Plötzkau/Calbe l Im Mai 2020 stand der TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens vor einer großen Entscheidung. Als klar war, dass die Saison abgebrochen wird, stand auch fest, dass die Mannschaft um Coach Mario Katte berechtigt für den Aufstieg in die Fußball-Landesliga ist. „Wir nehmen den Aufstieg an“, sagte der Übungsleiter damals. In der erneut unterbrochenen Landesliga-Saison lief es für den Aufsteiger aber nicht gut. Derzeit stehen die Grün-Weißen auf dem letzten Platz.

Ein ähnliches Schicksal ereilte auch dem FSV Rot-Weiß Alsleben. Seit zwei Jahren kämpfen die Nachbarn der Plötzkauer um den Verbleib in der Liga. Genau das wollen die SVP-Verantwortlichen nicht. Falls die Hinrunde in der Landesklasse IV zu Ende gespielt wird und Plötzkau immer noch vorn steht, „dann würden wir auf den Aufstieg verzichten“, sagt Christian Bilkenroth, Trainer des SVP. Die Landesliga sei nicht das Ding der Plötzkauer. „In der Landesklasse fühlen wir uns wohl“, bringt es Bilkenroth auf den Punkt. Nicht nur, aber auch wegen der Derbys gegen Roschwitz, Nienburg und Baalberge. Diese bescherten den Plötzkauern in ihren vier Heimspielen mit 214 auch den höchsten Zuschauerschnitt dieser Liga.

Geteilte Meinung

Doch der Verzicht stößt nicht überall auf Verständnis. „Wenn man sich die Möglichkeit erarbeitet hat, in die Landesliga aufzusteigen, sollte man die Chance als Sportler auch nutzen“, hält beispielsweise Atzendorfs-Trainer Stefan Rock fest. Anders schätzt Förderstedts Trainer Michael Buschke die Entscheidung des Spitzenreiters ein. „Hut ab vor dieser realistischen Einschätzung. Die Landesliga kostet Geld, beispielsweise für Schiedsrichter oder die längeren Auswärtsfahrten. Außerdem gehen die Derbys mit den benachbarten Mannschaften verloren. Ich kann die Entscheidung deshalb vollkommen nachvollziehen und hätte wohl ähnlich gehandelt.“

Marcel Würlich, Coach des Landesklasse-Vertreters TSG Calbe, kann die Entscheidung verstehen. „Ich spreche nicht gerne über andere Mannschaften, da ich nicht weiß, wie die Strukturen bei ihnen aussehen. Dennoch ist es ihr gutes Recht. Ich finde es zudem sportlich fair, dass Plötzkau es früh genug bekanntmacht. Wir wissen eh noch nicht, wann es weitergeht. Das steht doch alles noch in den Sternen.“

Fest steht: Plötzkau bleibt in der Landesklasse und öffnet damit Türen für die Verfolger, zu denen auch die TSG Calbe zählt. Aus sieben Spielen sammelten die Saalestädter 15 Punkte – ebenso wie Schwarz-Gelb Bernburg und die ZLG Atzendorf. Die Calbenser können somit wieder träumen, in die Landesliga aufzusteigen. Vor dem Abstieg in der Saison 2019/2020 kickten die Saalestädter immerhin zehn Jahre in der nächsthöheren Liga. Planen die Calbenser für die Landesliga? „Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen“, so Würlich.

Auch die Atzendorfer kommen dem Aufstieg ein Stück näher. Doch Übungsleiter Rock schiebt die Favoritenrolle von sich. „Ich denke, Nienburg und Schwarz-Gelb Bernburg werden den Aufstiegsplatz unter sich ausmachen“, hält er fest, um dann nachzuschieben: „Chancen haben aber alle vier Mannschaften, die in der Tabelle aktuell direkt hinter Plötzkau liegen“. Und dazu zählen letztlich auch die Atzendorfer und die Calbenser.

Das Rennen um den Aufstieg in die Landesliga, Staffel Nord, ist deshalb offener denn je. Und was das Thema Derbys angeht: Zumindest die Salzland-Duelle gegen Union Schönebeck und den SV 09 Staßfurt würden sowohl für Atzendorf und Förderstedt als auch für die TSG Calbe hinzukommen. Zusätzlich zum potentiellen Wiedersehen mit Vorjahresmeister TSV Kleinmühlingen/Zens.