeit nach Zuspiel von Armgart. Der setzte den Youngster mit einem Geniestreich in Szene. Schulz drang in den Strafraum hinein und zog mit platziertem Rechtsschuss ins lange Eck ab. Torhüter Lötge blieb ohne Chance - 1:1.

Der hoch verdiente Ausgleich beflügelte den Favoriten, der weiterhin Offensivdruck ausübte. Mit viel Leidenschaft verteidigte der SVE und versuchte, das Ergebnis von 1:1 über die Zeit zu bringen. Das Erreichen der Verlängerung war zum Greifen nah.

Der clevere Krzewski, sowie Robert Damm, holten zudem wichtige Freistöße heraus, und schufen so wichtige Entlastungsangriffe, die wertvolle Zeit von der Uhr nahmen. In der Defensive bügelten zudem Carsten Pelzel und Daniel Jürges jegliche Flankenläufe der Gäste ab und rührten ordentlich Zement an.

So roch es nach 80 gespielten Minuten förmlich nach Verlängerung. Der TSV wollte sich mit dem 1:1 aber nicht abfinden. Erst probierte es Robert Zerneke aus der Distanz. Doch der Ball strich knapp drüber (85). Marvin Berg folgte mit selbigem Unterfangen (87.). Doch der Wahnsinn für den TSV trug einen Namen. Cedric Lötge.

Die daraus resultierende Ecke trat Schulz, der Zerneke am langen Pfosten erreichte. Zerneke köpfte auf das kurze Eck. Doch Lötge blieb aufmerksam und klärte zur erneuten Ecke.

Traumtor ebnet den Favoritensieg

Diese Standardszene sollte zugleich die letzte Aktion innerhalb der regulären Spielzeit sein. Schiri Damke schaute bereits auf seine Uhr. Sechs Minuten ließ der Referee aufgrund von Verletzungsunterbrechungen nachspielen. Das nahezu unvorstellbare, wie tragische Momentum sollte eintreten. Schulz schlug den Ball erneut in den Sechzehner. Dort lauerte Sven Meyer auf seine Chance. Diese bekam er, nachdem Kapitän Daniel Jürges über den Ball schlug. Meyer handelte geistesgegenwärtig und zog Volley ab. Der Jubel auf Seiten der Gäste kannte keine Grenzen - 1:2.

Statistik

SG Engersen/Kloster Neuendorf: Lötge - N. Nowak (74. Walter), Jürges, Pelzel, Lübke, Damm, Opl (60. Beyer), Bauermeister, Knies, J. Nowak (71. Fischer), Krzewski

TSV 1919 Kusey: Bratz - Berg, Klabis (46. Zerneke), Kutschera (52. Mosel), Linkert, Licht, Gose (82. Grigat), Meyer, Krüger, Schulz, Armgart

Schiedsrichter: Michael Damke

Zuschauer: 71

Torfolge: 1:0 Marcel Krzewski (49.), 1:1 Julien Schulz (74.), 1:2 Sven Meyer (96.).