Arendsee l Viel haben die Segel-Cracks um Stefan Seifert und den Arendseer Regattaverein schon erlebt. Dieses Jahr sollte es sowohl für den Veranstalter der „Jollenvereinigung“, als auch für die teilnehmenden Wettkämpfer ein außergewöhnlicher Wettkampf werden.

Erste Veranstaltung während der Pandemie

Erstmalig fand das Turnier nicht nur im Schatten der Corona-Krise und damit unter Einhaltung der für alle Sportwettkämpfe zwingend geltenden Hygienevorschriften statt, sondern sollte die erste Segelveranstaltung überhaupt am Arendsee nach der Corona-Pandemie sein, nachdem bereits zahlreiche Wettbewerbe wie unter anderem die Pfingstregatta wortwörtlich ins Wasser fielen.

Und als sollte die ernst zu nehmende Ausnahmesituation nicht schon kurios genug sein, gingen die Wettkämpfer mit einer Ungewissheit einer für den Segelsport extrem wichtigen Konstante in das Rennwochenende.

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Windgeschwindigkeit tendiert gegen Null

Der Faktor „Windgeschwindigkeit“ beherrschte das Thema rund um das Wochende. Mit einem Rekord an fehlenden Windgeschwindigkeiten gingen die Sportler, mit Ausnahme des vergangenen Sonnabends, an den Start. „Spiegelglatt“ spricht man im Fachjargon derlei Extrembedingungen an, sobald das Wasser keinerlei Anzeichen von Wellengang andeutet.

Der Fakt, dass am Wochenende überhaupt noch Wettkämpfe stattfinden konnten, glich einem Wunder. Zu verdanken war es nach vollständiger Windstille am ursprünglich anberaumten ersten Wettkampfsonnabend, dem minimalen, aber gerade noch für den Wettkampf ausreichenden Windhoch von 4 Knoten. Diese entsprechen einer Windgeschwindigkeit von rund 7,81 Kilometer pro Stunde und damit der exakt im Regelwerk des Segelsports verankerten Mindestanforderung für die Aufnahme des Wettbewerbs. Mit einer Windgeschwindigkeit, die gerade einmal dem Tempo eines Fußgängers entspricht, der eine Ampel im laufenden Straßenverkehr überquert durfte am Sonntag tatsächlich noch gestartet werden. Schrittgeschwindigkeit als Windgeschwindigkeit – konnte das überhaupt funktionieren?

Durchführung noch ermöglicht

Die tapfer kämpfenden Segler wollten diese Frage auf dem Wasser nach Bekanntgabe des Startvorhabens mit Sportsgeist beantworten. Ein Stein dürfte den Seglern vom Herzen gefallen sein - gerade all jenen, die eine weitere Anreise zu verzeichnen hatten: So waren Teilnehmer aus den Metropolregionen Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und anderen Destinationen nicht umsonst an den Arendsee gefahren. Dem Ruf des Veranstalters zur Austragung des Wettkampfes um das „Weiße Band“, folgten 17 teilnehmende H-Jollen-Duos. Einigen noch kurzfristigen Absagen, standen glücklicherweise viele Zusagen entgegen.

Immerhin drei Wettbewerbe konnten regelkonform am Sonntag ausgetragen werden. Viel Geduld mussten die Teilnehmer bis dato vor allem außerhalb des Wassers aufbringen. Rennleiter Stefan Seifert nahm es bei den Kollegen des MDR-Fernsehen in der heute-Sendung mit Humor:

„Es gibt für uns Segler leider keinen Wind, dafür Sonne satt.“ Auch Lokalmatador Florian Stock vom Regattaverein Arendsee Florian Stock, konnte sich ein Lächeln aufgrund der kuriosen Umstände am Sonnabend nicht abringen: „In diesen schwierigen Zeit, in denen wir aufgrund der aktuellen Situation nur herum lungern, hatten wir durchgängig Wind. Ausgerechnet an diesem Wochenende, an dem die Regatta stattfinden soll, fehlte er nun. Routinier Robert Verspagen aus Ludwigshafen schwärmte im Vorfeld gar von den Bedingungen am Arendsee und hoffte gerade deshalb darauf, dass der Wind die Segler nicht im Stich lassen würde.

Geduld zahlt sich aus

Die Geduld und Gebete der Segler sollten sich letztendlich auszahlen. Das Einverständnis und damit den Daumen nach oben, gab es für den ersten Wettkampf um 9 Uhr. Ausgeschlafen standen die Segler auf dem Steg und gingen voller Vorfreude in den, wenn auch einzigen Wettkampftag des Wochenendes.

Nach insgesamt drei Rennen, behielten Florian Stock und Teamkollege Robert Elfert die Oberhand am wohl schwierigsten und zugleich geschichtsträchtigsten Tag in der Arendseer Turnierhistorie des Weißen Bandes. Stefan und Heiko Seifert konnten sich dahinter mit Platz zwei einreihen. Auf Bronzerang drei schlossen Ulf Burmeister und Ole Paulsen ab. Für beide war es eine lange sieben stündige Tortur, die am Ende des Wochenendes ein versöhnliches Happy-End fand.