Salzlandkreis l Diese Regeln sollen die Arbeit der Schiedsrichter erleichtern. Aber ist das wirklich der Fall? Ein Szenario wie es an jedem Wochenende, nicht nur auf den Plätzen der Fußball-Kreisliga, sondern auch in der Bundesliga vorkommt. Dabei ist es egal, wo diese Szene auf der Welt passiert: Ein Fußballer kommt bei einem Schussversuch des Gegners mit der Hand an den Ball und verhindert damit ein Tor. Der Schiedsrichter rückt dann ganz schnell in den Mittelpunkt und muss anhand verschiedener Faktoren entscheiden, ob es Absicht war oder nicht. Um ihm diese Aufgabe zu erleichtern, haben die International Football Association Board (IFAB) und die FIFA einige Regeln (die Änderungen sind dem Infokasten unter dem Text zu entnehmen) geändert. Aber helfen die Änderungen dem Schiedsrichter wirklich?

Änderungen brauchen Zeit

„Ich würde sagen, teilweise sind sie echt gut. Durch einige Änderungen wird das Spiel schneller und flexibler“, sagt Maximilian Scheibel, Schiedsrichter-Obmann des KFV Fußball Salzland. Inwieweit die Regeln dem Schiedsrichter die Last abnehmen wird, „werden wir im Laufe der Saison sehen“.Für Scheibel gibt es aber auch Änderungen, die bereits vor der Spielzeit für Begeisterung sorgen. „Die Seitenwahlregel ist eine Erleichterung für alle auf dem Feld.“ Der Spieler, der die Platzwahl gewinnt, kann sich entscheiden, ob er den Ball oder die Seite nimmt. Vor der Änderung musste sich der Mannschaftskapitän für eine Platzhälfte entscheiden.

Ebenfalls als Positiv sieht der Schiedsrichter-Obmann die Änderung bei Abstößen an. Der Ball darf von einem eigenen Spieler bereits im Strafraum angenommen werden. Früher war das verboten und zog einen Pfiff des Schiedsrichters nach sich. „Wir mussten das immer abpfeifen, auch wenn es völlig unnötig war. Uns wurde dann nachgesagt, wir pfeifen jede Kleinigkeit ab“, so Scheibel, der als aktiver Schiri oft in diese Situation kam.

Doch es ist auch nicht alles Gold was glänzt. Denn bei der Handregel sieht Scheibel weiterhin Probleme. „Es wird eine schwierige Regel bleiben. Es werden immer nur Ausnahmen geschaffen“, meint der Schiedsrichter-Obmann. Dabei wurde die Regelung in vielen Punkten tatsächlich vereinfacht.

Wann ist ein Handspiel wirklich strafbar?

Wenn beispielsweise nach einer Handberührung der Ball vom Angreifer ins Tor springt, zählt der Treffer nicht, egal ob es unabsichtlich war oder nicht. Aber genau dort beginnt das Problem. „Die Neuerung ist nicht schlecht. Jedoch sind wir dazu gezwungen, die gleiche Situation anders zu bewerten“, sagt Scheibel und führt ein Beispiel an: „Bekommt der Verteidiger einen Schuss ab und seine Arme sind am Körper, ist es nicht strafbar, also auch kein Elfmeter. Bei einem Stürmer, dem das Spielgerät nur minimal an die Hand springt und dann ins Tor, muss der Pfiff ertönen“, beschreibt Scheibel.

Es bleibt also weiterhin eine spannende Frage, wann ein Handspiel auch wirklich estrafbar ist. „Vielleicht hätte man über diese Regel noch intensiver nachdenken müssen. Es bleibt ein schwieriger Punkt, denke ich. Vielleicht sollte diese Regel jedoch nicht immer mit Ausnahmen gefüllt werden. Eine gewisse Konstanz wäre erstmal gut.“

Eine weitere einschneidende Änderung betrifft den Unparteiischen unmittelbar. Die Regel, dass der Unparteiische, umgangssprachlich „Luft“ ist, ist Geschichte. Wird der Schiedsrichter dennoch im laufenden Spiel vom Ball getroffen, geht es mit einem Schiedsrichterball weiter. „Ein guter Schiedsrichter lässt sich im Normalfall nicht anschießen“, sagt Scheibel lachend. „Wir haben unsere Wege und versuchen uns herauszuhalten.“

Aber immer wieder lassen sich Schlupflöcher im Regelwerk finden. „Die höchsten Regelhüter können nicht alles wissen. Das sind auch nur Menschen“, sagt Scheibel. Denn zwei Regeländerungen wurden schon wieder korrigiert. Der Keeper muss die Torlinie bei einem Elfmeter nur noch mit einem Fuß berühren. Bei der diesjährigen Frauen-Weltmeisterschaft hat eine Torhüterin Gelb bekommen, da diese Regel nicht eingehalten wurde. Nun zieht dies lediglich eine mündliche Verwarnung nach sich.

Ähnlich erging es der Abstoßregel, bei welcher der Ball im Strafraum angenommen wurde. Der Nachteil: der Spielaufbau muss präzise erfolgen, weil sonst der Gegner große Chancen hat, den Ball weit in der gegnerischen Hälfte zu erobern. Also nutzten Torhüter dieses Schlupfloch aus und lupften den Ball auf den Kopf des eigenen Mitspielers, um ihn danach mit der Hand aufzunehmen. Ein Abstoß soll jedoch ein Abstoß bleiben, also wird er in solchen Fällen wiederholt.

Nach nur zwei Monaten wurden die ersten Regeln also schon wieder geändert. Kein gutes Zeichen. „Vieles wurde medial aber auch zu hoch gespielt“, meint Scheibel. Ob es zu weiteren Änderungen kommt, wird sich zeigen. Die Bisherigen sollen in erster Linie den Schiri entlasten. Zum anderen sollen strittige Szenen entschärft werden. Aber beim Fußball, wo zumeist große Emotionen mitspielen wird dies oft schwer bleiben.