Calbe l Noch vor der Saison war Stefan Schliemann relativ überrascht, als sein Namen bei den Neuzugängen der TSG Calbe auftauchte. Denn der Angreifer verließ den Fußball-Landesklasse-Vertreter TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens eigentlich mit dem Gedanken, fußballerisch etwas kürzer zu treten und wollte fort an nur für die Alten Herren der Saalestädter gegen den Ball treten. Doch alles sollte etwas anders kommen. Inzwischen gehört Schliemann zu den Dauerbrennern der Calbenser, war sowohl für die erste Mannschaft (Landesklasse), die Reserve (Salzlandliga) und die Alten Herren, so wie ursprünglich eigentlich auch nur angedacht, aktiv. Und das sogar äußerst erfolgreich.

In einem Gespräch erläutert Schliemann, wie es dazu kam, dass sein Vorhaben nicht in Erfüllung ging und wie es sportlich bei ihm und seinem Verein weitergehen soll, wenn die Generalabsage aufgehoben wird.

Aus welchen Gründen haben Sie sich vor der Saison dafür entschieden, zur TSG Calbe zu wechseln?

Stefan Schliemann: „Ich wollte ein wenig ruhiger treten und eigentlich nur für die Alten Herren spielen, allerdings noch unter Wettkampfbedingungen und nicht nur in Freundschaftsspielen. Das ist nur in Calbe und ab dem Alter von 35 Jahren möglich. Des Weiteren sind auch viele andere Mitspieler aus der Jugend jetzt in dem Alter und wir können so noch einmal zusammen eine ruhige Kugel schieben. Dass ich allerdings noch einmal so oft in der Landesklasse auflaufe, war nicht geplant, aber wie sagte ein ehemaliger Mitspieler und Trainer von mir immer: ‚Meine Tasche ist stets gepackt, egal für welche Mannschaft‘. Und die Füße jucken immer noch zu sehr, um wirklich einmal ‚Nein‘ zu sagen.“

In der bisherigen Saison haben Sie bereits in der ersten und zweiten Mannschaft und im Team der Alten Herren gespielt und in Stürmermanier auch in allen Ligen bereits getroffen. Können Sie sich an ein ganz besonderes Tor in dieser Saison erinnern?

„Das schönste Tor war sicherlich gleich im ersten Spiel mit der Zweiten in Pretzien. Nach einem Freistoß von der Mittellinie nahm ich den Ball im Sechszehner mit dem Rücken zum Tor direkt und hob den Ball über den Keeper ins Netz. Umso schöner war es, da der Pretziener Torhüter ein guter Freund von mir ist und ich nur aus diesem Grund mitgespielt hatte. Das emotionalste Tor war dann wohl der 3:2-Siegtreffer bei der Ersten im Heimspiel gegen Altenweddingen. In einem recht umkämpften Duell mit leicht aufgeheizter Stimmung durch die Auswärtsfans war es eine kleine Genugtuung für die gesamte Mannschaft.“

Eigentlich sind Sie ja als Spieler der Alten Herren ins Hegerstadion gewechselt, mittlerweile haben Sie sowohl im Landesklasse-Team als auch in der Altherren-Mannschaft aus der Stadtklasse eine ähnliche Anzahl an Spielen und Toren gesammelt. Sind beide Ligen vergleichbar? Wo ist das Toreschießen einfacher?

„Einfacher? Das ist sicher nicht der richtige Ausdruck. Bei der Ersten habe ich natürlich den Vorteil, oft gut in Szene gesetzt zu werden und ab und zu hilft mir auch meine Erfahrung gegen die manchmal deutlich jüngeren Spieler weiter. Dafür gibt es des Öfteren Geschwindigkeitsnachteile. Die haben dann allerdings viele meiner Gegenspieler bei den Alten Herren. Dass dort viele ehemals höherklassig spielende Akteure noch aktiv sind, ist dann natürlich kein Vorteil. Welche Abgeklärtheit man dort oft am Ball sieht, ist schon beeindruckend.“

Das Coronavirus ist derzeit Thema Nummer eins in der Welt und zog bereits Konsequenzen für den Sport nach sich. Wie sollte es aus Ihrer Sicht nach der Spielpause mit den angebrochenen Spielrunden weitergehen?

„Man muss natürlich erst einmal schauen, wie lange die Pause noch andauert. Ein Abbruch der Saison sehe ich eher als unzweckmäßig. Vielleicht kann man die Serie über zwei Jahre hinziehen und dann halt noch eine dritte oder vierte Runde nach der Hin- und Rückrunde spielen. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik.“

Welche Ziele haben Sie für diese Saison, wenn es weitergeht, in den jeweiligen Mannschaften noch?

„Erstes und wichtigstes Ziel sollte sicherlich die Gesundheit aller Spieler sein, alles andere ist zweitrangig. Wenn es dann doch weiter gehen sollte, sehe ich bei der ersten Mannschaft sowie bei den Alten Herren das Potential, unter den ersten Drei der Tabelle zu landen. Aber auch da muss man sehen, was die Spielerdecke beider Mannschaften sagt.“