Schönebeck l Es ist die absolut positive Botschaft beider Mannschaften, dass sie neben dem harten Kampf um Punkte die Gesundheit und Würde des Gegners nicht außer Acht gelassen hatten. Auf eine unschöne Szene, als sich Kleinmühlingens Christoph Berlau im Zweikampf am Knöchel verletzt hatte, folgte die wohl schönste der gesamten Partie. Mit Marcus Rasche und Sebastian Jakobs trugen den Mittelfeldspieler des TSV zwei Schönebecker vom Platz, wo er von seinem Trainer Mario Sens in Empfang genommen wurde.

Fair Play immer gegeben

„Das war eine klare Sprache meiner Spieler“, lobte SSV-Coach Michael Steffen. „Beide Seiten hatten sich nichts geschenkt und die Zweikämpfe männlich geführt. Das gehört zum Fußball und zu einem Derby ebenso dazu wie die Hilfe, wenn sich jemand verletzt.“ Auch Sens war das Verhalten positiv aufgefallen. „In einem Derby geht es nun mal heiß her. Trotzdem war das Fair Play gegeben.“

Und auch als Jakobs einen Abwehrfehler des TSV nutzen wollte und zeitgleich mit Keeper Jens Ulrich am Ball ankam, zog er zurück (77.). Zwar trafen sich beide Spieler an den Beinen, doch wirklich schwer war der Zusammenprall nicht, es gab „Shakehands“.

Im Sinne von Weizäcker

Am Ende durften sich beide Teams auf die Schulter klopfen, denn sie lieferten einen heißen Kampf und handelten dabei ganz im Sinne des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker, der über Fair Play einst sagte: „Verlangt ist nicht nur die formelle Beachtung von Regeln. Nie werden geschriebene Regeln die menschliche Haltung des ‚Fair Play‘ ersetzen können. Der Sportler, der das Fair Play beachtet, handelt nicht nach den Buchstaben, er handelt nach dem Geist der Regeln“.

Die personelle Inventur nach dem Derby fällt dennoch ernüchternd aus. Der SSV hat mit dem angeschlagenen Christian Bruchmüller und Marcus Rasche zwei Verletzte mehr, zudem kassierte Jakobs seine fünfte Gelbe. Beim TSV fällt Berlau aus, Danny Klepel kassierte die fünfte Gelbe, Holger Götsche sogar die Rote.

Schönebeck ist Herbstmeister

Die abschließenden zwei Partien vor der Winterpause gegen Arminia Magdeburg und beim TuS Magdeburg-Neustadt „werden wir versuchen, durchzustehen“, sagte Sens. „Wir sind mit dem fünften Platz durchaus zufrieden. Unsere Abwehr steht sicher. Wir müssen nur vorn mehr aus unseren Chancen machen. In der Pause kehren hoffentlich unsere Verletzten und Angeschlagenen zurück.“

Der SSV feierte indes die „Herbstmeisterschaft“, ist einen Spieltag vor dem Ende bei sechs Zählern Vorsprung von der SG Niegripp nicht mehr vom ersten Platz zu verdrängen. „Das ist natürlich ein schönes Zwischenergebnis“, erklärte Steffen. Allerdings gibt es noch zwei schwere Aufgaben zu überstehen. Am kommenden Wochenende ist Medizin Magdeburg an der Barbarastraße zu Gast, sieben Tage später reisen die Roten zum Gipfeltreffen nach Niegripp. Auch dort wird neben aller Rivalität das Fair Play sicherlich nicht vergessen.