Liesten l Dabei blickt der erfolgreiche und kopfballstarke Innenverteidiger auf eine bewegende Zeit mit seinem Heimatverein SVL zurück. Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es im Volksmund. Zum Bedauern des SV Liesten 22, trifft diese Redewendung allerdings auf einen ganz bestimmten Akteur ganz und gar nicht zu.

Mit viel Dank und Lob für den Einsatz des 32-Jährigen, aber auch Trauer über den nun bevorstehenden Weggang, wurde Matthias Wiese von Stadionsprecher und Fans des aktuellen Tabellenführers der Landesklasse 1 vor dem Nachholspiel gegen Medizin Uchtspringe verabschiedet. Nicht nur den Fans wird „Matze“, wie er von Mannschaftskameraden genannt wird, fehlen.

Große Verabschiedung für Matze

Noch vor der Verabschiedung durch den Vorstand des SVL, mit dem symbolischen Akt der Überreichung eines Blumenstraußes, verbrachte die Mannschaft bereits eine Woche zuvor die Zeit, um seinen Kapitän mit einem besonderen Präsent zu würdigen. Ein Trikot des SVL - samt Namen - wurde dem langjährigen Abwehrrecken als Erinnerung an eine tolle Zeit überreicht. Diese Ehrung verdiente sich der Verteidiger mit harter, ehrlicher Arbeit auf dem Platz, sowie Aufrichtigkeit und Loyalität neben dem Platz. Das Motto des erfahrenen Routiniers hieß: In jedem Spiel über 90 Minuten, 120 Prozent zu geben und sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Dazu passt die bodenständige Haltung von Wiese, nach der offiziellen Verabschiedung im Heimspiel gegen Medizin Uchtspringe, durch die Ankündigung des Stadionsprechers.

„Im Moment der Verabschiedung hatte ich noch keine Gänsehaut. Da war mir der Abschied fast egal. An erster Stelle standen in diesem Spiel der Verein und meine Familie“, so der erfahrene Abwehrrecke.

Karriere startet mit 5 Jahren

Der in Liesten aufgewachsene Wiese begann mit fünf Jahren mit dem aktiven Fußballsport. Seiner Zeit begann der ehrgeizige Wiese das Fußballspielen beim SV Eintracht Salzwedel. In Liesten hätte er gern begonnen, doch im Jahr 1992 gab es keine Jugendmannschaft seiner Altersklasse, so dass der damalige Jungspund von Opa Wolfgang Wiese, dreimal pro Woche mit dem Auto zum Training gefahren wurde.

„Ihm habe ich viel zu verdanken. Ohne ihn hätte ich in meiner Laufbahn auch nicht höherklassig spielen können“, so die heutige Liestener Spielerlegende.

Zurück zu den Wurzeln

In Salzwedel entwickelte sich Wiese gut, wechselte im Alter von 17 Jahren dennoch zum SV Liesten. „Ich wollte eigentlich schon immer für mein Heimatdorf in der Herrenmannschaft spielen. Es war meine Wunschvorstellung, eines Tages mal für Liesten bei den Männern aufzulaufen. Für den Verein, an dem ich jeden Tag vorbeigefahren bin. Als aufgewachsener Liestener, schielte ich immer zum SVL“.

Vier Jahre später folgte der Wechsel zurück zur Eintracht, mit der die Perspektive, in der Landesliga zu spielen, den damals 21-Jährigen reizte das natürlich. Weitere zwei Jahre vergingen, ehe Wiese umdachte und nicht allein die sportliche Perspektive betrachtete: „Meine ganzen Freunde aus dem Dorf spielten allesamt beim SVL. Das gab den Anschub für den erneuten Wechsel von Salzwedel nach Liesten. Ich wollte das familiäre Verhältnis zu Liesten nicht mehr missen. Die sportliche Perspektive war bei der Eintracht zwar vorhanden, konnte mir aber nicht das Gefühl von Nähe geben“, so Wiese.

Im Jahr 2011 wechselte Wiese vom damaligen Landesligisten Salzwedel zum SV Liesten. „Nach meinem Wechsel wusste ich, was mich erwartet. Wir spielten in der Kreisliga. Das war ein gewaltiger Unterschied. Aber wir stiegen gleich in meiner ersten Saison mit Liesten auf. Damals spielte ich noch mit Michael Piotrowski zusammen“, so Wiese.

Piotrowski und Wiese pflegten zu jener Zeit bereits ein offenes und ehrliches Verhältnis. Das größte Spiel für Wiese bleibt das 3:2 in der ersten Saison nach dem Aufstieg in die Landesklasse 2012/2013, als der kleine SVL die große Eintracht aus Salzwedel schlug.

„In Liesten gab es eigentlich selten normale Spiele. An das Derby erinnere ich mich allerdings noch sehr gut, denn wir lagen hinten. Doch wir kamen ins Spiel zurück und ich hatte mit einem Hattrick, alle drei Tore erzielt. Das war ein Moment, der mir immer in Erinnerung bleiben wird“, reflektierte Wiese.

Verhältnis zum Trainer sehr gut

Als Michael Piotrowski den Trainerposten im Jahr 2016 übernahm, wurde Wiese zum verlängerten Arm des noch heutigen Cheftrainers und füllte diese Rolle bis zum Zeitpunkt seines angekündigten Weggangs, makellos aus.

„Unser Verhältnis ist sehr innig. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit war durch gegenseitigen Respekt gekennzeichnet. Ich halte sehr viel von ihm und seiner Arbeit. Ich honoriere seine Akribie. Er investiert viel Zeit vor und nach dem Spiel. Wir konnten uns immer ehrlich die Meinung sagen und austauschen“, so Wiese.

Obwohl Matthias Wiese die Verantwortung auf und neben dem Platz nicht scheute, sieht Wiese seine Zukunft selbst nicht in der Funktion des Trainers. „Ich bin froh, wenn ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Der Aufwand wäre mir momentan zu viel. Außerdem würde meine Frau das nicht zulassen“, scherzt Wiese beim Thema Trainertätigkeit.

Neue Herausforderung in Sachsen

Dem Fußball wird der künftige Sachse dennoch erhalten bleiben. In der 8. Liga bei Frohburg heuert der Verteidiger an und findet damit eine neue sportliche Herausforderung. „Dort will ich noch so lange meine Knochen hinhalten, wie sie mich tragen können. Zwei bis drei Jahre sollte das klappen. Ab Januar werde ich dann dort durchstarten“.

Die alte Heimat wird Wiese dennoch vermissen und geht mit ein Stückchen Wehmut nach Sachsen. „Ich bin hier aufgewachsen und kenne nahezu jeden. Deswegen ist es schon etwas Emotionales. Meinen besten Freund Niels Bierstedt werde ich zurücklassen. Aber wenn ich auf Heimatbesuch bin, werde ich mich freuen, auf der Tribüne zugucken zu können“, so Wiese, der ein Comeback beim SVL ausschließt, jedoch im selben Atemzug ankündigt:

„Bei der Saisonabschlussfeier werde ich dabei sein. Da werden wir die Sau raus lassen. Egal ob mit oder ohne den Aufstieg.“