Zahlen lügen bekanntlich nicht, da macht auch die Fußball-Landesliga keine Ausnahme. Doch obwohl der Schönebecker SC die wohl erfolgreichste Hinrunde seit langem spielte, müssen sich die "Grünen" zum Jahreswechsel mit Rang zwei begnügen.

Schönebeck l Der Blick auf die Tabelle sei nur "eine Momentaufnahme", versichert SSC-Coach Christian Kehr. Was wirklich zählt, "ist, dass wir im Vergleich zu den Vorsaisons in diesem Jahr viel besser in die Liga gestartet sind", stellt er klar. Mit 34 Punkten stehen die Schönebecker in der Tat ganze sieben Zähler besser da als in der Vorsaison.

Diese sollte - mit Blick auf ihr dramatisches Ende, bei dem der Aufstiegstraum am Abschlussspieltag platzte - keine Rolle mehr in den Köpfen spielen. Doch sie tut es automatisch auch in dieser Spielzeit. Denn der Druck, als Favorit in die Begegnungen zu gehen, lastete von Beginn an auf den SSC-Schultern. Spürbar wurde er in den ersten 14 Saisonpartien vor allem nach den beiden Niederlagen gegen den derzeitigen Spitzenreiter Halberstadt II (1:3) und der direkt folgenden Heimniederlage (0:2) gegen den SV 09 Staßfurt am 10. und 11. Spieltag. "Das Gefühl, zu verlieren, ist für einen Sportler immer unangenehm. Vor allem, weil wir in den letzten Jahren auch etwas erfolgsverwöhnter geworden sind. Und so macht man sich seine Gedanken", blickt Kehr auf die Tage zurück, an denen sein Team vom Platz an der Spitze auf Rang drei abrutschte.

Doch angesprochene Gedanken waren offenbar die richtigen. "Es war schön zu sehen, wie wir mit konstruktiver Kritik an uns selbst, Teamgeist und unterschiedlichen Mannschaftsstrategien in die Erfolgsspur zurückgefunden haben", lobt der Coach. Mit neun Punkten aus den verbliebenen drei Spielen meldete sich seine Elf eindrucksvoll zurück.

Und dennoch geht der Herbstmeistertitel in diesem Jahr an die Reserve der Halberstädter - zu Recht, leisteten sich doch die Vorharzer bisher keine einzige Niederlage. "Im direkten Duell war mehr für uns drin, aber vor uns steht noch das Heimspiel", blickt Kehr auf eine der verbliebenen Trumpfkarten voraus.

Eine andere könnten die Comebacks vieler Langzeitverletzter sein, die der SSC in der Hinrunde zu beklagen hatte. Vor allem den Ausfall von Thomas Duscha, mit seinem dritten Kreuzbandriss der Karriere nur eine von vier "Knie-Krankenakten" in dieser Saison, bezeichnet der Trainer als "absolute Katastrophe". Denn Duscha "ist nicht nur für Tore gut, sondern glänzt als Vorbereiter und kann die Bälle im Mittelfeld behaupten." Während Stephan Schulz, Alexander Schüßler, Johannes Schliemann und Maximilian Gerwien ihre Rückkehr bereits vollzogen haben oder damit zu Beginn der Rückrunde zu rechnen ist, geht das Warten auf den "Zehner" beim SSC wohl vorerst weiter. "Es heißt immer, jeder ist ersetzbar. Da bin ich anderer Meinung", verweist Kehr auf die Widrigkeiten, die er und seine Mannschaft zu verkraften hatten.

Dass die "Grünen" dennoch nur kurzzeitig außer Tritt kamen, lag jedoch auch zu einem großen Teil an der ausgeglichenen Besetzung. "Zu Saisonbeginn, als sich sehr deutliche Siege einstellten, haben wir im Trainerstab darauf geachtet, jeden am Erfolg teilhaben zu lassen. Das ist uns im weiteren Verlauf zu Gute gekommen." Für die Rückrunde hofft man nun also an der Magdeburger Straße, dass alle Akteure nicht nur die Auftaktphase verletzungsfrei überstehen, sondern möglichst auch im Saisonendspurt fit sind. Entscheidend ist nämlich nicht der derzeitige Tabellenstand, sondern wer "am Ende den längeren Atem hat", formuliert der Trainer als Kampfansage für die Rückrunde.