Schönebeck l Kinderstimmen sind deutlich hörbar. Immer wieder wummert ein Ball an die Turnhallenwand der Ludwig-Schneider Grundschule in Schönebeck. Während die Kinder sich fröhlich unterhalten und mit dem Ball kicken, sitzt ein Mann auf der Bank, der dem ganzen Treiben auf dem Parkett zusieht: Joachim Goertz. Zusammen mit seiner Frau Doris Goertz betreut der 77-Jährige die Arbeitsgemeinschaft (AG) Fußball an der Grundschule.

Und Goertz ist genau der richtige Mann. 45 Jahre arbeitete er als Trainer, unter anderem bei Chemie Schönebeck. Er gewann Titel und feierte Aufstiege. Aber auch mit Niederlagen, gar Abstiegen, wusste Goertz stets umzugehen.

Kinder lernen das Fußball-ABC

Bereits seit drei Jahren engagiert er sich ehrenamtlich an der Ludwig-Schneider Schule, betreut dort die Schüler der ersten bis vierten Klasse, die Lust auf Fußball haben. „20 Kinder sind dabei“, erzählt Goertz stolz. Der Kontakt kam unter anderem über die Enkeltochter zu Stande, die in der Grundschule lernt. „Dann kam die Schulleiterin auf mich zu“, erzählt der Fußball-Lehrer. Ohne lange zu überlegen, sagte Goertz zu, „denn ohne Fußball kann ich nicht“.

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Jeden Mittwoch gibt Goertz seine Kenntnisse an die Kicker weiter. „Sie lernen bei mir das Fußball-ABC. Dazu gehört auch das Jonglieren. Etwas Taktik darf aber natürlich nicht fehlen.“

Und wenn die Kinder dann doch zu sehr durch die Halle rennen, wird Goertz auch mal lauter. Denn auch im Fußball hat Disziplin einen hohen Stellenwert. „Wenn ich dann doch mal zu laut werde, ist meine Frau der richtige Ansprechpartner“, sagt der 77-Jährige lachend. Doris ist die gute Seele der AG, kümmert sich um die Kinder und tröstet die eine oder andere Träne weg, wenn ein Zweikampf doch zu hart war.

Aber die AG kann nur bestehen bleiben, wenn Gelder für die Förderung vorhanden sind. „Wir brauchen Trainingsmaterial, Bälle und auch Trikots. Doch die Schule hat ja kaum Geld“, weiß auch Goertz. Ein Sponsor musste her und der war schnell gefunden: Jens Grüttner, der Geschäftsführer des Ergotherapie-Zentrums plus in Schönebeck. Sein Sohn kickt in der AG mit, daher gab es keine Überlegungen. Einen Trikotsatz spendete Grüttner, weitere Anschaffungen sind möglich, sagt er selbst.

Für beide Seiten ein Segen. Daher richtet auch Goertz einen Appell an die anderen Schulen: „Gründet eine AG. Dann können die Schulen auch gegeneinander antreten“, sagt er, weiß aber auch, wie schwer es ist, Trainer und finanzielle Mittel zu finden. Unabhängig davon macht es ihm Spaß, das ist zu spüren. Seit 47 Jahren ist Goertz ehrenamtlich dabei, bekam dafür sogar ein Schreiben vom Oberbürgermeister der Stadt Schönebeck, Bert Knoblauch. Viele weitere Jahre sollen noch dazukommen, weil Fußball sein Leben ist.