Gardelegen l Dass Josefine Schulze vom VfB 07 Klötze anders tickt als ihre Teamkollegen und Mitstreiter, war der Gymnasiallehrerin für Mathematik und Ethik selbst von vornherein klar. Angekommen ist die parallel zum Handball spielende Fußballerin des SV Schwalbe Schwiesau mit ihrer Art beim VfB Klötze dennoch recht schnell.

Die Volksstimme sprach mit Josefine Schulze über ihre sportlichen Planungen mit dem VfB, die vergangene Spielzeit 2019/2020 und einem Lebenstraum der ganz besonderen Art.

13 Einsätze bei 14 Saisonspielen

Mit Glanzparaden im Tor des Nordligisten VfB Klötze, spielte sich die Erfolgsgarantin in die Herzen ihrer Mannschaftskolleginnen. In der Saison 2019/2020 war Schulze bis zum Saisonabbruch ein sicherer Rückhalt in der Liga.

Trotz der hohen Anzahl von 297 Gegentreffern aus 14 Begegnungen, spielte Schulze eine konstant gute Runde und konnte ihr Leistungspotenzial zuverlässig abrufen. Zwischen den Pfosten reifte Schulz bereits in der jüngeren Vergangenheit zu einer gestandenen Torhüterin.

Mit nunmehr 13 von 14 möglichen Einsätzen in der abgelaufenen Spielzeit, war sie eine der Dauerbrenner unter dem Hallendach. Lediglich das Hinspiel beim HSV Haldensleben verpasste die Nummer Eins des VfB. Trainer Holger Erle kann mehr als zufrieden mit den Auftritten und der Entwicklung seiner Torhüterin sein.

Premiere im Tor verlief unglücklich

Dabei fiel es Schulze nicht immer leicht, sich im Tor zu behaupten. An ihren ersten Auftritt im Gehäuse des VfB erinnert sich die heute 25-Jährige eher leidgeplagt zurück: „Das war ein Testspiel, in dem alle top motiviert auftraten. Doch ich ließ jeden Ball durch. Ich wollte nach dem Spiel schon wieder aufgeben und nichts mehr mit dem Handball zu tun haben. Meine Teamkollegen haben mich dann aufgebaut und zum Weitermachen überredet“, so Schulze.

Schulze hat noch einen großen Traum

Mindestens genauso spannend, wie das Spiel auf dem Parkett, findet die in Kusey aufgewachsene Torhüterin, die Figuren rund um Zeichentrickschöpfer Walt Disney. Ein Besuch in weltweit alle Disney-Land Parks des Erdballs, hat Schulze als leidenschaftlicher Disney-Fan zum persönlichen Lebenstraum auserkoren. Damit unterscheiden sich die Vorlieben für die junge Torhüterin elementar von denen ihrer Teamkollegen. „Im Disney Land in Paris, Shanghai und Hongkong bin ich schon gewesen. Irgendwann will ich mir den Traum erfüllen, in allen Disney Land-Parks gewesen zu sein. Tokio, Kalifornien und Miami fehlen mir noch. Diesen Traum will ich mir erfüllen“, so Schulze.

In ihrer Kindheit sammelte Schulze bereits Taschenbücher und Comics mit den Zeichentrick-Figuren aus Entenhausen. Noch immer bewahrt die Torhüterin die gesammelten Werke um Donald Duck und Micky Mouse auf.

Schulze entwickelt sich zur Stammkraft

Parallelen zu den Comic-Helden aus Entenhausen, gibt es in der realen Handballwelt aus der Altmark ebenfalls. Das Tor der Klötzer verteidigte Schulze in der abgelaufenen Spielzeit wie Dagobert Duck seinen Geldspeicher vor den gewieften Panzerknackern. Unerschrocken und mit starken Reflexen konnte die Keeperin bereits das ein oder andere Spiel für die Teamkollegen retten oder gar gewinnen. Die starken Leistungen als alleinigen Erfolg, möchte die Torhüterin jedoch nicht verbuchen. Bei den zum Teil glänzenden Auftritten profitierte die Nummer eins im Tor der Klötzer, nach eigener Aussage von ihren Vorderleuten: „Ich habe automatisch weniger zu tun, wenn die Abwehr steht. Spielerinnen wie Kathleen Lagemann in der Abwehr oder Isabell Wiedner weiter vorne, sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass ich glänzen kann.“

Der gute Mannschaftsgeist im Team von Trainer Holger Erle, war laut Schulze ein bedeutsamer Faktor in der Saison 2019/2020, um sportlich mitzuhalten. „Wir treten als Einheit auf und neben dem Feld auf. Wir gehen als Mannschaft gemeinsam essen oder feiern Geburtstage zusammen. Es gibt keinen Neid bei uns. Das gilt auch auf der Torhüterposition. Nancy Witt und ich pushen uns im Training gegenseitig und wechseln uns im Spiel auf der Position ab. Da gibt es keinerlei Reiberei.“

Trotz guter Leistungen und starkem Zusammenhalt innerhalb der Truppe, zeigt sich die Leistungsträgerin überrascht über den sportlichen Verlauf der vergangenen Saison. „Wir haben nicht damit gerechnet, so gut mithalten zu können und uns phasenweise im Mittelfeld der Tabelle zu etablieren. Bis auf die Spiele gegen Tabellenführer Goldbeck, haben wir in jedem Spiel die Möglichkeit gehabt, zu punkten. Das ist auch ein Erfolg unseres Trainers Holger Erle, der uns mental voll erreicht und aus uns eine Mannschaft geformt hat.“

Neue Spielzeit soll im Oktober beginnen

Während dem ein oder anderen Zuschauer auf der Tribüne der Klötzer Zinnberghalle, die positive Entwicklung der VfB-Mannschaft am Ende der vergangenen Saison, sowie im Besonderen von Josefine Schulze aufgefallen ist, türmte sich die Frage auf, ob das Gerüst der Mannschaft um Schulze, auch in der kommenden Spielzeit 2020/2021 bestehen bleibt. Ein unmissverständliches Statement über die eigene sportliche Zukunft, liefert Schulze nun zur Freude aller VfB-Anhänger und Verantwortlichen hinterher und gibt möglichen Interessenten anderer Vereine aus dem Frauenhandball einen Korb: „Ein anderer Verein kommt für mich nicht in Frage. Es gibt Dinge, die kann man mit Geld nicht kaufen. Das Glück und die Freude, beim VfB zu spielen, gehören für mich dazu“, so die Nummer eins der Klötzer.

In der kommenden Spielzeit, die im Oktober beginnen soll, darf die Torhüterin des VfB ihre Qualität zwischen den Pfosten wieder unter Beweis stellen. Nur mit der Erfüllung ihres Traumes, alle Disneyland-Ressorts besichtigt zu haben, muss sich Schulze noch etwas gedulden. Aber auch dies, dürfte kein Problem für den glühenden Fan sein, dem bis dahin noch jede Menge Bücher, Comics und Kassetten von Disney zum Zeitvertreib bleiben.