Gardelegen l Aufgrund der Lockerungen im Rahmen der andauernden Coarona-Krise darf in manchen Sportarten zumindest das Training unter strengen Richtlinien wieder aufgenommen werden. Auch beim TC Grün-Weiß Gardelegen fliegen die gelben Filzkugeln wieder über die Netze.

Auch TC-Coach Thomas Schumacher freut sich riesig, dass es endlich wieder losgehen kann. Thomas Koepke sprach mit dem Estedter über die Trainingssituation und die erste Herrenmannschaft des TC Grün-Weiß Gardelegen.

Volksstimme: Thomas, seit vergangener Woche darf in Sachsen-Anhalt wieder Tennis gespielt werden. Wie groß war die Freude darüber?

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Thomas Schumacher: Wenn man wie ich seinem liebsten Hobby nach einer längeren Zwangspause wieder nachgehen kann, ist das natürlich ein schönes Glücksgefühl. Tennis spielen an der frischen Luft ist in dieser schwierigen Zeit sicherlich ein guter Ausgleich. Auf der anderen Seite war die Zeit ohne Sport eine sehr familiär geprägte Zeit, die ich auf gar keinen Fall missen möchte.

Tennis unter Auflagen zu spielen, bedeutet für viele Vereine ein hoher organisatorischer Aufwand. Wie hat sich der TC Grün-Weiß Gardelegen darauf vorbereitet?

Nachdem wir die positive Nachricht erhalten haben, dass Tennis spielen unter gewissen Auflagen wieder möglich ist, hat unser Verein schnell reagiert. Als Pächter der Anlage haben wir der Stadt Gardelegen ein umfangreiches Gesundheitskonzept vorgelegt, um so den Spiel- und Trainingsbetrieb für alle Mitglieder zu ermöglichen. Desinfektionsmittel sind auf der Anlage verfügbar. Mitglieder tragen sich in ausgelegten Listen ein.

Ein Corona-Beauftragter ist vor Ort und bei jedem Mitglied wird vor dem Spielen die Körpertemperatur gemessen. Den Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Meter einzuhalten, sollte bei unserer Sportart nicht allzu schwer sein. Die Gesundheit aller steht im Vordergrund. Und diese sollte, so gut es geht, geschützt werden. In dieser Woche haben wir wieder mit dem Trainingsbetrieb für die Kinder und Jugendlichen sowie den Erwachsenen begonnen - alles unter Berücksichtigung der Auflagen und in kleinen Gruppen.

Zahlreiche Sportarten dürfen aufgrund der Corona-Pandemie aktuell nicht ausgeübt werden. Erhoffst Du Dir dadurch auch einen größeren Zulauf für den Tennissport?

Das wäre natürlich zu begrüßen. Tennis ist in erster Linie aber eine Einzelsportart. Du hast mehrere Spieler und jeder Spieler ist vom Charakter und seinen eigenen Ambitionen her anders. Das macht die ganze Sache so spannend.

Der große Vorteil unserer Sportart ist aber, dass Tennis im jungen, mittleren und selbst im hohen Alter gespielt werden kann. Wer sich gern ausprobieren möchte, kann auf unserer Anlage hinter dem Erlebnisbad vorbeischauen. Ansprechpartner sind Vereinsvorsitzender Carsten Birner und meine Person. Schläger und Bälle sind vorhanden. Einsteigerkurse werden demnächst wieder angeboten.

Der Landesverband hat sich dazu entschieden, in der kommenden Sommersaison eine Übergangssaison zu spielen. Vereine können ihre Mannschaften kostenfrei zurückziehen und der reguläre Abstieg wird ausgesetzt. Hältst Du den Schritt für richtig? 

Letztlich können wir froh sein, dass überhaupt in irgendeiner Form eine Punktspielsaison ausgetragen wird. Jeder Spieler kann für sich entscheiden, ob er spielen möchte oder nicht. Allerdings befürchte ich, dass das sportliche Niveau 2020 darunter leiden wird. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Mannschaften nicht immer in Bestbesetzung spielen wird.

Die Herren-Mannschaft des TC Grün-Weiß Gardelegen hat im vergangenen Jahr den Landesoberliga-Aufstieg geschafft. Gibt es in eurer Mannschaft schon eine endgültige Entscheidung, ob Ihr am Spielbetrieb teilnehmt?

Wir wollen natürlich gern spielen. Gardelegen ist das erste Mal nach dem Landesliga-Staffelsieg 2019 jetzt in der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalts dabei. Da ist die Vorfreude umso größer, in der Landesoberliga spielen zu dürfen. Und da 2020 eine Art Übergangssaison ohne Absteiger sein wird, werden wir definitiv auch 2021 Oberliga spielen.

Wir haben es 2020 auch geschafft, eine zweite Herrenmannschaft in den Spielbetrieb des Tennisverbandes zu integrieren. Das stimmt mich positiv, da in jedem Verein die Mannschaften im Aktivenbereich eine tragende Säule sind. Wenn wir es jetzt noch schaffen, eine Damenmannschaft aufzubauen, wäre das ein weiterer Schritt nach vorn.

Du bist in der Jugendkommission des Tennisverbandes Sachsen-Anhalt. Die Anzahl an Nachwuchs-Mannschaften im Landesverband ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Fehlt es im Nachwuchsbereich an den richtigen Konzepten?

An den richtigen Konzepten im Nachwuchsbereich fehlt es mit Sicherheit nicht. Der nicht gerade positive Trend hat viele Ursachen. Zu meiner Kinder- und Jugendzeit wollten viele Tennis spielen, weil sie Boris Becker und Steffi Graf nacheifern wollten. Das waren Vorbilder und Idole für uns. Ich konnte es kaum erwarten, nach der Schule meinen Ranzen in die Ecke zu werfen und mit dem Fahrrad auf die Anlage zu fahren. Anfangs war ich mit Sicherheit nicht der beste Spieler, aber ich war ehrgeizig und wollte besser werden. Einen wirklichen Trainer hatte ich nie. Ich hatte vielleicht den Vorteil, dass ich mit älteren und besseren Spielern spielen durfte und schnell konkurrenzfähig war.

Später habe ich mir gesagt, wenn ich schon keinen Trainer hatte, möchte ich gern Trainer werden, um Kinder zu trainieren. Leider haben viele Vereine in Sachsen-Anhalt das Problem, das talentierte Kinder nicht so gefördert werden können, weil es zu wenig gute Trainer, Ehrenamtliche oder auch Spieler gibt, die bereit sind, ihre Erfahrungen auf dem Platz weiterzugeben. Um es auf den Punkt zu bringen: Die positiv Tennisverrückten werden weniger. Kinder- und Jugendarbeit kostet sehr viel Kraft. Nicht zu vergessen, dass auch die Bereitschaft der Eltern da sein muss.

Leider stagnieren die Mitgliederzahlen im Bundesland oder sind rückläufig. Wir müssen uns von Arendsee bis Zeitz breiter aufstellen, um Kinder für den Tennissport zu begeistern. Die Mitgliedergewinnung sollte in den nächsten Jahren das Hauptaugenmerk sein. Mit wenig Mitgliedern nützen uns die besten Konzepte nichts. Konzepte bringen keine Mitglieder, Tennisenthusiasten, die ihren Sport leben und aktiv auf dem Platz sind, dagegen schon.