Schönebeck l Er ist als Kritiker weit über die Grenzen von Schönebeck hinaus bekannt. Alles, was Joachim Goertz macht, hat Hand und Fuß. Doch mit seiner direkten, fast forschen Art ist der Schönebecker bereits bei einigen Vorsitzenden und Vereinen böse angeeckt. Seinen Weg ist er dennoch gegangen. Und das erfolgreich. „Die Fähigkeiten, um Fußball zu lernen, sind vorhanden. Ich bin ein Kritiker, habe aber immer im Wohle des Vereins gehandelt. In meiner ganzen Laufbahn als Trainer bin ich nur zwei Mal abgestiegen“, sagt Goertz und betitelt sich selbst als „erfolgreichster Trainer aus Schönebeck“. Goertz verlangt von sich selbst viel, doch erreicht hat er auf diesem Weg schon einiges. Am heutigen Donnerstag feiert der Schönebecker seinen 78. Geburtstag. Da aber auch der Fußball einen Großteil seines Lebens einnimmt, begeht Goertz auch ein Jubiläum. Seit 50 Jahren ist er als Ehrenamtlicher aktiv.

Treffen mit Heinz Krügel inspiriert

Neben der Bastelei mit altem Metall – Goertz arbeitete als Spitzendreher im Traktorenwerk und Schmierungstechniker unter anderem bei OK Bley in Magdeburg – nimmt der Fußball einen großen Stellenwert im Leben von Joachim Goertz ein. Von einer Begegnung ist der Schönebecker auch heute noch fasziniert. Das Treffen mit Heinz Krügel, Legendentrainer des 1. FC Magdeburg, im altehrwürdigen Ernst-Grube-Stadion. „Ich war zu Beginn meiner Karriere immer sehr leise. Da hat Heinz zu mir gesagt, so wird nie ein Trainer aus mir“, kann sich der Rentner an das Treffen erinnern.

Der Startschuss war gelegt. Zunehmend wurde Goertz lauter, doch bleib dabei stets fair und forderte seine Schützlinge. Gespielt hat er zu Beginn in Schönebeck auch selbst noch, wechselte dann aber die Linie. Beim damaligen Schönebecker SC war er Nachwuchstrainer, trainierte für eine kurze Zeit die Reserve des Schönebecker SV. Doch so recht wollte es nicht mehr klappen.

Aufgeben? Das kam für Goertz nicht in Frage, dafür liebt er den Fußball zu sehr. Zu sehen ist das in seinem Haus. Zahlreiche Trikots von Vereinen, bei denen er selbst gespielt oder trainiert hat, zieren die Wände. Immer wieder finden sich Artikel von Bayern München. Einen Ehrenplatz bekam das Foto von Heinz Krügel.

Zunehmend dem Schulsport gewidmet

Bei all der Zeit, die für den Fußball draufgeht, steht Goertz aber immer eine Frau zur Seite: Doris. Seit 58 Jahren sind die beiden verheiratet. Und Doris Goertz unterstützt ihren Mann, wo sie nur kann. Denn der Schönebecker wandte sich in der Folge dem Vereinssport ab. „Das Zeug dazu hätte ich aber immer noch, da bin ich mir sicher“, sagt Goertz selbstbewusst.

Der Weg führte den Schönebecker allerdings zum Schulsport. Mit dabei: Frau Doris, als gute Seele, denn durch die harte, aber faire und erfolgreiche Fußballschule können auch mal die Tränen kullern, doch Doris ist da. Und der Ehrgeiz der Kinder der Grundschule Ludwig Schneider in Schönebeck ist ungebremst. Beiden Seiten macht es Spaß, das ist bei jedem Training zu spüren. Auch hier feiert Goertz Erfolge. Mit seinen Fußballern reist der Schönebecker zu Turnieren im Umkreis und hinterlässt dort bei den Zuschauern immer wieder bleibende Eindrücke.

Darauf ist Goertz stolz. Und die Kinder auch. Denn bei ihm kommen auch die Fußballer zum Zuge, die in einem Verein nur wenige Chancen erhalten. Dafür hat der Rentner nämlich ein Auge. „Talente gibt es auf der Straße genug, man muss sie nur erkennen“, predigt Goertz seit langer Zeit. Zudem setzt sich das Geburtstagskind auch weiterhin für die Förderung des Schulsports ein, bietet immer wieder Hilfe an.

Die Erfolgsgeschichte soll mit dem 50-jährigen Jubiläum als Ehrenamtlicher nicht zu Ende sein. „Ich habe sämtliche Urkunden zuhause. Eine große Auszeichnung habe ich nie bekommen.“ Aber auch das hält ihn nicht auf, das zu tun, was ihm am meisten Spaß macht: die Arbeit als Ehrenamtlicher in der Stadt Schönebeck.