Klötze l Nach gut 16 Jahren Abwesenheit kehrte der „verlorene Sohn“ Christian Schulenburg in der Winterpause der Vorsaison zu seinem Heimatklub zurück und glänzt dort nach wie vor mit seiner Treffsicherheit.

Man nennt ihn im VfB-Team „Opa“. Das ist natürlich nur scherzhaft gemeint und zielt darauf ab, dass Christian Schulenburg mit seinen bald 41 Jahren der Älteste im Klötzer Kader ist. Dennoch ist Schulenburg noch immer fit und von der linken Seite enorm treffsicher. Zudem ist der Routinier ein großer Optimist und traut seinem Team als Aufsteiger in der 1. Nordliga einen soliden Mittelfeldplatz zu.

Handball-Karriere startet früh

Als gebürtiger Klötzer war es für Christian Schulenburg praktisch eine Selbstverständlichkeit, sich schnell dem Handball beim VfB zu verschreiben. Seit seinem siebten Lebensjahr geht er dort auf Torejagd. Den Anfang machte er im Sportunterricht bei seinem Klassenlehrer und späteren Vereinstrainer Günther Weber. Das VfB-Team duellierte sich im Ligabetrieb unter anderem mit Größen wie dem SV Oebisfelde. Als Linksaußen bestach Christian vor allem mit seiner Schnelligkeit. Mit 17 Jahren wechselte der Purnitzstädter in den Herrenbereich und spielte unter anderem mit VfB-Größen wie Holger Erle, Gerald Beneke oder auch Stefan Lietze zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Heimat bereits verlassen und wurde, wohnhaft in Velpke, zu jedem Spiel beziehungsweise Training abgeholt.

In Vorsfelde viel gelernt

Das Talent des Rechtshänders sprach sich schnell herum. So fiel Christian Schulenburg 2002 bei einem Trainingsspiel der Klötzer Herren gegen die Zweitvertretung des MTV Vorsfelde äußerst positiv auf. „Ich wurde daraufhin gefragt, ob ich mal zum Probetraining nach Vorsfelde kommen würde“, verrät der 40-Jährige. „Als ich dort vorspielte, sagte man mir, dass ich einer für die Erste bin“, fügt er an.

Nach einem sehr ordentlichen Debüt bei einem Turnier schaffte Schulenburg, der vom VfB sofort die Freigabe erhielt und dafür noch immer dankbar ist, tatsächlich den Sprung in die MTV-Oberligavertretung. Diese wurde vom ehemaligen DDR-Nationalspieler Holger Winselmann trainiert. „Dort habe ich sehr viel gelernt. Allerdings waren so viele hochklassige Spieler im Kader, dass ich nicht allzu viele Spielanteile bekam“, blickt der Westaltmärker dennoch auf eine lehrreiche Zeit in Vorsfelde zurück, in der er sich nie unwohl fühlte.

Wechsel nach Fallersleben

Dennoch verließ er den ambitionierten Oberligisten nach nur einer Saison und schloss sich dem neuformierten Team des VfB Fallersleben an. Mit diesem startete er in der Bezirksklasse und schaffte von dort aus den Sprung über die Bezirksliga bis in die Verbandsliga. „Ich habe viel aus Vorsfelde mitgenommen, mich vor allem technisch stark weiterentwickelt und bin schnell zum Spielführer aufgestiegen“, verrät Christian. Der war zwischenzeitlich übrigens auch für fünf Jahre als Fußballer für den TSV Danndorf aktiv. Als Angreifer schaffte er mit den Niedersachsen den Durchmarsch von der 2. Kreisklasse bis in die Bezirksklasse. Dann war allerdings Schluss für den gebürtigen Klötzer, denn der Handball genoss einfach Vorrang. „Ich hätte sonst nur einen sportfreien Tag in der Woche gehabt“, erklärt Christian Schulenburg.

Den Kontakt zur alten Heimat hatte der mittlerweile 40-Jährige aber nie verloren. So wurde er fast jährlich von seinem Freund Stefan Philipp, mittlerweile Trainer beim VfB, gebeten, zurück nach Klötze zu kommen. Das tat der Rechtshänder dann in der Winterpause der vergangenen Spielzeit. „Einerseits war ich immer sehr heimatverbunden, andererseits kann ich mit meinem Sohn Paul so auch die Chance nutzen, um zum Opa nach Klötze zu fahren“, verrät Schulenburg.

Der Routinier wurde beim damaligen Vertreter der 2. Nordliga gut aufgenommen und entwickelte sich dank seiner Erfahrung schnell zu einem Leistungsträger. Einige Spieler kannte der 40-Jährige bereits aus früheren Jahren, den Rest des Teams lernte er später kennen. „Wir haben uns mal in Kühlungsborn getroffen. Dort habe ich gerade Urlaub gemacht und der VfB hatte seine Mannschaftsfahrt dorthin verlegt“, so Christian. Vor allem die Breite des Kaders fasziniert den „Opa“, wie Christian Schulenburg von seinen Kollegen „liebevoll“ genannt wird.

Zusammenhalt im Team sehr groß

„Wir können eigentlich von jeder Position Tore erzielen. Zudem sind wir eine echte Mannschaft, machen auch privat viel zusammen“, beschreibt der Westaltmärker die Sieben von Coach Stefan Philipp, die in der 1. Nordliga als Aufsteiger einen ordentlichen Start hinlegte. Ein kleineres Manko hat der erfahrene Rechtshänder aber noch ausgemacht: „Wir müssen unsere Schwächen speziell in der Schlussphase einer Partie ablegen und einfach noch cleverer werden.“ Dann traut Schulenburg dem Team durchaus einen oberen Mittelfeldplatz zu. An einen Abstieg glaubt der gebürtige Klötzer nicht: „Dafür sind wir individuell zu gut besetzt.“

Herrenmannschaft wird abgemeldet

Die wohl schwerste Zeit für die Handballsparte des VfB verfolgte Christian Schulenburg natürlich auch aus der Ferne. Vor ziemlich genau zwei Jahren zogen sich die Purnitzstädter aus personellen Gründen aus der 1. Nordliga zurück. Ein Jahr lang gab es in Klötze keine erste Herrenmannschaft. „Drei Wochen vor diesem Rückzug hat mich Stefan (Philipp/Anm. der Redaktion) wieder einmal gefragt, ob ich zum VfB komme. Ich war schon fast soweit, meine Zusage zu geben, doch dann habe ich auf Facebook gelesen, dass sich die Mannschaft auflöst. Das war natürlich sehr bitter. Nicht nur für den VfB, sondern auch für die anderen Teams, weil sie so natürlich zwei Spiele weniger in der Saison hatten“, denkt Christian ungern zurück. Umso mehr freute sich der gebürtige Westaltmärker, dass das Team nur ein Jahr später in den Spielbetrieb zurückkehrte. In der 2. Nordliga spielten die Mannen von der Purnitz direkt eine gute Rolle und schafften dadurch sogar die Rückkehr in die 1. Nordliga. „Es ist schon ein Zeichen, dass viele ehemalige Spieler sofort zurückgekommen sind. Das zeigt, wie groß die Geschlossenheit hier ist“, staunt der 40-Jährige.

Der wohnt mittlerweile in Irxleben und schafft es nicht nur aufgrund beruflicher, sondern auch privater und familiärer Verpflichtungen nicht zu den Trainingseinheiten des VfB-Teams. Dennoch fühlt sich der zweifache Familienvater fit und hält sich in der Freizeit mit dem einen oder anderen Ausdauerlauf fit. „Der Langsamste in der Mannschaft bin ich nicht“, verrät der Routinier mit einem Schmunzeln. Zudem kann er das Spiel mit seiner Erfahrung im linken Rückraum oder auch auf der Linksaußen-Position noch immer mit lenken.

Große Titel hat sich Schulenburg nicht mehr vorgenommen. „Wenn man etwas mitnehmen kann, wäre das natürlich immer gut. Aber für mich ist es vor allem wichtig, Spaß mit den Jungs zu haben“, so der Rechtshänder. Der wünscht sich auf Dauer noch mehr Nachwuchs beim VfB 07 Klötze. Davon sollen später dann natürlich auch die Herren profitieren. Erst dann kann sich wohl auch ein gestandener Mann wie Christian Schulenburg ruhigen Gewissens in den sportlichen Ruhestand verabschieden.