Gardelegen l Die Rede ist von Xaver-Dan Haak und Even Steindorf, beide 19, vom SSV 80 Gardelegen. Am starken Start des westaltmärkischen Aufsteigers haben auch die beiden Youngster einen großen Anteil. Dass der SSV 80 Gardelegen – wohlgemerkt als Neuling – nach sieben Spieltagen mit erst acht Gegentreffern die zweitstärkste Abwehr der Landesliga stellt, ist keine Überraschung. Denn die Rolandstädter setzen im Zentrum ihrer Hintermannschaft auf Eingespieltheit. Xaver-Dan Haak und Even Steindorf spielen bereits seit der D-Jugend an einer Seite und verstehen sich daher blind. Die beiden 19-Jährigen profitieren zudem von ihrer Größe, Robustheit, aber auch von ihrer guten Übersicht und Abgeklärtheit und haben schon eine Reihe von gegnerischen Angreifern zur Verzweiflung gebracht.

Laufbahn beginnt unterschiedlich

In den Farben getrennt war das Duo noch zu Beginn seiner Laufbahn. Während der Thüritzer Xaver-Dan das Fußball-Abc ab der G-Jugend – dort war er gerade mal vier Jahre alt – unter der Leitung seines Vaters Thomas beim VfL Kalbe/Milde erlernte, schloss sich der Rolandstädter Even – auch dessen Vater Jörg war früher selbst aktiv und hatte seinen Sohn oft mit auf den Platz genommen – direkt mit vier Jahren den von Thomas Koepke trainierten G-Junioren des SSV 80 Gardelegen an. Während Haak zunächst eher im Mittelfeld aufgeboten wurde und erst später in die Verteidigung zurückversetzt wurde, ging Steindorf in seiner Anfangszeit zumeist als Angreifer auf Torejagd, ehe es ihn über das Mittelfeld in die Abwehr „verschlug“.

Tolle Sache, das Tor freizuhalten

Ab der D-Jugend, als Xaver-Dan Haak den Weg in Richtung Gardelegen wählte, bildeten die beiden Westaltmärker die Innenverteidigung beim SSV. Für sie ist es seit jeher eine echte Herausforderung, Tore zu verhindern. „Der Wille, das zu erreichen, ist immer groß. Zudem wollen wir natürlich schon früh mit unserer Körpergröße Eindruck beim Gegner schinden“, verrät Xaver-Dan, der sich schon in frühester Kindheit viel von Weltklasse-Verteidigern wie Jerome Boateng, Sergio Ramos oder auch Mats Hummels abgeschaut hat.

„Angst“, so formuliert er es jedenfalls selbst, hatte Even zu Beginn seiner Karriere. „Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter damals einen Zeitungsartikel gelesen hat, in dem stand, dass in Gardelegen Kinder gesucht werden“, verrät der 19-Jährige mit einem Schmunzeln. Der Respekt war aber schnell verflogen, der Spaß dagegen umso größer. „Für mich ist es eine tolle Sache, das Tor freizuhalten und das Spiel von hinten aufzubauen“, so Steindorf.

Duo seit der D-Jugend

Nachdem die beiden Westaltmärker bereits von der D- bis zur A-Jugend an einer Seite spielten und unter anderem Hallenlandesmeister und Landesliga-Staffelsieger in der B-Jugend wurden, sind sie auch heute noch ein „Paar“. Xaver-Dan Haak und Even Steindorf erhalten von Trainer Norbert Scheinert sowie dessen Assistenten André Stolle und Kevin Riewe das Vertrauen und übernehmen trotz ihres jungen Alters als Innenverteidiger in der ersten Landesliga-Herrenmannschaft des SSV viel Verantwortung.

Aufregung? Keine Spur! Mit einer Seelenruhe bauen Haak und Steindorf das Spiel der Gardelegener auf, schieben sich die Bälle zur Not auch mal drei- bis viermal gegenseitig zu und spielen nahezu fehlerlos. Dazu glänzen die beiden 19-Jährigen auch mit ihrer Zweikampfstärke. In der Luft fangen der 1,96 Meter große Xaver-Dan und sein nur einen Zentimeter kleinerer Nebenmann fast jeden Ball ab, doch auch am Boden ist an den beiden Hünen kaum ein Vorbeikommen.

Robustheit ist gefordert

„Aufgeregt darf man als Verteidiger nicht sein“, weiß Haak. Steindorf, der die vergangene Spielzeit aufgrund seines einjährigen Australien-Aufenthaltes verpasste, nennt einen weiteren Grund, warum es für das Duo so gut läuft: „Wir haben ja schon zusammen in der Jugend in der Verbandsliga gespielt und kennen das Spieltempo dort. Es ist dort ein ähnliches Niveau wie jetzt in der Herren-Landesliga.“ Sicherlich wird den beiden Youngster körperlich nun noch mehr abverlangt, doch das macht ihnen scheinbar wenig aus. „Wir wissen unseren Körper zumeist ganz gut einzusetzen“, sind sich die ehrgeizigen 19-Jährigen einig.

Erstmals begegneten sie sich als F-Jugendliche in einem Kreispokalendspiel – damals noch als Gegner. Pikanterweise erzielte Haak damals das Siegtor für seinen VfL Kalbe/Milde zum 1:0 gegen Steindorfs Gardelegener. Kaum zu glauben, dass Even seinem Nebenmann heute noch böse ist, weil er ihm diesen bedeutenden Titel wegschnappte. Xaver-Dan wollte laut eigener Aussage „höherklassig spielen sowie mehr gefordert und gefördert werden“.

Duo zeigt sich zufrieden

Darum entschied er sich als D-Jugendlicher auch für den Wechsel nach Gardelegen, den er bis heute nicht bereut. In der aktuellen Landesliga-Spielzeit bildeten die beiden Westaltmärker bereits fünfmal gemeinsam die SSV-Innenverteidigung. „Wir haben übrigens seitdem noch nicht verloren. Ich denke, wir stehen für unser Alter schon recht stabil“, verrät Xaver-Dan Haak. Der freut sich speziell auf neue Gegner und neue Herausforderungen in dieser Spielklasse. Er selbst hatte die Scheinert-Elf am letzten Spieltag der vergangenen Saison zum entscheidenden 4:3-Erfolg in Liesten und damit auch zum Aufstieg geköpft. „Ein unbeschreibliches Gefühl“, äußerte sich der Youngster vor gut vier Monaten. Ein erstes großes Ziel hat er damit – zuvor wurde er schon Altmark-Masters- und KFV-Hallensupercup-Sieger – erreicht, ein weiteres wäre der Gewinn des eigenen Hallen-Soccercups. „Dass man mal ein bis zwei Fehler macht, kann einfach passieren. Ansonsten läuft es aber recht gut“, ist auch Even Steindorf bisher sehr zufrieden.

Leistung bestätigen

Ein Großteil der Akteure der aktuellen ersten Gardelegener Herrenmannschaft ist noch nicht einmal 20 Jahre alt und hat bereits im Nachwuchs gemeinsam viele Schlachten geschlagen. „Wir kennen uns schon lange und sind eingespielt, was sicherlich ein Vorteil ist“, weiß Even. Die beiden Innenverteidiger loben die tolle Mischung sowie das gute Klima in der Mannschaft. Auch das große Potenzial des Teams sowie des Trainergespanns heben sie hervor. „Ich denke schon, dass wir das Zeug haben, um unter die ersten Sechs zu gelangen. Wir wollen das bisher Gezeigte möglichst weiter bestätigen“, klingt Xaver-Dan nach zwölf Zählern aus sieben Begegnungen, die Rang fünf zur Folge haben, sehr optimistisch. Er hat viel von seinem ehemaligen Kollegen Stephan Fraedrich gelernt, der sich mittlerweile in den Altherren-Bereich verabschiedet hat.

Respekt und Achtung voreinander

Doch auch untereinander schätzen sich die beiden Youngster sehr. „Even hat einfach auf dem Platz diese Coolness, strahlt viel Sicherheit aus und besticht mit seiner ruhigen und abgeklärten Art. Zudem verteilt er die Bälle sehr gut. Auch die Kommunikation zwischen uns passt immer“, äußert sich Xaver-Dan über Even. „Xaver ist eine echte Kante und läuft fast jeden Ball ab. Er verteilt die Bälle stark und ist zudem weitaus lautstärker als ich auf dem Platz“, beschreibt Steindorf seinen gleichaltrigen Kollegen. Beim SSV fühlt sich das Duo pudelwohl. „Das ist der am besten geführte Verein hier in der Region“, sind sich die beiden 19-Jährigen einig und hoffen, dass es ähnlich weitergeht. Der Vorstand um Sektionschef Jens Bombach ist viel in Bewegung und unterstützt die einzelnen Mannschaften so gut es geht.

Auch Xaver-Dan und Even wissen um die Wichtigkeit der Nachwuchsarbeit, die den SSV („Es müssen natürlich immer wieder junge und talentierte Spieler nachkommen“) aber schon seit Jahren auszeichnet. Mit der ersten Herrenvertretung möchten sie sich vorerst in der Landesliga etablieren und streben auf Dauer sogar den Aufstieg in die Verbandsliga, in der sie im Nachwuchsbereich bereits aktiv waren, an. Wenn Xaver-Dan Haak und Even Steindorf im Abwehrzentrum auch weiterhin so viel Sicherheit ausstrahlen, sollte dieses Vorhaben für den SSV 80 Gardelegen ganz gewiss nicht utopisch sein.