Salzlandkreis l Im Jahr 2013 waren weite Teile Deutschlands vom Hochwasser betroffen. Von Ende Mai bis Anfang Juni kämpften Millionen Menschen gegen die unbändigen Fluten. In Sachsen-Anhalt waren einige Gebiete kaum, andere dafür sehr stark betroffen. Auch der Fußball war von dieser Katastrophe betroffen. „Die Situation, die wir jetzt haben, ist jedoch mit nichts anderem zu vergleichen. Alles ist komplettes Neuland“, sagt Markus Scheibel, der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA). Daher ist es für ihn und den gesamten Verband schwierig, die Lage zu bewerten. Beim Hochwasser waren sich alle bewusst, dass es früher oder später wieder zurückgehen würde, doch beim neuartigen Coronavirus, der die Weltbevölkerung in Atem hält, sieht das ganz anders aus.

Auf Grundlage der erlassenen Verordnung der Landesregierung Sachsen-Anhalts hat sich der FSA bisher schon entschieden, den Spielbetrieb bis zum 19. April ruhen zu lassen. In den Augen von Scheibel ist das genau der richtige Weg. „Der Fußball steht in diesen Zeiten hinten an. Ich denke, die Leute haben ganz andere Probleme. Derzeitig ist Fußball wirklich nur die schönste Nebensache der Welt, denn in der Gesellschaft gibt es ganz andere Dinge, die zu bewältigen sind“, meint der gebürtige Schönebecker.

Auch wenn der Spielbetrieb derzeit ruht, gibt es für Scheibel keine ruhigen Tage. Er selbst schwankt zwischen Home Office und den Zeiten im Büro in Magdeburg, denn Aufgaben fallen dennoch an. „Zu tun gibt es einiges, auch wenn der Spielbetrieb ruht. Alle Anfragen kommen gerade bei uns an und da müssen wir alles sortieren. Wir bekommen von vielen Vereinen anfragen, wie es nun weitergeht, da die Thematik in den sozialen Medien ziemlich hochkocht“, so Scheibel.

Doch wie geht es denn nun weiter? Eine Antwort wird es erst am 9. April geben, dann treten die FSA-Führungsköpfe zusammen, um über den Fortgang und die weiteren Auswirkungen auf den Spielbetrieb zu sprechen. „Noch befinden auch wir uns in der Findungsphase. Jeder Kreis hat unterschiedliche Verordnungen. Da müssen wir alles zusammentragen und durchgehen, um dann am 9. April ein Statement zu veröffentlichen.“ Bis dahin heißt es nicht nur im Büro von Scheibel: abwarten. „Der Ist-Zustand sieht nun mal so aus“, gibt sich der Ex-DFB-Schiri dennoch recht gelassen.

Aber auch bei den Tätigkeiten von Scheibel kommt es zu kleinen Änderungen, die für den ehemaligen Präsidenten des KFV Fußball Salzland nicht so einschneidend sind, wie die Verordnungen über das Coronavirus. Ein persönliches Treffen ist derzeit nicht möglich und würde den Vorschriften der Regierung widersprechen. Eine Lösung war aber schnell gefunden, mit der sich auch Scheibel abfinden kann, denn es spart viele Wege. Auch der FSA bedient sich an den neuen Medien und hält Videokonferenzen ab. „Das gab es aber vorher auch schon. Ein guter Weg, um doch Präsenz zu zeigen“, sagt Scheibel.

Und so wird es dann auch am 9. April ablaufen. Die Webcams werden angeschaltet und der weitere Weg wird festgelegt. Bis dahin lautet aber die Devise: Abwarten und Tee trinken. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass es gut für die Gesundheit ist und die steht in Zeiten der Corona-Epidemie hoch im Kurs. „Alle Menschen haben derzeit andere Probleme. Ich hoffe, dass alle gesund aus dieser Zeit hervorgehen“, sagt Scheibel. Denn auch er sehnt sich nach dem Zeitpunkt, wenn der Ball über die grüne Wiese rollt und Fußball wieder alltäglich wird, ohne große Einschnitte. So wie es sich wohl alle wünschen.