Kleinmühlingen l Viel reden ist wichtig. Nur wer sich gegenseitig in die Augen schaut und dabei wichtige Dinge anspricht, kann sich sicher sein, dass der Empfänger die Nachricht auch wirklich angenommen hat. Vor allem sieht der Absender sofort und unmissverständlich, ob die Ansage positive oder negative Reaktionen nach sich zieht. So halten sie auch bei den Fußballern des TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens regelmäßig Veranstaltungen ab, in denen wichtige und weniger wichtige Dinge besprochen werden. Bei solch einer Versammlung hatte sich kürzlich auch Frank Schmidt erhoben. Mit einem Lächeln. Der Trainer der A-Jugend sprach über die intermannschaftliche Zusammenarbeit. Und konnte nur Gutes berichten.

Seit nun anderthalb Jahren schon trainiert die A-Jugend der Kleinmühlinger, die nur eine von überhaupt zwei Nachwuchs-Teams des kleinen Dorfvereins ist, zusammen mit der Männermannschaft aus der Landesklasse. Immer dienstags und donnerstags. Diese Idee hatten Schmidt und Mario Sens, Trainer des Landesklasse-Teams, gemeinsam entwickelt. Weil die beiden ganz genau wissen: Mehr als noch in anderen Vereinen werden in Kleinmühlingen die eigenen Nachwuchsspieler gebraucht. Sie zu halten ist wichtige Vereinsarbeit. Weil das Geld, um teure externe Einkäufe zu tätigen, einfach nicht vorhanden ist. Und beim TSV läuft die Idee der Zusammenführung mit weichen Faktoren. „Damit schürst du kumpelhaftes Verhalten“, sagt Sens. „Die Spieler gehen vielleicht auch in die Disco, unterhalten sich da und sagen dann zu anderen Spielern: ,Komm doch nach Kleinmühlingen‘“, berichtet Sens. Er hofft auf einen Domino-Effekt, wenn die jungen Spieler merken, dass sie beim TSV gebraucht werden, auch nach der Jugend.

Aber die Jungspunde zahlen auch mit Leistung zurück. Schon in den vergangenen Wochen setzte Sens vermehrt Spieler aus der A-Jugend ein. So zum Beispiel Erik Schmidt und Brian Ostwald. Beide sind gerade einmal 17 Jahre alt, durften unter Sens bereits zwei Spiele absolvieren und versuchten im Mittelfeld, ihre Spuren zu hinterlassen. Schmidt stand gegen Besiegdas Magdeburg vor anderthalb Wochen sogar in der Startelf. Eine echte Auszeichnung. Gerade bei ihm kommt Sens ein bisschen ins Schwärmen. „Er ist verdammt schnell, hat Übersicht und ist hemmungslos in den Zweikämpfen. Er hat einen unwahrscheinlichen Ehrgeiz. Solche Tugenden braucht man.“ Schmidt ist Kapitän der A-Jugend und spielerisch am weitesten gereift.

Vorbildlicher Zusammenhalt

Aber auch Ostwald überzeugte schon. Auch der 18-jährige Marvin Jaffke sammelte schon erste Minuten im Männerbereich. Dennis Herber war zumindest schon im Aufgebot in der Landesklasse. Ganz klar: „Das ist eine gute Jugend“, wie Sens sagt. Und durch den vermehrten Einsatz der jungen Spieler hofft der Coach auch auf Mundpropaganda am Platz. „Da kommen dann auch andere junge Spieler zum zugucken, das zieht andere mit.“ Schon jetzt ist der Zusammenhalt zwischen A-Jugend und Männer-Mannschaften vorbildlich. „Da wird sich abgeklatscht“, so Sens. Jeder will der nächste sein, der tatsächlich den Schritt schafft aus der Jugend in den Männerbereich. So wie die Generation um Tobias Volk und Lucas Süßmilch, die ein Jahrgang sind. Oder einige Jahre davor um Robert Kaschner und Marcel Podlech. Sens selbst hatte als Nachwuchs-Trainer in Pretzien einige Talente angeleitet und mit nach Kleinmühlingen geholt.

Man muss das so sagen: Im Moment wird in Kleinmühlingen vorbildliche Nachwuchsarbeit geleistet. Aus wenigen Mitteln wird viel gemacht. „Vielleicht entwickelt sich etwas“, erklärt Sens auf die aktuelle A-Jugend angesprochen. Er weiß natürlich, dass nicht alle Spieler nach der Schule weiterhin in Kleinmühlingen Fußball spielen werden. Erfahrungsgemäß zieht es einige aus beruflichen Gründen in die Ferne, andere hören einfach auf mit dem Kicken. „Aber wenn wir drei bis vier Spieler behalten, dann haben wir schon gewonnen“, sagt Sens. Auch darauf hoffend, dass nicht andere benachbarte und finanzstärkere Vereine die Kleinmühlinger Perlen aufsammeln.

Hoffnungsvolle Talente

Und es ist sogar so, dass in der aktuellen A-Jugend in der Landesliga Spieler mitkicken, die erst 16 Jahre alt sind und somit für den Männerbereich noch gar nicht spielberechtigt sind. Darunter sind zum Beispiel Spieler wie Jonas Ehme, Bruder von Philipp Ehme aus der TSV-Ersten. Andere wie Patrick Flack, 17-jähriger Torwart der A-Jugend, kamen schon bei der zweiten Mannschaft in der 1. Kreisklasse zum Einsatz. Nicht nur für ihn geht es auch darum, über diesen kleinen Umweg nach oben zu klettern. Denn auch dort werden junge hoffnungsvolle Talente händeringend gebraucht. Da herrscht genauso quantitativer Mangel.

Aber das kann sich ja nun ändern. Seit drei bis vier Jahren spielen die Kleinmühlinger Talente nun bereits zusammen. Bleibt der Großteil der Mannschaft nach dem Verlassen der A-Jugend zusammen, steht dem TSV eine glorreiche Zukunft ins Haus. Weil die gute Kaderschmiede dank viel Geduld im Verein langsam Früchte trägt.