Schönebeck l Es gibt da ein kleines Geheimnis, das Thoralf Voß nicht preisgeben möchte. Ein absolutes Pfund, das in den nächsten Wochen entscheidend sein könnte und rein taktischer Natur ist. „Wir haben das System umgestellt“, sagt der Trainer vom Fußball-Salzlandligisten SV Wacker 90 Felgeleben. „Wir spielen moderner und gehen mehr Risiko.“ Mehr verrät Voß nicht. Aus guten Gründen. „Die Gegner haben das noch nicht so geschnallt.“ Und das soll ja aus Wacker-Sicht möglichst auch noch lange so bleiben.

Ganz sicher ist die taktische Reformation einer der vielen Gründe, warum Wacker die Mannschaft der Stunde ist. Vier Siege am Stück feierten die Rand-Schönebecker zuletzt, aus den vergangenen sieben Partien holten sie sechs Siege. Zuletzt verlor das Team am 10. Dezember mit 2:3 beim Spitzenreiter VfB Neugattersleben. „Eigenartigerweise spielen wir seit Jahren immer eine bessere Rückrunde“, sagt Voß. Und trotzdem schickt sich Wacker an, im fünften Jahr nach dem Aufstieg die beste Saison aller Zeiten hinzulegen. Fünf Punkte fehlen Felgeleben als zweitplatziertem Team auf Neugattersleben, dazu hat Wacker ein Spiel weniger absolviert. Und die Schwergewichte der Liga hat das Voß-Team noch vor sich. Unseburg (4.), Drohndorf (3.) und Neugattersleben (1.) müssen noch nach Felgeleben, auswärts geht es gegen Einheit Bernburg (5.). In diesen Spielen steckt eine große Chance, aber auch die große Angst, alles zu verspielen. Voß bezeichnet es als die „Wahrheitsspiele“.

Sicherer Vollstrecker vor starkem Team

Doch was macht Wacker eigentlich so stark? Seit Jahren spielt die Mannschaft in beinahe identischer Besetzung zusammen. Mit Chris Müsing geht der beste Stürmer der Liga für Wacker auf Torejagd. Derzeit hat er 21 Tore auf dem Konto. Vier davon erzielte der 25-Jährige am vergangenen Wochenende beim 8:1-Kantererfolg gegen den SV Rathmannsdorf. „Er ist ein sicherer Vollstrecker“, sagt Voß. Müsing hatte schon viele Angebote aus höheren Ligen. „Die kommen jedes Jahr. Er könnte irgendwo Geld verdienen. Ihn jedes Jahr weiter zu halten, macht uns stolz.“ Aber Wacker auf Müsing zu reduzieren, wäre zu einfach. „Wir haben zwei sehr gute Torhüter, die Abwehr steht sehr stabil mit Lucas Oschmann als ganz souveränem Libero. Dazu haben wir mit Benny König einen sehr umsichtigen Abräumer als Sechser, der auch gut im Aufbauspiel ist und eine fantastische Saison spielt. Und mit Nico Kietzmann und Jannis Augustin haben wir unwahrscheinlich schnelle Leute.“ Kurzum: Wacker überzeugt als Mannschaft mit individuell starken Leuten, die von erfahrenen Spielern wie Christian Kubos und Tom Simon ergänzt wird. „Und von der Bank drängen noch die jungen Spieler.“

Denn dort sitzen mit Niklas Paul Voß (18), Moritz Bullert (19), Tim Pflug (19) und Florian Schmidt (18) vier Eigengewächse der in der Saison 2015/2016 aufgelösten A-Jugend, die in Felgeleben gehalten werden konnten. Alle vier Spieler kamen schon in der Salzlandliga zum Einsatz. Und weil Voß Torhüter, Bullert Abwehrspieler, Pflug Mittelfeldspieler und Schmidt Stürmer ist, hat der Coach also auf allen Positionen Möglichkeiten, um neue Impulse zu setzen. „Von dieser Mannschaft profitieren wir.“

Vielleicht will sich Wacker sogar neue Ziele setzen? Ist das fünfte Jahr in der Salzlandliga vielleicht die Saison des Aufstiegs in die Landesklasse? „Ein Aufstieg wäre eine unwahrscheinliche Sensation. Wir wissen, dass wir uns bis Ende Mai entscheiden müssen“, sagt Voß. „Wir haben das ganz leicht im Hinterkopf. Wir schielen ein klein wenig nach oben.“ Ganz ausgeschlossen wäre ein Aufstieg nicht. Er müsste aber erst intern durchgewunken werden. „Wir werden das ganz demokratisch in der Mannschaft entscheiden.“ Der Trainer selbst wäre gar nicht so traurig, wenn sich der Verein dazu entschließt, auf den Aufstieg zu verzichten. „Ich fühle mich wohl in der Salzlandliga. Das ist eine geile Liga. Ich glaube auch, dass wir für die Landesklasse bisher einen zu dünnen Kader haben. Ich sehe da auch Seeland als Negativbeispiel.“ Der letztjährige Aufsteiger liegt abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz der Landesklasse  III. So will Wacker Felgeleben nicht enden.

Dann lieber eine Liga tiefer viele Derbys und Siege feiern vor stattlicher Zuschauerkulisse. So kamen beim 2:1-Heimsieg gegen Groß Rosenburg vor zweieinhalb Wochen 107 Zuschauer zum Heimspiel. Da gab es in den sozialen Netzwerken einen kleinen Seitenhieb von Wacker gegen „einen Schönebecker Verbandsligavertreter“, der gerade einmal 22 Zuschauer hatte. „Selbst auswärts fahren 35 bis 40 Leute mit. Das macht uns stolz“, sagt Voß. Und es ist zu befürchten, dass beim vorletzten Heimspiel gegen Neugattersleben und beim letzten gegen Drohndorf die dreistellige Marke erneut geknackt wird. Wenn es vielleicht um den Aufstieg geht. Fakt ist: „Wir werden alles dafür geben, dass es spannend bleibt“, so Voß. „Neugattersleben ist auf gar keinen Fall eine Übermannschaft.“ Das klingt dann schon fast wie eine Kampfansage.