Gardelegen l Auch der Sport steht dabei schon sehr lange im Fokus. Wetten kann man heute auf alles und jeden.

Wer kennt sie nicht, die alten griechischen und römischen Spiele mit Streitwagen, Speer, Diskus oder auch den blanken Fäusten. Brot und Spiele für das Volk stand auf der Agenda. Es ist zwar nicht genau überliefert, doch darf durchaus anzunehmen sein, dass auch damals schon im Publikum und auch selbst auf der Empore Wetten abgeschlossen wurden, wer denn das Rennen oder den Kampf gewinnen würde.

Schon vor langer Zeit begann das Wetten

Erste Erwähnungen kommen aus dem Jahr 676 v. Chr., als im Rahmen der 23. Olympischen Spiele auf den Ausgang einiger Wettbewerbe gewettet werden konnte. Damals ging es dabei sicher noch nicht um Euros oder Dollar, sondern um Brot, Essenswaren oder vielleicht um den einen oder anderen Taler.

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Wettsysteme entwickeln sich schnell

Im Laufe der Zeit hat sich natürlich nicht nur die allgemeine Sportwelt entwickelt und erweitert, sondern auch das Wetten im Sport an sich. Im 18. Jahrhundert wurden die Sportwetten dann aber zudem, was sie heute darstellen. Vorreiter war das Vereinigte Königreich. Hier gründeten sich die ersten Buchmacher, bei denen man - teilweise auch heutzutage noch - seine Wette beim Pferderennen platzieren konnte. Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrunderts etablierte sich dann aber die Fußballwette mehr und mehr. Es dauerte nur ein paar Jahre und die Fußballwetten hatten ganz Europa erreicht und in ihren Bann gezogen. Ab 1960 wurden die Wetten auf Fußballspiele sogar legalisiert und bestehen in dieser Form noch bis zum heutigen Tage.

Auch in der Altmark wird viel Sport getrieben und vor allem Fußball gespielt. Natürlich bleibt es da nicht aus, dass der eine oder andere gern mal einen Wettschein - natürlich zeitgemäß virtuell - ausfüllt und eine Wette platziert.

Meine eigenen Erinnerungen reichen dahingehend bis in die Kindheit zurück. Sport-Toto hieß es damals. Ich weiß noch ganz genau, ich konnte wählen zwischen Heimsieg, Unentschieden oder Auswärtssieg. Das war vor ziemlich genau 35 Jahren und mit den heutigen Möglichkeiten natürlich nicht zu vergleichen. Ich selbst tippe auch ganz gern mal, am liebsten im Kreise meiner Kumpels mit einer einfachen Kreidetafel an der Wand. Hier vermerken wir unsere Tipps oder Wetten bei einem gemeinsamen Champions-League Abend und setzen auch mal bis zu fünf Euro ein. Und selbst der Wett-Sieger hat nicht viel von seinem Gewinn, denn der wird meistens in Form von Fußball-Kaltgetränken wieder für die Wettgemeinschaft spendiert.

Hohe Gewinne sind möglich

„Ich kann mich auch noch ganz gut an die frühen Jahre erinnern. Ich selbst hatte das Sport-Toto zwar nur sporadisch genutzt, aber wenn ich mal einen Fünfziger als Schüler übrig hatte, hab ich den schon mal gesetzt“, erinnert sich Ulrich Damke (SSV 80 Gardelegen) mit einem Schmunzeln im Gesicht an die Zeit zurück. „Ich glaube, man musste zwölf Fußballpartien tippen, je nach Gewinnstufe (I, II oder III, Anmerkung der Redaktion) gab es schon mal bis zum 100.000 Mark zu gewinnen“, so Damke weiter.

Tipp-Top-Gewinnspiel der Volksstimme

Später, gut zehn Jahre nach der Wende, kam mit dem Anbieter Oddset eine neue Qualität ins Fußballwettspiel. Man konnte nicht nur den Spielausgang tippen, sondern auch die Höhe des Erfolges, oder wieviel Tore fallen würden und weiteres. Sogar Wetten mit Handicap waren schon möglich. Hier hatten bessere Teams virtuell schon ein, oder gar mehr Tore Vorsprung.

Und selbst die Volksstimme-Sportredaktion bietet seit vielen Jahren eine eigene Sportwette im weitesten Sinne an. Das beliebte Tipp-Top-Gewinnspiel ist fester Bestandteil der Dienstagsausgabe und fordert die Leser/innen dazu auf, auf über- und regionale Fußballspiele zu wetten. Allerdings können die Mitspieler das ohne eigenen Einsatz tun. In früheren Jahren stieg der Jackpot sogar schon einmal auf 700€ an, mittlerweile kommt es aber bei 500€ zu einer Zwangsausschüttung. Teilnehmerzahlen von 200 oder mehr sind dabei keine Seltenheit. Eindeutig ist auch zu erkennen: Je höher der Jackpot ist, desto höher sind auch die Teilnehmerzahlen. Ich selbst schaffte es da beim Redaktionstipp schon einmal auf acht richtige Vorhersagen, zumeist lande ich aber bei eher drei bis vier korrekten Tipps.

Ganze Monatsgehälter wurden verspielt

Ab den 2000er Jahren stiegen die Möglichkeiten in Form von Online-Sportwettbüros rasant an. Hier noch einen Überblick zu behalten, fällt schwer. Natürlich birgt diese Form von Wetten auch immer ein gewisses Suchtpotenziel. Nicht selten verspielen die User ganze Monatsgehälter oder mehr.

Die Gefahr der Sucht

Einer davon ist - oder besser gesagt war - Julian (Name geändert, korrekter Name ist der Redaktion bekannt). Vor einigen Jahren noch war Julian ein richtiger Zocker, setzte auf alles und jeden und rutschte ganz tief in den Wettsumpf hinein. Heute spielt er nicht mehr, „höchstens noch mit meinen Freunden um ein Bier, aber nicht mehr um Geld“, so Julian.

„Ich habe damals mit ganz normalen Wettscheinen bei Oddset angefangen, aber irgendwann, nach den ersten Gewinnen, reichte das irgendwie nicht mehr aus. Ich weiß gar nicht, bei wievielen Anbietern ich registriert war und gespielt habe. Es waren einige. Ich habe auch Wettstuben bei uns in der Stadt besucht. Da war man unter seinesgleichen. Als ich mitbekommen habe, was da teilweise für Summen im Raum standen, ist mir die Kinnlade runtergefallen“.

Aber es dauerte gar nicht so lange, und Julian verspielte selbst ganze Monatsgehälter. „Immer wenn Zahltag war, ging ein Teil der Kohle gleich in meine Wetten, oder auch in Schuldzahlungen über. Ich war richtig gefangen in diesem System“, so der Großstädter weiter.

Heute ist Julian Vater, hat Verantwortung für die Familie und den Absprung vom „professionellen Wettspiel“ geschafft. „Ich kenne noch Typen aus meiner aktiven Zeit, die hängen da immer noch fest, aber für mich ist das mittlerweile keine Option mehr“.

Für viele ist das Wetten aber eher Spaß, Ausgleich und ein bisschen Nervenkitzel, so auch für Michael Hille, Altherrenkicker beim SSV 80 Gardelegen.

„Allein schon der Wettstreit mit den Freunden macht es aus. Auch die Tippscheine dann zu vergleichen und die Diskussionen darüber. Natürlich freut man sich auch, wenn man mal etwas gewinnt. Mein höchster Gewinn lag einmal bei 1800 Euro, doch das ist natürlich die Ausnahme. Für mich ist es der Nervenkitzel. Manchmal fehlt eben nur ein Tor, oder man verliert eine Wette in letzter Minute. Und wenn man dann mal recht hatte mit seinem Tipp, dann kann man auch schonmal vor den Kumpels prahlen“, so Michael Hille.

Wetten aus Spaß

Aber nicht nur im Wettbüro für echtes Geld lässt sich der Passion nachgehen. Viele kreieren zur Fußball-Bundesliga oder auch Welt- und Europameisterschaften eigene Formate und Tippspiele. Kay Schernikau, Vorstandsmitglied und Stadionsprecher des SSV 80 Gardelegen, organisiert solche Tipprunden auch regelmäßig.

„Wetten, gerade beim Fußball, haben auch viel mit Glück zu tun. Mir sind daher ausschließlich Tipprunden mit Freunden und Kollegen wichtig, dabei besonders natürlich bei Großererignissen wie Welt- und Europameisterschaften. Jeder gibt fünf oder zehn Euro und die drei Erstplatzierten gewinnen. Zudem bekommt der Letzte noch eine lustige Strafe und die Sachse ist rund. So hat man fünf Wochen jeden Tag Spannung und vor allem viel Spaß.“

Der Hoyzer-Skandal macht 2005 die Runde

Während bei dieser Form des Wettens das Suchtpotenzial und auch die Betrugsmaschinerie eher gering sind, sieht es dort - wo die dicke Kohle über den Tisch geht - schon ganz anders aus. Jedem Fußballfan dürfte noch genau das Jahr 2005 in Erinnerung sein. Auslöser war die Partie im DFB-Pokal zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV. Der damalige Regionalligist Paderborn gewann gegen den Bundesligisten. Schiedsrichter war damals Robert Hoyzer, der mutmaßlich von der Wettmafia „gekauft“ wurde und das Spiel mit seinen Entscheidungen beeinflusst haben soll.

Aber auch schon in der Saison 1970/1971 hatte die Bundesliga mit einer ähnlichen Verfehlung zu tun, als sogar gleich mehrere Spieler, Trainer und selbst Funktionäre involviert gewesen sein sollen.

Haben auch die Schiedsrichter in unseren Regionen damit schon Erfahrungen gemacht? „Nein, nicht wirklich“, sagt Michael Damke vom SSV 80 Gardelegen, der mittlerweile Spiele bis hin zur Junioren-Regionalliga leiten darf.

„In meinen 23 Jahren, die ich als Schiedsrichter tätig bin, habe ich so etwas noch nie selbst erlebt. Mich hat auch nie ein Trainer, Spieler oder Verantwortlicher dahingehend angesprochen. Im Grunde würde ich das schon echt dreist finden. So etwas würde ich auch sofort melden und das Spiel gar nicht mehr anpfeifen.

Natürlich war das Thema Hoyzer damals auch bei uns präsent. Hatte ich mal eine Entscheidung getroffen, die in den Augen der einen Mannschaft oder der Fans fragwürdig war, kamen schon einmal ein paar ,Hoyzer, Hoyzer’-Rufe. Doch das hatte ja mit einer Beeinflussung nichts zu tun. Ich kann mich nur an eine Situation vor etwa 14 Jahren erinnern. Da hatte mal ein Spieler zu mir gesagt: ,Du bist wohl mit Hoyzer ins Bett gegangen’.