Schönebeck l Es war eines der Bilder der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Im Viertelfinale zwischen den Niederlanden und Brasilien, ausgetragen im „Cotton Bowl“ in Dallas (Bundesstaat Texas) lief die 62. Spielminute.

Einen weiten Abschlag des Holländischen Keepers Ed de Goey befördert Brasiliens schussgewaltiger Linksaußen Branco mit einem wuchtigen Kopfball wie einen Boomerang zurück in die Hälfte der Niederländer. Dort schüttelt Stürmer Bebeto den Elftal-Verteidiger Jan Wouters ab, umkurvt anschließend noch de Goey und trifft zum zwischenzeitlichen 2:0 für die Selecao (Endstand 3:2 für Brasilien).

Bild geht um die Welt

Doch nicht dieses Tor war die Sensation, sondern der anschließende Jubel. Bebeto stürmte in Richtung Eckfahne streckte seine Arme leicht gebeugt nach vorn und deutete an, ein Kind in seinen Händen hin und her zu schaukeln. Seine Teamkollegen Romario und Mazinho gesellten sich dazu und taten es ihm gleich. Das Bild der drei wiegenden Zuckerhut-Kicker ging um die Welt. Anlass war die Geburt von Bebetos Sohn Matheus, benannt nach Deutschland Fußball-Idol Lothar Matthäus, zwei Tage vor dem Spiel am 9.  Juli 1994.

Was das alles mit Marcus Bolze von Union 1861 Schönebeck zu tun hat? Nun ja, es gibt einige parallelen.

Bolze beginnt mit „B“ – wie Bebeto. Bolze ist Stürmer, wie Bebeto. Bolze ist aktuell junger Vater, wie einst Bebeto. Doch dann enden die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Kickern auch schon. Dabei hätte eine Parallele am vergangenen Mittwoch noch dazu kommen können. Der Torjubel zu Ehren des frisch geborenen Kindes, denn Tochter Nele ist erst zarte drei Wochen alt. Dieser Jubel blieb Bolze im vielleicht größten Moment seiner Amateurfußballer-Laufbahn aber verwehrt.

Stadion in Trance

Es lief die 77. Spielminute im Freundschaftsspiel zwischen Union Schönebeck und Drittligist 1. FC Magdeburg. Bolze erlief einen langen Ball von Mathias Rhode, setzte sich gegen einen Magdeburger durch und zog ab. Für eine Millisekunde war das ganze Stadion an der Barbarastraße wie in Trance, doch dann klatschte der Ball nur an den Pfosten. Pech für Bolze, der einen Augenblick später per Kopf ebenfalls vergab. „Es ist schade, dass er nicht reingegangen ist. Die Wahrscheinlichkeit ist in einem solchen Spiel nicht so hoch, dass man so eine Möglichkeit bekommt“, trauerte der 30-Jährige der verpassten Chance nach. Immerhin war der „wiegende“ Torjubel schon geplant. „Wenn ich getroffen hätte, hätte ich den gemacht“, sagt Bolze und deutete das Armschaukeln an. Beim Anblick von Töchterchen Nele wird er den Fehlschuss aber sicher als ziemlich unwichtig erachten.

Bebetos Sohn ist inzwischen übrigens selbst Fußballprofi geworden.