Schönebeck/Groß Rosenburg l In dieser Geschichte kommt kein Mannschaftsabend im Partykeller des Kapitäns vor. Ein Erweckungserlebnis im Trainingslager auch nicht, denn auf Letzteres hat der SV Wacker Felgeleben im Winter verzichtet. Auch eine Brandrede, die das Team zum Rückrundenstart wachgerüttelt hat, musste Thoralf Voß nicht halten. Auf der Suche nach dem, was beim Fußball-Salzlandligisten den Schalter umgelegt hat und was schließlich in der Meisterschaft gipfelte, erklärte der Trainer fast schon entschuldigend: „Diese Rückrunde hat sich einfach so entwickelt. Sie war Ergebnis der Tatsache, dass die Mannschaft stets nur von Spiel zu Spiel geschaut hat.“

Dass Team und Trainer mit dieser Devise ausgezeichnet gefahren sind, belegen die Zahlen: In den 13 Partien der zweiten Halbserie ließ Wacker nur beim 1:1 in Pretzien und beim 2:2 in Bernburg Punkte liegen. Das überraschte aber niemanden in Felgeleben, erst recht nicht Voß: „Wir tun uns gegen Einheit fast traditionell schwer. Das trifft auch mit Blick auf die vermeintlich schwächeren Mannschaften zu, wobei es diese in der Salzlandliga eigentlich nicht gibt.“

So wurde auch der SV Rot-Weiß Groß Rosenburg als Aufsteiger vor der Saison gewiss nicht im vorderen Drittel der Tabelle verortet. Am Ende überraschte der Liga-Neuling mit Platz fünf dennoch. Was sich nach Jammern auf hohem Niveau anhört, sieht Trainer Harald Sens als einzigen verpassten Entwicklungsschritt seines jungen Teams: „Als Aufsteiger können wir mit der Platzierung sehr zufrieden sein. Dennoch sind wir in der Rückschau enttäuscht. Ohne fünf, sechs Spiele, in denen wir unglücklich Punkte liegen gelassen haben, wäre mehr möglich gewesen. Das hat uns das über die Saison zwei, drei Plätze gekostet.“

Nachdem der Aufsteiger aus dem Elbe-Saale-Winkel ab dem 5. Spieltag mit sieben Siegen in Folge aufhorchen ließ und sich zwischenzeitlich an die Spitze katapultiert hatte, war über den Jahreswechsel hinweg der Wurm drin. „In einem Kader von 15 bis 16 Leuten schmerzen drei, vier Verletzte. Dazu kommt, dass wir uns viele Gelbsperren eingehandelt haben, auch eine Rote Karte fiel ins Gewicht. Das hätte nicht sein müssen.“

Disziplin als Erfolgsfaktor

An dieser Stelle liegt dann auch ein Unterschied zum Kreismeister aus Felgeleben, der auch die Fair-Play-Wertung anführte. „Die Disziplin war ein wesentlicher Faktor“, hob Voß hervor. In der vergangenen Saison zudem von Verletzungen gebeutelt, musste Wacker diesmal personell kaum Abstriche machen. Nirgends wird dies deutlicher als an Torjäger Chris Müsing, der in der Saison 2016/17 nur auf sieben Einsätze kam, in der abgelaufenen Serie beschwerdefrei blieb und sich mit 27 Treffern in 25 Spielen die Torjäger-Kanone sicherte.

Was sich so beim wichtigen 3:2-Erfolg in Egeln Mitte April angedeutet hatte, wurde mit dem triumphalen 4:0-Sieg über den ärgsten Konkurrenten vom VfB Neugattersleben vor knapp 300 Zuschauern am ersten Juni-Wochenende Gewissheit: Dank einer phänomenalen Rückrunde setzte sich Wacker die Kreismeisterkrone auf. „Wir hatten auch das Glück, die großen Kaliber in der Rückrunde zuhause zu bespielen. Bekanntlich haftet uns eine gewisse Heimstärke an.“ Diese wollen die Felgeleber nun natürlich auch in der Landesklasse, Staffel IV, zum Tragen kommen lassen. Mal sehen, wie sich die Dinge in der neuen Saison entwickeln.