Calbe l Ein Platzverweis, zwei Elfmeter und drei Punkte für die Gäste. Auch nach der 1:7 (0:2)-Niederlage der TSG Calbe im Fußball-Landesliga-Duell mit dem SV 09 Staßfurt konnte es Christian Harant nicht fassen. Angesprochen auf den Strafstoß, den Schiedsrichter Tim Gräbitz in Spielminute 57 gegen die Calbenser pfiff, antwortete Harant mit einem ungläubigen Blick: „Elfmeter? Was für ein Elfmeter?“, fragte er mit Galgenhumor, obwohl er es überhaupt nicht witzig fand. Calbes Coach hatte keinen Elfmeter gesehen und empfand die Situation als „gewaltigen Nackenschlag“. Gäste-Trainer Jens Liendorf pflichtete seinem Kollegen bei. „Es war kein Elfmeter. Es war sehr niederschmetternd für Calbe und ich kann nachvollziehen, dass sie sehr unglücklich mit der Situation waren.“

Doch was war passiert? Der Staßfurter Matthias Lieder dribbelte mit hohem Tempo in den Strafraum. Calbes Torwart Lucas Schulz stürzte sich vor ihm auf den Ball und begrub diesen unter sich. Lieder stürzte dabei über ihn. Eine Szene, wie sie an jedem Fußballwochenende deutschlandweit wohl tausendfach vorkommt. Doch statt mit einem schnellen Abwurf des TSG-Keepers wurde das Spiel mit einem ruhenden Ball vom Punkt fortgesetzt. Selbstverständlich nach längerer Diskussion mit dem Unparteiischen.

Geschenk angenommen

09er Felix Jesse hatte die große Chance auf eine persönliche Fair-Play-Ausszeichnung, vergab diese aber. Denn er versenkte den Strafstoß humorlos im TSG-Kasten. „In einem Freundschaftsspiel lupft man da den Ball wahrscheinlich in die Arme des Torwarts. Aber in einem Pflichtspiel eben nicht“, mutmaßte Staßfurts Trainer. So nahmen die Gäste das Geschenk aber dankbar an. Und das war menschlich ebenso nachvollziehbar wie das Entsetzen der Calbenser.

Immerhin drohte den Gästen, die nach Treffern von Matthias Härtl (6.) und Mathias Nagel (22.) schon zur Halbzeit scheinbar beruhigend mit 2:0 führten, die Partie noch aus den Händen zu gleiten. Robert Soethe hatte nämlich nur wenige Minuten vor dem unberechtigten Elfer auf 1:2 verkürzt. Damit belohnte er sein Team für eine couragierte Anfangsphase nach dem Seitenwechsel. Doch mit dem 1:3 sorgten die Staßfurter für die Vorentscheidung. Dabei hatten sie bis dahin nur bedingt überzeugen können. „Ich war mit der ersten Halbzeit sehr unzufrieden. Wir hatten zwar Phasen, in denen wir den Ball gut haben laufen lassen, aber auch immer wieder schlechte Momente. Es war eine Mischung aus guten und schlechten Aktionen. Wir mussten Calbes Moral aber auch erst einmal brechen“, stellte Liensdorf fest.

Gut herausgespielt

Starke Aktionen hatten die Bodestädter nach der 3:1-Führung. Das 4:1 durch den eingewechselten Benjamin Kollmann (78.) war ebenso gut herausgespielt wie der fünfte Treffer durch Härtl (81.). Auch dem 6:1 - Kollmann traf per Foulelfmeter - war in der Entstehung ein Traumpass von Lukas Möller vorausgegangen. Und während sich die Calbenser durch die Gelb-Rote-Karte für Keeper Schulz noch selbst dezimierten, schnürte auch Jesse noch seinen Doppelpack zum 1:7-Endstand.

Dieser war ein deutlich zu hohes Resultat, denn kämpferisch wussten die nun noch stärker abstiegsbedrohten TSG-Kicker über die gesamte Spielzeit zu überzeugen. Im Angriff fehlte jedoch die nötige Durchschlagskraft für eine Überraschung. Bei fünf Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz wird die Luft an der Saale nun immer dünner.

Die 09er bleiben im Rennen um einen Platz auf dem Liga-Podest indes in einer guten Position. „Wir wollten neun Punkte aus den verbleibenden Spielen holen. Der erste Schritt dazu ist getan“, so Liensdorf.