Calbe (sle/kag) l Einen Monat bevor Detlef Sobczak neun Jahre alt wurde, verlor er sein Herz an den Fußball, an die TSG Calbe. Wahrscheinlich wusste er es in diesem Moment noch nicht. Er selbst beschreibt sich als „Inventar“. Die Fußball-Abteilung der TSG Calbe wurde sein zweites Zuhause. Familie, Arbeit, Fußball – das sind die drei Säulen im Leben von „Dete“, wie Sobczak in vertrauter Umgebung genannt wird. Gemeinsam mit Freunden und auf Geheiß seiner Sportlehrer kam er zum Fußball. Bei den Kindern fing alles an. Die Abteilungen der Knaben, Schüler und Junioren folgten – natürlich bei der TSG. Es sei das Mannschaftsgefühl, die Kameradschaft, die gemeinsame Freude nach einem Spiel, das man gewonnen hat, was die Sportart ausmache. Und Sobczak war gut. So gut, dass er frühzeitig, mit 17 Jahren, die Trainer überzeugte und in das Männerteam wechseln durfte. Seinen Einstand gab er als rechter Stürmer gegen die ZLG Atzendorf. Die Zeit verging. Neben seiner Tätigkeit als Spieler war er danach auch bei den Alten Herren des Vereins aktiv, anschließend ging es als Trainer der zweiten Männermannschaft weiter. Heute ist Sobczak Betreuer der ersten Mannschaft in der Landesklasse. Noch immer hält „Dete“ seinem Verein die Treue und das schon seit 50 Jahren.

Das beeindruckt den ganzen Verein, denn so eine „gute Seele“ ist nur schwer zu finden. „50 Jahre Mitglied bei den Fußballern der TSG Calbe, es gibt nur wenige Mitglieder in der Abteilung, die auf so eine lange Zeit zurückblicken können. Bei Detlef Sobczak gibt es aber noch eine Besonderheit. Er hat sich nach seiner Zeit als aktiver Spieler in den Dienst der Abteilung gestellt und beispielsweise als Co-Trainer und Betreuer die Reserve gemeinsam mit Jörg Harms in die Salzlandliga geführt. Zurzeit arbeitet, oder besser gesagt lebt er die Funktion des Betreuers der ersten Mannschaft. Das ist eine wichtige Aufgabe im Verein. Er ist die Vertrauensperson der Spieler, kümmert sich um alles, was um und für die Mannschaft notwendig ist“, sagt TSG-Abteilungsleiter Rainer Schulze und schiebt nach: „Detlef gehört zu den verdienstvollsten Mitgliedern der Abteilung Fußball und man kann sich nur wünschen, dass er den Fußballern und der ersten Mannschaft noch lange zur Verfügung steht.“

Doch nicht nur der Abteilungsleiter ist begeistert von der Hingabe des Betreuers. „Er war und ist immer mit 110 Prozent dabei. Die Flasche ist halb voll und nicht halb leer“, sagt Heinz Sobzcak, Trainer der Alten Herren. Der Gemütszustand von Sobczak ist allerdings immer von den Ergebnissen der Calbenser anhängig. Von TSG-Vorstandsmitglied Gunnar Meißner wird Sobczak als „Organisationstalent“ bezeichnet. „Wenn andere am Spieltag gerade erst aufstehen, ist Dete schon auf dem Heger oder unterwegs, um Vorbereitungen zu treffen“ so Meißner weiter.

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Hegerstadion ist das zweite Zuhause

Denn das Hegerstadion ist das zweite Zuhause des Betreuers. Zahlreiche Anekdoten dazu gibt es von den Weggefährten, wie zum Beispiel von Pressewart Stefan Lenhart: „Ich glaube, dass der erste Moment unseres Kennenlernens, Dete und seine Verbindung zum Fußball super beschreibt. Bevor er uns in der Spielvorbesprechung als neuer Betreuer vorgestellt wurde, war er bereits unbemerkt mehrere Stunden im Hegerstadion unterwegs, um unter anderem jedem Spieler sein eigenes Trikot an den Platz zu legen.“ Und auch Rainer Fabian, ehemaliger Trainer der zweiten Mannschaft, macht deutlich, dass Sobczak mehr ist, als ein normaler Betreuer: „Er war immer wie eine zweite „Mutti“ für die Spieler, er besorgte zu jedem Spiel Bananen und hatte jederzeit Ersatzstrümpfe, Taschentücher, Kaugummis und all die anderen Dinge dabei.“

Nicht nur als Betreuer hat Sobczak also Eindruck hinterlassen. Als Aktiver war „Dete“ stets ein Vorbild. „Detlef war Kapitän der ersten Mannschaft, als ich in den Kader aufgenommen wurde. Er hatte immer ein Ohr für uns junge Spieler. Was er damals alles für die Mannschaft und den Verein gemacht hat, war schon Wahnsinn. Und das hat sich ja nach all den Jahren immer noch nicht geändert. Ein absoluter Teamplayer, der die TSG Calbe immer in den Vordergrund stellt“, so Burkhard Faupel, ehemaliger Torhüter der ersten Mannschaft und sportlicher Leiter. Altherren-Kicker Kevin Fenzl meint: „Dete ist ein Vorbild, wenn es darum geht, den Fußball zu leben. Ein einzigartiger Kerl, der uns als Team immer zusammen gehalten hat.“

Doch neben allem Ehrgeiz und dem Willen, jedes Spiel zu gewinnen, kommt der Spaß nie zu kurz, das ist auch heute noch so. Doch nicht nur als Pausen-Clown ist Sobczak prädestiniert, sondern sorgte auch dafür, dass er Menschen geprägt hat, wie zum Beispiel Stephan Lietzow, jetzt Leiter für Marketing und Vertrieb beim 1. FC Magdeburg, früher Kicker bei der TSG. „Dete war wahrscheinlich eine der prägendsten Figuren neben dem Platz für mich in meiner Karriere im Männer-Fußball. Immer ehrgeizig, fokussiert und professionell vorbereitet. Auch wenn mich das als Spieler durchaus manchmal gestört hat, muss ich im Nachhinein sagen, dass er immer eine sehr wichtige Rolle gespielt hat.“

Spiel gegen Gladbach stets präsent

Aber nicht nur die TSG hat es Sobczak angetan, der Bundesligist Borussia Mönchengladbach fasziniert den Betreuer ebenfalls. Eine Erinnerung ist nach 50 Jahren der Vereinsangehörigkeit deshalb immer im Kopf geblieben: das Freundschaftsspiel zwischen der TSG und Gladbach im Jahr 1992. Der damalige Bezirksligist verlor zwar vor 3500 Zuschauern mit 1:12, doch das „unheimliche Gefühl“, das der Tag mit sich brachte, blieb tief im Gedächtnis des Mönchengladbach-Fans verankert. Für die letzten zehn Minuten wurde Sobczak eingewechselt. Es bedeutete ihm viel.

Spieler, Trainer und Verantwortliche sind begeistert, dass „Dete“ noch immer alles für die TSG macht. „Ein ganz angenehmer Zeitgenosse von denen es aber leider nicht mehr so viele gibt“, macht Thomas Dummer, TSG-Schatzmeister, deutlich. Ebenfalls die Worte „Vorbild“, „Vereinstreue“ und „Fußballverrückt“ verbinden nicht nur die Calbenser mit dem Namen Detlef Sobczak. Er ist weit über die Grenzen des Salzlandkreises bekannt. „Um allein das Engagement bei der TSG zu würdigen, reichen wohl keine Worte aus“, fasst Pascal Weber, Spieler der ersten Mannschaft, treffend zusammen. Und im Verein hoffen alle, dass „Dete“ auch noch viele Jahre „die Mutti“, beziehungsweise „die gute Seele des Vereins“ bleibt.