Schönebeck l Die 118. Minute lief, als Philip Küster sich das orangene Torwarttrikot überstreifte und zur Mittellinie ging. Auf den Weg dorthin bekam er von Thomas Sauer und Schönebecks Torwarttrainer Stefan Schäfer noch ein paar Worte mit auf dem Weg. Dann war es soweit. Mit Blick auf das drohende Elfmeterschießen wich Stephan Pingel aus dem Kasten und Küster übernahm die Position. Sauer bewies damit ein goldenes Händchen und erklärte im Anschluss auch plausibel, wieso er auf der Torwartposition kurz vor Ende wechselte. „In puncto Körpermaße ist Philip Stephan einen Schritt voraus. Es macht beim Gegner schon Eindruck, wenn dort ein Keeper steht mit einer Spannweite von über zwei Metern. Wenn er in die richtige Ecke abtaucht, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Ball“, so der Übungsleiter. Küster, der lange verletzt war, enttäuschte nicht. Ein Ball klatschte an die Latte, den anderen hielt der Keeper und sicherte seiner Mannschaft so den Einzug in die zweite Runde des Landespokals. Nach 120 Minuten stand es 2:2 (0:1, 1:1).

Spiel auf hohem Niveau

„Ich glaube, mit der Leistung können beide Trainer zufrieden sein. Natürlich ist Andre Hoof enttäuscht nach der Niederlage, das wäre ich auch. Er wirkte allerdings entspannt, denn auch er hat das gesehen, was er sehen wollte“, sagte Sauer im Anschluss. Beide Mannschaften spielten mit viel Tempo, zeigten viel Wille, Mut und auch Einsatzbereitschaft, sodass sich von Minute eins an ein spannendes Spiel auf hohem Niveau entwickelte.

In Abschnitt eins wirkten die Hausherren allerdings recht planlos. Viele lange und hohe Bälle schlugen die Unioner, welche oft in den Armen des gegnerischen Keepers landeten. „Das Problem war, dass wir ohne ein Positionsspiel den Plan nicht umsetzen konnten“, bemängelte Sauer. Nach einem flachen Pass von Denny Klepel war es dann geschehen. Die Gäste schalteten schnell um, Philip Witte setzte sich gegen Rhode durch und schoss wuchtig zur Führung der Gäste ein. „Wir haben in dieser Phase nicht gut gespielt, hatten aber dennoch vier gute Chancen. Zum Ende der ersten Hälfte sah es dann mehr nach Fußball aus“, sagte Sauer. Eine große Chance auf den Ausgleich hatte Marcus Bolze, der den Gästekeeper ausspielte, jedoch nicht den Abschluss suchte.

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Der Torhüterwechsel war allerdings nicht der einzig kluge Schachzug von Sauer an diesem Tag. Nach dem Seitenwechsel rutschte Rhode aus der Defensive in die Offensive und sorgte stets für Gefahr. So recht zielführend wirkte das Ganze dennoch nicht, doch Sauer ermutigte seine Mannen stetig, plädierte immer wieder darauf, mit der Spielweise fortzufahren, um zum Erfolg zu kommen. Und auch damit sollte der Union-Coach recht behalten. Einen langen Schlag wehrten die Gäste nur halbherzig ab, Bolze setzte sich mit einer guten Bewegung vom Gegenspieler ab und schoss wuchtig ein. In der Schlussminute war es dann abermals Bolze, der nach einer Flanke von Rhode haarscharf vorbeirauschte.

„Die Luft war bei beiden nachher raus, das war deutlich zu sehen. Dennoch haben die Teams alles reingehauen“, so Sauer, der in der 97. Minute den Führungstreffer bejubelte. Nach einem schönen Spielzug über Max Drewes und Rhode landete der Ball bei Bolze, der nur noch einschieben brauchte. Nach der kurzen Verschnaufpause und dem erneuten Seitenwechsel verpennten die Unioner die Startphase und leisteten sich einen Fehler auf Linksaußen. Das Leder gelangte zu Sebastian Schmidt, der Pingel keine Chance ließ und durch die Beine des Schönebeckers vollendete.

Das war allerdings nicht der Grund, warum Pingel das Feld verlassen musste. Mit etwas mehr Glück wäre es auch gar nicht zum Elfmeterschießen gekommen. Doch Bolze sorgte nicht für die Entscheidung. Aaron Schäfer zog über links einen Sprint an, flankte in die Mitte genau auf den Kopf von Schönebecks Stürmer, doch Christopher Biegelmeier verhinderte den Einschlag mit einer sehenswerten Parade. Das Elfmeterschießen war somit unumgänglich.

Vom Punkt bewiesen die Schönebecker dann aber die besseren Nerven. Während Denny Klepel die Kugel sicher verwandelte, scheiterte Miguel Deckert an der Latte. Youngster Maximilian Heinrich war für die Hausherren erfolgreich, Karsten Völckel scheiterte an Küster. Da Bolze und Paul Schiefer siegreich in ihren Duellen blieben, hieß der Sieger am Ende Schönebeck. „Die 120 Minuten machen sich kurz nach dem Spiel erstmal bemerkbar. Dennoch konnte die junge Mannschaft Erfahrung sammeln. Viele standen noch nie einer Verlängerung. Nun mussten sie sich die Kraft einteilen“, erklärte Sauer. Doch die „jungen Wilden“ zeigten, dass auch 120 Minuten machbar sind, inklusive einem Erfolg und dem damit verbundenen Einzug in die zweite Pokalrunde.

Statistik

Schönebeck: Stephan Pingel (105. Philip Küster) – Denny Klepel, Fritz Weidemeier (92. Alexander Baumgarten), Max Drewes, Erik Nordmann, Paul Schiefer, Mathias Rhode (105. Keven Harms), Georg Polczyk, Justin Dehnecke (62. Aaron Schäfer), Marcus Bolze, Karsten Bethke (46. Maximilian Heinrich)

Heyrothsberge: Christopher Biegelmeier – Martin Peukert, Eric Horn, Marcus Kloska (105. Maximilian Schmidt), Philip Witte (67. Tom Raue), Tobias Thormeier (105. Miguel Deckert), Karsten Völckel, Ramon Schröder, Tim Rieche (68. Chris Noel Tilche), Benjamin Schäfer, Daniel Koch (59. Stefan Groth)

Schiedsrichter: Alexander Kroll (Einheit Wernigerode)

Zuschauer: 84

Tore: 0:1 Philip Witte (22.), 1:1 Marcus Bolze (72.), 2:1 Marcus Bolze (97.), 2:2 Maximilian Schmidt (105.+1),

Elfmeterschießen: 3:2 Denny Klepel, Miguel Deckert verschießt, 4:2 Maximilian Heinrich, Karsten Völckel verschießt, 5:2 Marcus Bolze, 5:3 Christopher Biegelmeier, Erik Nordmann verschießt, 5:4 Maximilian Schmidt, 6:4 Paul Schiefer