Klötze l Einst im Nachwuchs des VfB 07 Klötze sowie aber auch aktuell bei den Frauen des SV Schwalbe Schwiesau erarbeitete sich die 15-Jährige Kezhia Henke den Status als Nummer eins zwischen den Pfosten, dazu fungiert die junge, ehrgeizige und ebenso furchtlose Klötzerin auch schon seit fast zwei Jahren als Schiedsrichterin.

Familie ist sportverrückt

Kezhia Henke stammt aus einer fußballverrückten Familie. Bruder Christian geht für die erste Herrenmannschaft des VfB 07 Klötze in der Kreisoberliga auf Punktejagd, Mutter Jeannette ist Vorstandsmitglied im Kreisfachverband Altmark West. Klar, dass auch das „Nesthäkchen“ dem runden Leder verfallen ist. Davon kann Kezhia gar nicht genug bekommen. Selbst hütet sie das Tor der Frauenmannschaft des SV Schwalbe Schwiesau, dazu besitzt die 15-Jährige seit 2017 eine Lizenz als Unparteiische.

Karriere startet im Tor

Alles begann für die Purnitzstädterin im Alter von nur fünf Jahren. Da stieg sie bei den G-Junioren des VfB 07 Klötze ein. Ihre Position? Es konnte nur die als Torhüterin sein. „Warum, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich wollte es einfach so“, verrät Kezhia Henke. Sie liebt nicht nur den Spaß, sondern auch die enorme Spannung an der Volkssportart Nummer eins. Durch ihren enormen Ehrgeiz nahm Kezhia eine erstaunlich rasche Entwicklung und avancierte bereits 2009 zur besten Torhüterin der G-Junioren-Hallenkreismeisterschaft. Es war ihr erster großer persönlicher Erfolg. Doch auch bei weiteren Turnieren wusste Henke immer wieder zu überzeugen und sackte somit sicherlich auch zu Recht mehrere Sonderauszeichnungen ein.

War zu klein und nicht gut genug

Bis zu ihrer C-Junioren-Zeit war die Klötzerin im VfB-Nachwuchs zumeist die klare Nummer eins im Tor. Dann allerdings herrschte genau auf dieser Position ein Überangebot an Akteuren. „Wir hatten gleich vier Torhüter. Man sagte mir, dass ich zu klein und somit auch nicht gut genug für das Tor bin“, erinnert sich die 15-Jährige zurück. So musste sie ein halbes Jahr lang auf dem Feld ran. Dort kam Kezhia zumeist im Angriff zum Einsatz und erzielte sogar mehrere Treffer. „Dennoch war es für mich ungewohnt, auch wenn es eigentlich ganz gut geklappt hat“, so Henke. Die sah sich allerdings nach wie vor eher als Keeperin und kehrte nach recht kurzer Zeit dann auch wieder zwischen die Pfosten zurück.

Wechsel zu den Schwalben

Mittlerweile geht Kezhia Henke allerdings nur noch für die in der Regionalklasse I auf Kleinfeld beheimateten Frauen des SV Schwalbe Schwiesau auf Punktejagd. Auch dort hat sie sich zur Nummer eins gemausert. Aufgrund ihres Alters hätte Kezhia nicht mehr lange gemeinsam mit den Jungen in Klötze spielen dürfen, also musste sie sich eine Alternative suchen.

Auch eine Anfrage aus Pretzier lag vor, doch aufgrund der Nähe zu ihrem Wohnort entschied sich die junge Torhüterin für die Schwiesauer Schwalben. „Wir haben uns im Vergleich zur Anfangszeit wesentlich gesteigert. Es läuft mittlerweile schon ganz gut“, ist die 15-Jährige mit der Entwicklung des Teams, das aktuell aber noch ohne Punkte im Tableau dasteht, im Großen und Ganzen zufrieden.

Erstmals in ihrer Laufbahn ist Kezhia nun mit weiblichen Mitspielerinnen aktiv. „Das Spiel ist natürlich nicht so schnell wie bei den Jungs, allerdings wird auch nicht so viel gemeckert“, hat die Klötzerin die wesentlichen Unterschiede ausgemacht. Sollte die Truppe, die neuerdings anstelle des scheidenden Fernando Göring von Klaus Jahn trainiert und womöglich auch personell noch einmal wesentlich verstärkt wird, noch länger in dieser Besetzung zusammenbleiben, traut Kezhia ihr durchaus den Sprung aus dem Keller ins Tabellenmittelfeld zu.

Schiedsrichter-Lizenz abgelegt

Im Jahr 2017 absolvierte die Westaltmärkerin erfolgreich den Schiedsrichter-Lehrgang. Sie kam im Theorie-Test auf die maximalen 60 Punkte. „Mir hat das schon länger imponiert, den Referees zuzusehen“, gibt Kezhia zu. Dazu kam, dass die 15-Jährige von ihrem Heimatverein VfB 07 Klötze gefragt wurde, ob sie als Unparteiische einsteigen würde. Dieses Angebot nahm Henke gern an. „Ich habe alles richtig gemacht“, urteilt sie im Nachhinein.

Im Nachwuchs leitet die Purnitzstädterin zumeist Partien bis zur C- oder D-Jugend, im Herrenbereich fungiert sie zumeist als Assistentin. Eher ungern erinnert sich Kezhia Henke an einen Auftritt als Linienrichterin an der Seite von Norman Schütze bei einer Landesklasse-Partie in Beetzendorf zurück. Aufgrund einer Verletzung eines Akteurs musste ein Rettungswagen bestellt werden. Diese unschönen Bilder gehen natürlich auch der jungen Westaltmärkerin nicht aus dem Kopf.

Selbst hat Kezhia übrigens noch keine Platzverweise ausgesprochen. „Ich versuche gerade in Jugendspielen eigentlich viel zu reden. Bei den Erwachsenen bin ich natürlich noch etwas schüchtern“, verrät die 15-Jährige. Dennoch ist es langfristig ihr Ziel, auch bei den Männern selbst Begegnungen – und das so hochklassig wie möglich – zu leiten. Auch im Frauenbereich würde Henke gern eine große Karriere als Schiedsrichterin einschlagen. Vielleicht sogar bis zur Bundesliga? „Ich hätte nichts dagegen“, entgegnet die 15-Jährige mit einem Schmunzeln.

Hoffnung auf Schiedsrichter-Nachwuchs

Sie hofft, dass sich speziell in der Westaltmark wieder mehr Unparteiische finden. Für die ganz Jungen unter ihnen hat Kezhia aus eigener Erfahrung noch ein paar Tipps parat: „Ich hoffe, dass sie sich und vor allem ihre Linie dann auch durchsetzen. Sie müssen stets konzentriert bleiben.“ Speziell in Klötze, wo außer Kezhia Henke aktuell lediglich Kevin Riewe gemeldet ist, würde sich die 15-Jährige mehr Referees wünschen. Ansonsten ist die junge Fußballenthusiastin aber mit der Arbeit beim VfB („Es gibt sicherlich zwischen den einzelnen Mannschaften ab und an mal kleinere Probleme, doch insgesamt läuft es schon gut“) zufrieden, wenngleich sich die Co-Trainerin der Landesliga-B-Jugend insgesamt noch mehr Nachwuchs für den Klub wünschen würde.

Sollte es mal zu einer Überschneidung bei ihren beiden Tätigkeiten kommen, würde sich die Klötzerin eher für das eigene Spiel entscheiden. Die Torhüterin könnte sich zwar vorstellen, noch lange in Schwiesau zu bleiben, würde allerdings irgendwann auch gern höherklassig spielen. Man merkt: Sowohl als Spielerin als auch als Schiedsrichterin hat Kezhia Henke zwar schon einiges erreicht, doch „gut“ ist ihr einfach nicht gut genug.