Kusey l Kreisoberliga-Meister-Trainer Klaus-Dieter Steckhan signalisierte nach dem verlorenen Super-Cup-Finale gegen den SV Liesten (0:5), nicht unter allen Umständen beim TSV Kusey zu bleiben und lässt tief in seine Gefühlswelt blicken. Wie wird die Causa Steckhan nach der furiosen Meistersaison 2018/2019 weiter gehen? Ein Rückblick gibt Aufschluss.

Da stapft Steckhan nach nicht einmal 90 gespielten Minuten in die Liestener Coachingzone und gibt sich als fairer Verlierer. Mit Charme und Stil reicht Klaus-Dieter Steckhan jedem Auswechselspieler und Betreuer des von Christian Walter betreuten Teams des SV Liesten die Hand.

Gratulationen zum Sieg werden verteilt und alles Gute für die anstehende Saison gewünscht. Dann schleicht er von dannen. Den Medizinkoffer trägt er höchst persönlich unter dem Arm. Auf die Frage, wie sich eine Final-Niederlage gegen das favorisierte Landesklasse-Spitzenteam SV Liesten anfühlt, antwortet Kuseys Cheftrainer zwiegespalten, fast schon melancholisch.

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„Am heutigen Tag war mehr drin. Meine Mannschaft hat sich für ein hervorragendes Spiel nicht belohnt. Wir haben hohen Aufwand betrieben, aber nicht den gewünschten Ertrag eingefahren. Das hat unsere Moral am Ende gebrochen. Ich bin stolz auf unsere Leistung und gleichzeitig enttäuscht, weil eben mehr drin gewesen wäre“, so der Meistermacher.

Kusey in der Zwickmühle

Die Aussagen von Steckhan sind eindeutig: Sein Team spielt seit geraumer Zeit einen sehenswerten Ball. Was fehlt, ist die Belohnung. Nicht nur nach dem 0:5 im Supercup-Finale, dem ersten Pflichtspiel der neuen Saison 2019/2020, ist die Stimmung geknickt.

Der Meister der vergangenen Kreisoberliga-Saison geht trotz Aufstiegsberechtigung nicht den Weg in die Landesklasse. Die Vereinsbosse, Trainer Steckhan und sein Team, einigten sich nach intensiver Prüfung der Voraussetzungen für den Spielbetrieb in die nächst höhere Liga darauf, das Aufstiegsrecht nicht wahrzunehmen. Der Meister geht nicht rauf. Der TSV Kusey unter Coach Steckhan belohnt sich mit dem Entschluss zum Verzicht der Landesklasse nicht.

Verzicht fällt schwer

Der Schritt fiel den Beteiligten schwer. Klaus-Dieter Steckhan versucht die am häufigsten gestellte Frage der letzten Wochen, weshalb Kusey als Meister nicht aufsteigt, zu moderieren.

„Wir wären gern eine Liga hoch geklettert. Aber die Voraussetzungen dafür stimmen noch nicht. Wir sind fußballerisch soweit. Was uns fehlt, sind flexible Anstoßzeiten. Meine Spieler würden lieber am Sonntag spielen. Einige meiner Jungs müssen Samstag noch arbeiten. Sie könnten demnach gar nicht auf dem Platz stehen. Gleichzeitig sind die Spieler, die es betrifft, vornehmlich Leistungsträger der Mannschaft. Uns fehlt somit nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Wir haben zwar die Qualität im Kader, um eine Liga höher zu spielen, können aber nicht, da uns die Breite fehlt“, so Steckhan.

Bemühungen ohne Lohn

Der Versuch, die Spiele auf Sonntag zu legen, scheiterte. Und damit auch der Aufstieg. From Heroes to zeroes innerhalb weniger Wochen. Bis Ende Juni kämpfte Trainer Steckhan in Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen darum, die Mannschaft konkurrenz- und vollzählig für die Sonnabendspiele zu machen.

Das Problem nur: Keiner der umworbenen Spieler wollte nach Kusey kommen. Die Argumentationsgrundlage Landesklasse reichte einfach nicht aus. Trainer Steckhan musste ernüchtert feststellen, dass die Bemühungen um Neuzugänge vergebens waren.

Und so bleibt Kusey auch in dieser Saison Kreisoberligist. Statt auf Liesten im Liga-Alltag zu treffen, folgte die Begegnung im Supercup.

Steckhan: „Es ist ohne jeden Zweifel schade. Aber die drei bis vier Spieler, die wir wollten, können wir uns nicht backen. Und nur auf unsere jungen Spieler zu setzen, kann nicht funktionieren. Wir müssen gerade die Jugend Stück für Stück heranführen. Wir benötigen Stabilität. Ein Aufstieg für uns unter diesen Voraussetzungen ist nicht möglich. Deshalb wollen wir schauen, wie es in zwei oder drei Jahren aussieht. Dann soll die Mannschaft den Weg beschreiten. Und dann schauen wir, wie die Situation aussieht und bewerten das Ganze neu.“

Perspektive ist mit der Mannschaft vorhanden

Ob Trainer Klaus-Dieter Steckhan dann noch den Weg mitgehen wird, bleibt indes offen: „Es gibt zwei Faktoren, die für mich eine Rolle spielen. Die Perspektive und die Konstellation zwischen der Mannschaft und mir. Die Perspektive ist vorhanden. Wir wollen in drei Jahren die Voraussetzungen für den Aufstieg schaffen. Aber ob ich dann noch der Richtige bin, kann ich Stand heute noch nicht sagen.

Es kann sein, dass es irgendwann Abnutzungserscheinungen gibt. Das ist ganz normal. Ich bin seit sieben Jahren als Trainer von Kusey tätig. Ob ich die Spieler in zwei bis drei Jahren noch fesseln und erreichen kann, weiß ich nicht. In Dortmund gab es das Problem mit Jürgen Klopp auch. Entweder es kommt dann ein neuer Trainer oder eben neue Spieler. Man kann aber nicht einen XXL-Umbruch bei den Spielern erwarten. Deshalb wäre es nur allzu logisch, wenn es irgendwann vorbei ist.“

Ob die Motivation für Klaus-Dieter-Steckhan und seine Spieler reicht, sich für eine weitere Saison zu schinden, ohne am Ende mit dem Aufstieg belohnt zu werden, bleibt abzuwarten. Verein, Trainer und Spieler werden in dieser Saison auf eine echte Mentalitätsprobe gestellt.